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Steffen Springer

Cranfield School of Management
Warum einen MBA?
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Liebe Leserinnen und Leser,

ich freue mich, mit den folgenden Beiträgen meine MBA Erfahrungen dem interessierten Publikum weitergeben zu können. Der Mythos des MBA's "Eine Erfahrung, die das Leben verändert" wird immer öfter benutzt, um das Studium in wenigen Worten zu beschreiben. Aber welche Erfahrungen sind es eigentlich, die völlig neue Wege aufzeigen und ungeahnte Tore öffnen?

In den zukünftigen Beiträgen will ich versuchen, meine persönlichen Eindrücke und Erfahrungen, die definitiv meine Sicht der Dinge verändert haben, anhand von Beispielen aus dem Cranfield Studienalltag zu illustrieren.

Für Fragen stehe ich natürlich jederzeit gern zur Verfügung: steffen.springer.ftmba.01@cranfield.ac.uk


Woche 37/2002

Es ist sprichwörtlich unglaublich, wie schnell doch so ein Jahr vergeht. Für mich war es das intensivste Jahr meines Lebens und der Gedanke, daß ich mein MBA nun abgeschlossen habe, ist sicherlich noch etwas gewöhnungsbedürftig.

Auch in den letzten Tagen des Cranfield MBAŽs kommt es zu keiner Langeweile. Alle arbeiten fieberhaft an Projekten und besuchen Wahlfächer. Gerade in dieser Zeit ist viel Organisationsgeschick und Disziplin gefragt, um Gruppenprojekte zu koordinieren und alle Abschlußberichte entsprechend der Termine fertigzustellen. Manche Leute leben in diesen Tagen mit sehr wenig Schlaf.

Auf die Ausbildung der Soft Skills wird bis zum Schluß wertgelegt. Leadership, eine viel diskutierte Managementaufgabe, hat einen festen Platz im Ausbildungsprogramm und beendet das Training der zwischenmenschlichen Fähigkeiten mit zahlreichen Workshops. Der beeindruckendste Teil dieses Programms besteht aus Gruppenübungen im Freien. Ein Leader muß dabei die Gruppe in der Erreichung recht komplizierter Ziele anleiten. Natürlich bekommt man Feedback, das auch in die Note einfließt. Dies ist eine der letzten Möglichkeiten, um eine umfangreiche Einschätzung zur eigenen Person zu bekommen, was allerdings keine Überraschungen mehr bereiten sollte, da es in einem Cranfield MBA nicht möglich ist, der wiederholten Einschätzung der Kommilitonen zu entgehen.

Eine Frage, mit der ich in letzter Zeit häufig konfrontiert worden bin, ist das Problem des gegenwärtigen Arbeitsmarktes. Die Frage ist berechtigt, denn wer sich zu einem MBA entschließt, möchte seiner beruflichen Entwicklung in aller Regel einen neuen Schub oder eine neue Richtung geben. In schwierigen Zeiten, wie dieser, ist es um so wichtiger, sich für ein Programm mit Rang und Namen zu entscheiden. Ich habe dabei mit Cranfield sehr gute Erfahrungen gemacht. Natürlich sind Unternehmen gegenwärtig mit Neueinstellungen zurückhaltender als dies vor drei Jahren der Fall war. Investmentbanken und Top Consultants, einst das Ziel vieler MBA's, sind in diesem Jahr fast völlig ausgefallen.

Der Erfolg der Arbeitssuche hängt in erster Linie mit der persönlichen Flexibilität und einer entsprechenden Hartnäckigkeit, die während der Bewerbungsaktivitäten an den Tag gelegt werden muß, zusammen. Beispielsweise wird das Telefon in solchen Situation unentbehrlich. Wer nicht zum Hörer greift und persönlich Kontakt aufnimmt, hat keine Chance. Ich habe mit Firmen gesprochen, bei denen täglich 400 Bewerbungen eingehen. Wer hier nur seine Bewerbungsunterlagen schickt, hat keine Aussicht auf Erfolg. Mit einem guten Abschluß und der entsprechenden Hartnäckigkeit ist es aber möglich auch in schwierigen Marksituationen der beruflichen Entwicklung die erhoffte Richtung zu geben. Der Erfolg vieler meiner Kommilitonen beweist dies. Ich werde ab Oktober für eine internationale Firma in London arbeiten, worauf ich schon sehr gespannt bin.

