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Stihls neuer Chef hat sich bewährt

Von Martin-W. Buchenau
Der neue Stihl-Vorstandschef Bertram Kandziora hat allen Grund zur Freude. Der Weltmarktführer von Motorsägen hat den Umsatz um zwölf Prozent auf 1,8 Milliarden Euro gesteigert, die Investitionen deutlich erhöht und 700 Leute eingestellt.
STUTTGART. Stihl hat den Umsatz um zwölf Prozent auf 1,8 Milliarden Euro gesteigert, die Investitionen deutlich erhöht und 700 Leute eingestellt. Auch die ersten Monate dieses Jahres sind gut gelaufen. Bei Fragen nach der Ertragslage lächelt der gebürtige Schlesier verschmitzt und sagt nur: ?zufrieden stellend?. Der etwas nüchtern wirkende Vorstandschef hat allen Grund, gelöster zu sein als sonst. Vor ein paar Tagen wurde sein Vertrag vorzeitig bis 2012 verlängert. Damit ist die schwierige Nachfolge im Unternehmen des ehemaligen DIHT-Präsidenten Hans Peter Stihl geschafft.Eigentlich war Harald Joos als erster familienfremder Chef vorgesehen, aber der trat schon im Februar 2003 nach nur zehn Monaten wieder ab. Danach war Firmeninhaber Stihl vorsichtiger. Er setzte Produktionschef Kandziora an die Spitze, kürte ihn aber nur zum Vorstandssprecher und nicht gleich zum Vorsitzenden ? sozusagen eine Beförderung auf Probe. Die hat der 50-Jährige, der lange im Bosch-Konzern arbeitete, jetzt bestanden.

Die besten Jobs von allen

Fremdmanager haben es in Familienunternehmen generell nicht leicht. Das erleben gerade ehemalige Kollegen Kandzioras aus der Bosch-Zeit. So muss sich Paul Adams bei Märklin mit der schwachen Nachfrage nach Modelleisenbahnen auseinander setzen und mit den Querelen um den Verkauf an einen britischen Investor. Und bei WMF-Chef Thorsten Klapproth wird die Lage unübersichtlicher, nachdem der erste Großaktionär ein Fünftel des Unternehmens an einen Finanzinvestor verkauft hat.Kandziora muss nur mit Stihl und seiner Familie klarkommen. Der Firmenpatriarch ist im Unternehmen zwar als Aufsichtsratschef präsent ? aber die Chemie scheint zu stimmen.
Dieser Artikel ist erschienen am 27.04.2006