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Steuertipp: Krankheitskosten absetzen

Markus Kahr
Vorbei die Zeiten, in denen es die Brille von der Kasse gab, Rezepte nichts kosteten und für den Krankenhausbesuch kein Eigenanteil zu berappen war. Immerhin hat der Fiskus ein Einsehen und erkennt krankheitsbedingte Ausgaben als so genannte außergewöhnliche Belastung in der Einkommensteuererklärung an.
Vorbei die Zeiten, in denen es die Brille von der Kasse gab, Rezepte nichts kosteten und für den Krankenhausbesuch kein Eigenanteil zu berappen war. Immerhin hat der Fiskus ein Einsehen und erkennt krankheitsbedingte Ausgaben als so genannte außergewöhnliche Belastung in der Einkommensteuererklärung an. Zu diesen Belastungen zählen außer den Krankheitskosten unter anderem auch Ausgaben für Scheidung und Beerdigung. Immerhin drei Zeilen – 117 bis 119 – sieht das Finanzamt dafür auf dem Mantelbogen der Steuererklärung vor. Da der Platz für alle Einzelheiten ohnehin nicht ausreicht, trägt man am besten nur ?siehe Anlage“ und den Gesamtbetrag ein und erläutert die Aufwendungen auf einem Extrablatt. Wichtig: Belege sammeln und mit einreichen.

Doch bevor Zahnersatz, Hustensaft und Krankengymnastik die Steuer mindern, sind mehrere Hürden zu nehmen. Es zählen nur diejenigen Kosten, die der Steuerzahler auch tatsächlich bezahlt hat: Die Erstattungen der Krankenkasse sind immer abzuziehen.

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Über eine Steuererstattung kann sich zudem nur der freuen, dessen gesamte ?außergewöhn.liche Belastungen“ den zumutbaren Eigenanteil übersteigen. Was zumutbar ist, hängt vom Familienstand, von der Kinderzahl und vom Gesamtbetrag der Einkünfte – Einnahmen abzüglich Werbungskosten aller Einkünfte – ab (siehe Tabelle).

Der Fiskus erkennt längst nicht alle denkbaren Kosten rund um Krankheit und Gesundheit an. In manchen Fällen, besonders bei alternativen, noch nicht wissenschaftlich anerkannten Heilmethoden, wird man sich schon mal mit dem Finanzamt anlegen müssen. Ein vor der Behandlung eingeholtes Attest vom Amtsarzt kann Streit vorbeugen.

Will man Kosten ansetzen, die manchmal von der Krankenversicherung getragen werden und manchmal nicht, sollte man dem Finanzamt immer den ablehnenden Bescheid der Kasse beilegen. Nicht anerkannt werden Wohlfühlmassagen oder krankheitsbedingte Umbauten in der Wohnung. Bei vielen anderen Kosten gilt ?Ja, aber...“.

E-Mail: info@Kahrweb.de

Weitere Informationen unter: www.karriere.de/steuern




A bis Zett

Arzneimittel

Die Kosten für Medikamente sind immer dann abzugsfähig, wenn sie von einem Arzt verschrieben wurden, auch wenn sie nicht verschreibungspflichtig sind. Voraussetzung ist allerdings, dass vor der Behandlung ein entsprechendes Rezept ausgestellt wurde.

Arzt- und Heilpraktikerkosten

Aufwendungen für einen Arzt oder Heilpraktiker sind als Krankheitskosten abzugsfähig, sofern die Kasse nachweislich nicht zahlt.

Brille

Bei ärztlicher Verordnung einschließlich Ersatz- und Sonnenbrille abzugsfähig.

Fahrtkosten

Fahrtkosten, die im Zusammenhang mit einer Krankheit entstehen (Fahrt zum Arzt, Apotheke, Krankenhaus), sind entweder mit den tatsächlich entstandenen Kosten oder pauschal mit 0,58 Mark je gefahrenen Kilometer abzugsfähig. Dies gilt auch für Besuchsfahrten naher Angehöriger, sofern sie medizinisch notwendig sind, wie zum Beispiel Elternbesuche bei kleinen Kindern.

Geburt

Arzt- und Krankenhauskosten sind selbstverständlich abzugsfähig. Aufwendungen für eine Säuglingsschwester oder Amme werden nur mit amtsärztlicher Bescheinigung akzeptiert.

Kontaktlinsen

Mitsamt Pflegemittel ansetzbar.

Krankenhaus

Abzugsfähig, auch die Zuzahlung für die Chefarztbehandlung oder der Einzelzimmerzuschlag, sofern diese Kosten nicht von der Krankenkasse erstattet werden. Die Erstattungen einer Krankentagegeldversicherung werden nicht mit den Kosten aufgerechnet, Krankenhaustagegeld dagegen schon.

Kur

Damit eine Kur steuerlich absetzbar wird, muss ein amtsärztliches Zeugnis vorliegen. Die Bescheinigung des Hausarztes ist nicht ausreichend. Ausnahme: Der medizinische Dienst der gesetzlichen Krankenkasse gewährt einen Zuschuss zu den Unterkunfts- und Verpflegungskosten. Abzugsfähig sind dann die Unterbringungs- und Verpflegungskosten (als Haushaltsersparnis wird ein Fünftel der Kosten abgezogen), angemessene Trinkgelder an Schwestern und Pfleger sowie die reinen Anwendungskosten, die durch die Kur entstanden sind.

Schwangerschaftsverhütung

Privatvergnügen – nicht abzugsfähig.

Zahnersatz

Ob Plombe, Krone oder Gold – der Fiskus erkennt alles an, was die Kasse nicht zahlt.
Dieser Artikel ist erschienen am 22.06.2001