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Steiniger Weg an die Spitze

Von Christoph Schlautmann
Franz Markus Haniel drängt beim Handelsriesen an die Spitze des Aufsichtsrats. Doch einige Mitglieder des Gremiums drohen mit Rücktritt. Kompromisskandidat könnte am Ende ein Mann sein, der bislang überhaupt noch nicht diskutiert wurde.
Vor der Zentrale der Metro in Düsseldorf. Die geplante Neubesetzung der Aufsichtsratsspitze sorgt für heftigen Streit. Foto: dpa
DÜSSELDORF. Er sei ein ?moderner Traditionalist?, philosophierte Franz Markus Haniel noch vor vier Monaten in seinem Münchener Büro. Er wisse um die Vorzüge von Traditionen, aber auch, ?dass Traditionen, dass Regeln und Regelwerke der Zeit angepasst werden müssen?.Seit wenigen Tagen arbeitet der 52-jährige Spross des Duisburger Industriellenclans Haniel selbst daran, veraltete Traditionen der Zeit anzupassen. Diesmal geht es um nicht weniger als die Kontrolle über den weltweit drittgrößten Handelskonzern: die Düsseldorfer Metro.

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Den macht sich das Oberhaupt der 251 Jahre alten Familiendynastie nun in kurz aufeinanderfolgenden Schritten Untertan. Am 31. August erst übernahm sein Mischkonzern gemeinsam mit den Duisburger Metro-Gründern Michael und Reiner Schmidt-Ruthenbeck die knappe Aktienmehrheit des Dax-Konzerns in der rheinischen Nachbarstadt. Gut zwei Wochen später wechselte Haniel dort den Vorstandschef aus. Der neue kommt aus den eigenen Reihen: Haniel-Vorstandschef Eckhard Cordes, 56, wird Ende Oktober den langjährigen Metro-Lenker Hans-Joachim Körber, 61, ablösen.Doch all dies ist Franz Markus Haniel, der in der Konzernzentrale angeblich nie ohne Krawatte des Pariser Modehauses Hermès gesichtet wird, nicht genug. Der Clanchef beansprucht nun auch noch den Vorsitz in Metros Aufsichtsrat. Das erfuhr das Handelsblatt aus Aufsichtsratskreisen ebenso wie im Düsseldorfer Unternehmen selbst. Sein neuester Vorstoß allerdings stößt gleich bei mehreren amtierenden Aufsichtsräten des Handelsriesen auf scharfe Kritik. Einige von ihnen hätten für diesen Fall sogar ihren Rücktritt angekündigt, heißt es. Die Befürchtung: Käme es zu diesem Schritt, wäre Franz Markus Haniel nicht nur Cordes? Chefkontrolleur bei der Metro, sondern gleichzeitig auch dessen oberster Dienstherr bei Haniel. Dort nämlich bleibt der designierte Metro-Chef weiterhin Vorstandsvorsitzender.Die Doppelrolle Haniels halten mehrere Metro-Aufsichtsräte für bedenklich, darunter auch Vertreter der Arbeitnehmerseite. Von der Hand zu weisen sind die Zweifel nicht. Käme es, wie Konzernbeobachter vermuten, zu einem Teilverkauf der Metro, könnte sich Haniel am Ende das übriggebliebene Cash-&-Carry-Geschäft selbst einverleiben. In einem solchen Fall befände sich Franz Markus Haniel als Metro-Aufsichtsratschef in einem schweren Interessenkonflikt. Hinzu kommt: Da Franz Markus Haniel dem Metro-Aufsichtsrat bislang nicht angehört, müsste eine Berufung in dieses Amt per Gerichtsbeschluss erfolgen.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Am Ende ein Schweizer?Sollte Haniel mit seinem Griff nach dem Aufsichtsratsvorsitz am Widerstand der übrigen Kontrolleure scheitern, stünden dort gleich mehrere potenzielle Nachfolger für den scheidenden Cordes bereit. Zu ihnen zählt dem Vernehmen nach Thyssen-Vorstandschef Ekkehard Schulz, 66, der dazu jedoch die Erlaubnis von Krupp-Verwalter Berthold Beitz, 94, benötigt. Auch Hans-Jürgen Schinzler, 66 und Aufsichtsratschef der Münchener Rück, werden gute Chancen eingeräumt. Im Gespräch ist zudem der ehemalige Bayer-Chef Manfred Schneider, 68.Kompromisskandidat könnte am Ende aber womöglich der Schweizer Peter Küpfer, 63, sein, der bislang in Aufsichtsratskreisen überhaupt nicht diskutiert wird. Küpfer, ehemaliger Finanzvorstand von Credit Suisse und seit anderthalb Jahren Mitglied im Metro-Aufsichtsrat, ist seit Februar Geschäftsführer der Gebr. Schmidt GmbH & Co. KG. Die Essener Firma mit dem unscheinbaren Allerweltsnamen ist die Finanzholding der Schmidt-Ruthenbecks, in der die Brüder ihr Vermögen von geschätzten 3,3 Milliarden Euro verwalten ? womit sie laut Forbes-Liste unter Deutschlands Milliardären Platz 19 belegen. Bislang aber, so scheint es, überlässt Küpfer dem Verbündeten Haniel bei der Besetzung der Aufsichtsratsspitze den Vortritt.Franz Markus Haniel ist Sohn des langjährigen Beiratsvorsitzenden Klaus Haniel, der 2006 im Alter von 90 Jahren starb, und in elfter Generation Nachfahre des Konzerngründers Jan Willem Noot. Anders als sein Amtsvorgänger bei Haniel, Jan von Haeften, habe sich Franz Markus bislang allerdings nicht als Strippenzieher und ?Netzwerker? hervorgetan, berichten Beiratsmitglieder. Der in München verheiratete Konzernerbe gilt eher als Integrateur der Familieninteressen. Dabei gehört sein eigener Stamm bei weitem nicht zu den größten Ablegern des verzweigten Clans. Mit 16 Prozent Anteil besitzen die Horstmanns dort den dominierenden Anteil. Größere Beteiligungen nennen zudem die Reichsgrafen von Dürckheim, die Reichsgrafen von der Tann und die Böningers ihr Eigen. Zuletzt aber mussten sich die rund 560 Familienmitglieder eine spärliche Ausschüttung von 100 Millionen Euro teilen, obwohl der Konzernwert auf 15 Milliarden Euro geschätzt wird.Das soll Franz Markus Haniel, der neben seiner Metro-Beteiligung ein Konglomerat aus Pharmahändlern (Celesio), Büroeinrichtern (Takkt) und Bauzulieferern (Ytong) überwacht, nun ändern. Managementerfahrung sammelte er dafür reichlich in der Beratungs- sowie Chipkartenbranche und beim Banknotendrucker Giesecke & Devrient.
Dieser Artikel ist erschienen am 27.09.2007