Liebe Leser, ich hoffe, daß ich mit meinen Beiträgen etwas Licht in das Dunkel eines MBA Programms bringen konnte. Allen, die sich noch im Entscheidungsprozeß befinden, möchte ich mit auf den Weg geben: die richtige Wahl der Schule ist alles. Cranfield hat meine Erwartungen übertroffen und ich würde jederzeit noch einmal hier studieren. Die ausgezeichnete akademische Fortbildung ist jedoch nur eine Seite; ich habe hier Freunde fürs Leben gefunden und eine Menge über mich selbst gelernt.

Natürlich stehe ich auch weiterhin gern für Fragen zur Verfügung.

Alles Gute und viel Spaß in der Entscheidungsphase oder auch schon in einem neuen Programm.

Herzliche Grüße
Steffen Springer
Woche 25/2002

Die besten Jobs von allen

Geschafft! Wieder einmal habe ich die Quartalsprüfungen hinter mich gebracht. Noch ein wenig müde von der gestrigen "End of Term Party" freue ich mich nun auf zwei Wochen in Deutschland. Hoffentlich ist das Wetter so gut wie während der Prüfungsvorbereitung....Gestern habe ich Spanisch, mein letztes Examen in diesem Quartal, erfolgreich hinter mich gebracht. Cranfield ist eine der wenigen Business Schulen, die während des normalen Programms auch eine fundierte Sprachausbildung anbieten. Als Teil der Wahlfächer ist es möglich, in Term 3 und 4 eine Sprache zu lernen. Natürlich wird diese dann auch geprüft und erscheint als Wahlfach auf dem Zeugnis.Prinzipiell stehen Spanisch, Französisch und Deutsch in den Stufen "intermediate" und "advanced" zur Auswahl. International arbeitende Firmen und globale Märkte erfordern immer mehr Sprachkenntnisse. Job Interviews machen dies sehr deutlich. Englisch wird mittlerweile nicht mehr als Fremdsprache, sondern als "die" Business Sprache gehandelt. Wer einen Unterschied machen möchte, muss mit einer weiteren Sprache aufwarten können.In den Quartalen 3 und 4 stellt man sich die Fächerkombination individuell zusammen. Je nach Interessenlage oder späterem Arbeitswunsch stehen über 100 Wahlfächer zur Verfügung. Im wahrsten Sinne des Wortes hat man die Qual der Wahl. Natürlich findet man mindestens 50 Fächer hochspannend, kann aber nur etwa 10 pro Term belegen. Entscheidungsfreude und klare Vorstellungen über die berufliche Zukunft sind hier gefragt.Nicht alle Fächer werden jedoch mit Prüfungen abgeschlossen. Eins meiner interessantesten "Electives" in Term 3 war "Business Check-Up". Die Teilnehmer des Kurses bilden Arbeitsgruppen und wählen ein Unternehmen, dass sich auf Herz und Nieren prüfen lassen will. In enger Zusammenarbeit mit dieser Firma agieren die Studenten als Consultants und erarbeiten einen Bericht mit Empfehlungen. Untersucht werden alle Bereiche des Unternehmens - von der finanziellen Situation bis hin zum Marketing.Abgeschlossen wird das Projekt mit einer offiziellen Präsentation der Ergebnisse, zu der die Geschäftsleitung auch eingeladen wird. Es versteht sich von selbst, dass die Meinung des Kunden über den erbrachten Service Einfluss auf die Benotung hat. Eine wunderbare Gelegenheit, das frisch erworbene Wissen in die Tat umzusetzen und alle Teilgebiete der Betriebsführung zusammenzubringen.Jetzt steht aber erst einmal alles im Zeichen der verdienten Pause, bevor es dann am 8. Juli den Startschuss zum Endspurt, dem vierten und letzten Quartal, gibt. Unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht.Herzliche Grüsse
Steffen Springer
Woche 20/2002

