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Stellenwechsel

Elisabeth H. Jahrreiß
Im Lauf des - beruflichen - Lebens gibt es in der Regel einige konkrete Anlässe, über einen Wechsel der Tätigkeit nachzudenken.
Im Lauf des - beruflichen - Lebens gibt es in der Regel einige konkrete Anlässe, über einen Wechsel der Tätigkeit nachzudenken: Ihnen ist gekündigt worden; Sie verdienen nicht genug; Sie haben Ihren Traumjob, aber Differenzen mit Ihrem Vorgesetzten; Sie sind akut oder latent unzufrieden und suchen (auch) im Beruf nach dem Sinn Ihres Tuns; eine neue Position wird an Sie herangetragen...

Vieles von dem geschieht unvorhergesehen, und ohne sorgfältige Vorbereitung ist es dem Zufall überlassen, ob ein Wechsel nur vermeintlich oder wirklich eine Weiterentwicklung ist. Ich empfehle daher, dass Sie sich frühzeitig und in regelmäßigen Abständen Zeit nehmen, innezuhalten und sich Klarheit und Übung verschaffen, wie Sie über Ihr berufliches (und privates) Leben bewusstere Entscheidungen treffen können. Wenn Sie Ihre Überlegungen aufzeichnen, können Sie im Lauf der Zeit immer detaillierter vorgehen und besser auf Ihre Erfahrungen zurückgreifen. Und wenn Sie gerade jetzt vor der Frage "Wechsel - ja oder nein?" stehen, helfen Ihnen die folgenden Hinweise ebenfalls. Zudem ist diese Übung eine exzellente Vorbereitung auf jedes Bewerbungsgespräch.

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Denken Sie frei darüber nach, was Sie schon immer tun wollten. Machen Sie eine Liste Ihrer Lieblingsbeschäftigungen, -themen und Interessengebiete. Was macht Ihnen am Tag, in der Woche, im Monat am meisten Spaß? Schauen Sie auf Ihre Vergangenheit. Wann ging es Ihnen beruflich gut und warum? Was können Sie am besten?

Erstellen Sie eine Liste Ihrer wichtigsten Werte in ihrer Rangfolge. Fragen: Was ist Ihnen wichtig? Was soll unbedingt erfüllt sein in Ihrem (beruflichen) Leben? Was ist wertvoll für Sie? Was wollen Sie geistig, körperlich, menschlich und materiell erreichen?

Formulieren Sie jetzt Ihr Ziel! Welchen Zustand wünschen Sie sich in der Zukunft, am Ende Ihres Berufslebens? Lassen Sie sich nicht von Berufsbezeichnungen einengen, sondern drücken Sie Ihr Ziel in Funktionen und Tätigkeitsfeldern aus. Formulieren Sie Ihr Ziel positiv und ohne Vergleiche und Steigerungen! Erwägen Sie verschiedene Möglichkeiten. Seien Sie mutig und spontan! Auch wenn die Ideen, die Sie entwickeln, vielleicht nie realisiert werden, so kommen sie doch dem Wesen Ihrer Frage näher, indem Sie ein Bild von Ihrer Zukunft malen. Wenn Sie Ihren Träumen vertrauen, werden Ihre Erfolge Ihre Erwartungen übertreffen.

Stellen Sie fest, welche Werte in Ihrer jetzigen Position gut gehandelt werden, welche nicht. Überlegen Sie welche Vorteile Sie haben, wenn Sie Ihr Ziel erreichen. Überlegen Sie dann, ob Sie Ihrer Vision durch den angedachten Wechsel ein Stück näher kommen.

Bedenken Sie: Zielerreichung bedeutet, aktuelle Vorteile aufzugeben. Stellen Sie also fest, was die Vorteile der jetzigen Situation sind. Wie hoch ist der Preis, den Sie zahlen können (Umzug, erworbene Altersversicherung, Wechsel des sozialen Umfelds für Ihre Familie, Einbußen im Gehalt). Wenn der Preis (im Moment) zu hoch erscheint, formulieren Sie Ihr Ziel um.

Stellen Sie fest, was Sie in Bezug auf Ihr Ziel bereits können. Welches Verhalten haben Sie gelernt, wie sind Ihre Fähigkeiten, wie Ihre Erfahrungen, über welche Eigenschaften verfügen Sie? Was fehlt Ihnen auf diesen vier Ebenen zur Erreichung Ihres Ziels? Welcher Wechsel ist ein sinnvoller Meilenstein?

Denken Sie daran, nicht nur die gewünschte Funktion (zum Beispiels Unternehmensberater), sondern auch das konkrete Tätigkeitsfeld zu definieren (selbstständig, in einer Beratungsgesellschaft, in einem Unternehmen). Wo wollen Sie Ihre Fähigkeiten einsetzen?

Machen Sie sich die äußeren Umstände Ihres Ziels klar. Beschreiben Sie Ihr Ziel in Bezug auf Orte, tatsächliche äußere Bedingungen und Kontakte so genau wie möglich und vergleichen Sie! Schon mancher hat bei dem Gedanken an einen Wechsel als Berater in ein erstklassiges, weltweit tätiges Strategieberatungsunternehmen zwar an die internationale Aufgabe, das Gehalt und das Renommee gedacht, nicht aber daran, dass er die überwiegende Zeit in Flugzeugen und Hotels verbringt und eine Übernachtung bei der Familie eher selten ist.

Nutzen Sie Freunde, Personalberater, einen Coach, jeden Kontakt oder das Internet, um zu erfahren, wie genau eine mögliche neue Herausforderung in Bezug auf all die oben genannten Punkte aussieht.

Beachten Sie den Zeitpunkt des Wechsels! Es gibt Gründe, mit dem Wechsel zu warten, bis man in der aktuellen Position sinnvolle Ergebnisse aufzuweisen hat (dies müssen nicht zwangsläufig mehrere Jahre sein), und es gibt gute Gründe, diesen Schritt vorher zu tun. Manchmal muss man auf einen fahrenden Zug aufspringen, aber eben nur dann, wenn man weiß, dass es der richtige ist.

Zu guter Letzt: Die Suche beginnt nicht am Arbeitsmarkt, sondern bei Ihnen. Mir ist bewusst, dass ich Ihnen eine schwierige, sehr zeitaufwendige und dazu noch lebenslange Aufgabe stelle. Aber es geht um Sie. Und überlegen Sie mal, wie viel Zeit Sie mit Ihrem Hobby oder in unsinnigen Meetings verbringen

Dieser Artikel ist erschienen am 14.02.2001