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Sterbehelferin

Lucy Braun
Foto: Heiko Laschitzki
Aids in Afrika: Genaue Statistiken fehlen, eine öffentliche Diskussion gibt es nicht. Und das, obwohl viele der Krankenhäuser schon zu 80 Prozent Aids-Patienten behandeln und weitere nicht mehr aufnehmen können.
"Home Based Care Facilitators" ist ein Projekt, in dem die 32-Jährige Irene Arnold im vergangenen Jahr drei Monate arbeitete: Die DRK-Mitarbeiter bauten in den afrikanischen Ländern ein Netzwerk an Volontären aus den Dorfgemeinschaften auf. "Die Facilitators kümmern sich um die Erkrankten und deren Familien. Sie sollten in Würde zu Hause leben können, bis sie sterben", erklärt die Soziologin

Auch wenn Facilitators keine medizinisch ausgebildeten Fachkräfte sind, erhalten sie Schulungen zu Aufklärungsarbeit, Hygiene und Ernährung, aber auch eine Grundausstattung für die tägliche Pflege wie Verbandsmaterial, Seife, Multivitaminpräparate. Irene Arnolds Aufgabe war ein "situational assessment" - das Projekt auf seine Wirksamkeit zu überprüfen. In unzähligen Gesprächen mit den Erkrankten analysierte die 32-Jährige aus Wien, wie die Arbeit der Facilitators bei den Betroffenen akzeptiert wurde. Ihre Erkenntnis: "Entwicklungszusammenarbeit ist in dieser Form einfach sinnvoll, weil die Kranken unmittelbar und nachhaltig von diesem Projekt profitieren. Sie können zumindest ein Stück weit würdiger mit der Krankheit leben und sterben.

Die besten Jobs von allen


Besonders beeindruckt hat sie der ständige direkte Kontakt zu den Kranken, ihren Familien und zu den Dorfgemeinschaften. Aber: "Man muss sich bei aller Betroffenheit und allem Mitfühlen eine gewisse Distanz wahren, sonst frisst einen das Leid, mit dem man tagtäglich konfrontiert ist, innerlich auf"

Kurzbiografie
Irene Arnold begann nach einer Ausbildung zur PR-Beraterin mit dem Soziologiestudium in Wien und kam über ein Stipendium nach Berlin. Bereits während des Studiums verbrachte die 32-Jährige ein halbes Jahr in Südafrika, bevor sie eine Postgraduate-Ausbildung am Seminar für ländliche Entwicklung an der Humboldt Uni Berlin machte. Dann wechselte sie zum DRK in die Entwicklungszusammenarbeit. Sie stieg über das Nachwuchsförderungsprogramm des DRK in ein Aids-Projekt in Namibia ein.
Dieser Artikel ist erschienen am 20.03.2002