Der Überbringer schlechter Nachrichten riskiert seinen Kopf - das war zumindest bei Boten im Mittelalter so. Schwierige Neuigkeiten sind heute weniger dramatisch und doch können sie große Kopfschmerzen oder sogar ernsthafte Probleme verursachen, wenn man dieses Metier nicht beherrscht. Es liegt auf der Hand, daß Führungskräfte regelmäßig gefordert sind, schlechte Nachrichten überbringen zu müssen, sicherlich im schlimmsten Fall Entlassungen.

Cranfield bereitet seine Studenten darauf mit speziell entworfenen Workshops vor. Wieder vor laufender Kamera müssen die Vorgesetzten in spe professionellen Trainern die Anstellung kündigen, ein Disziplinarverfahren einleiten oder auch erwartete Beförderungen ablehnen. Befolgt man die vorher gegebenen Grundsätze der Gesprächsführung nicht, hat man sehr schnell eine wutentbrannte und aggressive Person als Gesprächspartner.

Eine wesentliche Stärke Cranfields ist die Ausbildung der Sozialkompetenz. Eine ausgezeichnete fachliche Qualifikation kann Kommunikations- und Führungsschwächen im modernen Wirtschaftsleben nicht mehr ausgleichen.

Man wird zu Beginn des Studiums einer Lerngruppe zugeordnet (!) und mit diesen fünf Personen muß man Term 1 meistern, ob man sich versteht oder nicht. Das Interessanteste war für mich dabei, wie sich Führungspersönlichkeiten und eine Struktur herausbilden, ohne daß eine gegebene Hierarchie dies vorweg nimmt. Nahezu alle Cranfield Studenten hatten vor ihrem MBA Führungsverantwortung und man kann sich vorstellen, daß der Prozeß der Teambildung nicht ohne Reibung verläuft. Das eigentliche Problem ist das Arbeitspensum, welches ohne das Team nicht bewältigt werden kann.

Als ein Pflichtfach in Term 1 gibt es Organisational Behaviour. Benotet wird dieser Kurs anhand eines individuellen und eines Gruppenberichts, die beide auf wöchentlich auszufüllenden Formblättern über das Teamverhalten basieren. Anhand von Modellen und praktischen Arbeitshilfen werden Persönlichkeitstypen und deren Zusammenwirken in Gruppen analysiert. So bereitet beispielsweise die Zusammenarbeit verschiedener Kulturen immer wieder Probleme. Ruhige Naturen müssen sich gegen ausgeprägte Charaktere behaupten und durchsetzen. Am spannendsten fand ich jedoch den Prozeß herauszufinden, wie die eigene Art und Weise auf andere Personen wirklich wirkt und welche Reaktionen ausgelöst werden. Feine, aber wichtige Nuancen, die im realen Arbeitsleben nicht gezeigt werden oder nicht wahrgenommen werden.

Für wenige eine Erlösung, aber für die meisten ein trauriger Umstand, heißt es, am Ende des ersten Terms Abschied vom vertraut gewordenen Team zu nehmen und sein Glück in einer neuen Gruppe aufs Neue zu suchen - jedoch um viele Erfahrungen reicher als beim ersten Mal.
Woche 17/02

Von meiner Teilnahme am Londoner Marathon am 14. April sind nunmehr nur noch ein paar Blasen an den Füßen übrig geblieben. Ich fühle mich wieder vollständig regeneriert. 15 Cranfield MBA's haben in dieser Saison wieder die Tradition gepflegt und rannten die 42km in London für einen guten Zweck. Die während des Laufs gesammelten Eindrücke lassen sich nur schwer in Worte fassen. Eine Grenzerfahrung, die mir sicherlich lange in Erinnerung bleibt. Besonders stolz sind wir darauf, daß wir die Strecke geschlossen in einer Zeit von 4.46.48 absolviert haben.

Der London Marathon ist einer der sportlichen Höhepunkte in Cranfield. Schon in der ersten Woche, die ausschließlich der Orientierung dient ("Orientation week") und von Studenten des vorangegangenen Jahres organisiert und durchgeführt wird, konfrontiert man die "Neuen" mit den zahlreichen Möglichkeiten des sportlichen Ausgleichs. Die persönliche Entscheidungsfreude und Engagement sind dann sofort gefragt, denn noch in dieser ersten Woche formieren sich Organisationskomitees und Trainingsgruppen. Das ist natürlich auch eine wunderbare Gelegenheit Kontakte zu knüpfen und Freundschaften zu schließen.

Wie eingangs erwähnt, steht der London Marathon aber nicht nur im Zeichen der sportlichen Herausforderung, für die man 6 Monate Training investiert. Er ist auch eine der größten Wohltätigkeitsveranstaltungen der Welt. Unser Team ist am vergangenen Sonntag für NSPCC, einer britischen Gesellschaft zur Bekämpfung von Kindesmißbrauch, gelaufen. Im Zuge der Vorbereitung ist es uns gelungen, £15.000 Spendengelder für NSPCC zu sammeln.

Die Tradition des Marathons ist jedoch nicht die einzige, die alljährlich gepflegt wird. Cranfield ist auch der Organisator der internationalen Business School Regatta, die an der Südküste Englands ausgetragen wird. Wir erwarten für dieses Jahr die Teilnahme von etwa 20 Schulen aus der ganzen Welt.

Rugby Fans formieren sich ebenfalls jedes Jahr zu einem Team, um an internationalen Meisterschaften in den USA teilzunehmen. Unsere diesjährige Mannschaft ist gerade vom MBA World Cup zurückgekehrt. Der Titel wurde im Endspiel gegen die Smurfit Business School nur sehr knapp verfehlt.

Im Fußball MBA World Cup ist Cranfield diese Saison Titelverteidiger. Die Mannschaft trainiert momentan auf Hochtouren und wird Ende des Monats für eine Woche in die USA fliegen.

Den Kreis schließt eine Basketball Mannschaft und natürlich ein Cricket Team.

Bleibt nebenbei auch noch Zeit zum studieren? Natürlich ist der Schwerpunkt das Studium selbst, doch das sportliche Engagement bietet den notwendigen Ausgleich, bringt Leute näher und fördert ganz nebenbei den Cranfield Spirit.

Herzliche Grüße
Steffen Springer
April 2002

Mit frischen Kräften aus dem Osterurlaub, aber leichten Startschwierigkeiten, geht es gleich wieder voll zur Sache. Die 12 Monate Cranfield sind in Quartale unterteilt an deren Ende leider Prüfungen stattfinden - aber auch zwei Wochen Ferien, die völlig ohne Bücher und Projekte verbracht werden können. Besonders in den Wochen vor den Prüfungen ist das ein wichtiges Licht am Ende des Tunnels. In der vergangenen Woche war ich mit 77 Kommilitonen in Serre Chevalier (Frankreich) Ski fahren. Sieben Tage Dauerspaß und absolute Erholung!

Zurück in Cranfield ist der Spaß wieder anders geartet. Auf dem Programm steht eine Pressekonferenz unter realen Bedingungen. Cranfield ist eine der wenigen Schulen mit einem vollständig eingerichteten TV Studio. Vor laufender Kamera, schwitzend im grellen Scheinwerferlicht sitzend, wird die Geschäftsleitung (Learning Team) einer krisengeschüttelten Firma von einer Gruppe professioneller Journalisten zur Sprache gebracht. Simuliert werden Katastrophen, wie sie im Unternehmensalltag auftreten können (verunreinigte Babynahrung, Umweltbelastungen, etc.). Natürlich wird vor der benoteten Version ausreichend geübt. Das ist auch notwendig, denn es ist erstaunlich, was unter einer derartigen psychischen Belastung alles daneben gehen kann. Ganz abgesehenen davon, was professionelle Journalisten ungeübten Direktoren entlocken können.....

Von der fiktiven Geschäftsleitung wird hier gefordert, sich in einer halben Stunde Vorbereitungszeit auf eine überraschende Situation einzustellen, eine sinnvolle Taktik zu erarbeiten und dann 30 Minuten möglichst einheitlich und überzeugend zu argumentieren. Eine Situation, die ohne ein funktionierendes Team nicht gemeistert werden kann.
Samstag, 2. März 2002: WAC oder "Written Assessment of a Case"

Die vergangene Nacht steckt mir noch in den Gliedern, aber keine Sorge, nicht etwa wegen einer heftigen Party. Der Grund ist simpler und wird als WAC bezeichnet. An einem Freitag um 11.30 Uhr freut man sich normalerweise auf das Wochenende. An einem "WAC weekend" bekommt man um diese Zeit eine Fallstudie (in diesem Fall Ökonomie). Nach dem individuellen Lesen trifft man sich mit seiner Lerngruppe, um die ersten Ansätze der Lösung zu diskutieren. Die individuelle Note hängt in entscheidendem Maße davon ab, wie gut das Team zusammenarbeitet und wieviel die einzelnen Leute beitragen. Jede Meinung ist daher gefragt und wichtig. Der gesamte Nachmittag vergeht mit der Erarbeitung des Lösungsansatzes und der Diskussion relevanter Themen. Nach der gemeinschaftlich verzehrten Pizza trennt man sich für die individuelle Arbeit: das Schreiben des Berichtes. Erfahrungsgemäß beginnt das gegen 21.00 Uhr. Die Form des Reports ist stark reglementiert: max. 4 Seiten und nicht mehr als 1.500 Worte. Die zuerst empfundene Erleichterung schlägt schnell in eine Herausforderung um. Wie kann ich die gesamtwirtschaftliche Lage Japans nur in 1.500 Worten umfassend genug beschreiben? Diese Situation ist dem Wirtschaftsleben nachempfunden: der Termin für den Bericht ist morgen mittag und kein Chef der Welt hat Zeit für 10 Seiten Text.

Diese Nacht habe ich mir immerhin zwei Stunden Schlaf gegönnt. (Besser als im Finance WAC vor 14 Tagen, als mir discounted cash flows den gesamten Schlaf raubten...) Am Samstag um 14.00 Uhr muß der Bericht eingereicht werden. Wer zu spät kommt, wird mit Punktabzug bestraft. Trotz roter Augen fühlt man sich großartig. Die Stimmung ist gut und alle erzählen sich schmunzelnd die Horrorgeschichten der letzten Nacht. Rote Augen habe ich immer noch, aber ich gehe jetzt zufrieden zur wohlverdienten "WAC Party". Der morgige Sonntag steht ganz im Zeichen einer Projektarbeit, für die der Termin bedrohlich nahe rückt - aber natürlich erst nach genügend Schlaf und einem gemütlichen Frühstück!
Mein beruflicher Hintergrund

Vor meinem MBA verbrachte ich 6 aufregende Jahre in der Bauindustrie. Schon während meines Studiums, welches ich teilweise an der Paisley University absolvierte, entwickelte ich ein starkes Interesse an einer internationalen Tätigkeit. Nach dem Studium begann ich meine berufliche Laufbahn als Projektleiter in einem Ingenieurbüro. Der Wunsch nach einer internationalen Herausforderung erfüllte sich mit der Tätigkeit für Bilfinger Berger: für den Bau der zu dieser Zeit längsten Hochstraße der Welt arbeitete ich mehr als 3 Jahre in Bangkok, zuletzt als Abteilungsleiter. Nach meiner Rückkehr aus Bangkok war ich für eine Tochter des Baukonzerns als Technischer Leiter des Geschäftsbereiches Ausland tätig.

Warum ein MBA?

Als Technischer Leiter dieses Geschäftsbereiches war ich verantwortlich für dessen administrative Leitung und die Entwicklung der Geschäftstätigkeit außerhalb Deutschlands. Dies erforderte bereits umfangreiche betriebswirtschaftliche Kenntnisse. Das MBA schließt diese Lücke und stellt eine ideale Ergänzung zu einer technisch geprägten Berufausbildung dar.

Es sind jedoch nicht nur Kenntnisse in Finance und Accounting die maßgeblich sind. Das MBA ermöglicht vielmehr ein ganzheitliches, funktionsübergreifendes und unternehmerisches Denken im Sinne des General Managements. Ich bin davon überzeugt, daß ein hoher Grad an Führungsverantwortung, unternehmerisches Denken und entsprechend ausgebildete soft skills entscheidend für die weitere Entwicklung meiner beruflichen Ziele sind.

Nicht zuletzt ist die Möglichkeit, ein Jahr mit Menschen aus verschiedensten Kulturen zu verbringen sehr bereichernd. Trotz meiner vielfältigen internationalen Erfahrungen ist diese Neugier noch nicht befriedigt. In meinem Kurs kommen Menschen aus 42 Ländern und den unterschiedlichsten Berufen zusammen. Das ist die Grundlage für lebenslange Freundschaften und ein effektives globales Netzwerk.

Warum Cranfield?

Meine Entscheidung das MBA in Cranfield zu absolvieren ist vielschichtig. Zunächst gehört Cranfield zu den top ten Business Schulen in Europa. Die radikale Lerngruppenphilosophie und die Bedeutung, die der soft skill Entwicklung beigemessen wird, geben Cranfield einen eindeutigen Vorteil.

Weiterhin war es für mich wichtig, ein einjähriges Programm zu finden. Als Selbstfinanzierer ist dies eine Kostenfrage, jedoch nicht nur. Die durchschnittliche Berufserfahrung in Cranfield ist sechs Jahre. Das Durchschnittsalter ist 32 Jahre. Die meisten Studenten haben daher relativ gefestigte Karrierepläne. Sommerpraktika sind somit nicht mehr unabdingbar. Im Vergleich zu Absolventen anderer Schulen verbleiben Cranfield Absolventen die längste Zeit in ihrem ersten Job nach dem MBA. Natürlich wirkt sich diese Berufserfahrung auch sehr positiv auf den Lernprozeß außerhalb des Unterrichtes aus.

Cranfield ist eine der ältesten Business Schulen Europas. Das Alumni Netzwerk besteht mittlerweile aus über 9.000 Studenten in mehr als 100 Ländern. Mit einem vergleichsweise hohen Lehrer / Studenten Verhältnis und kleinen Klassen wird eine sehr hohe Ausbildungsqualität erzielt.

Ich freue mich über Fragen und Kommentare unter: steffen.springer.ftmba.01@cranfield.ac.uk


Woche 37/2002

Es ist sprichwörtlich unglaublich, wie schnell doch so ein Jahr vergeht. Für mich war es das intensivste Jahr meines Lebens und der Gedanke, daß ich mein MBA nun abgeschlossen habe, ist sicherlich noch etwas gewöhnungsbedürftig.

Auch in den letzten Tagen des Cranfield MBAŽs kommt es zu keiner Langeweile. Alle arbeiten fieberhaft an Projekten und besuchen Wahlfächer. Gerade in dieser Zeit ist viel Organisationsgeschick und Disziplin gefragt, um Gruppenprojekte zu koordinieren und alle Abschlußberichte entsprechend der Termine fertigzustellen. Manche Leute leben in diesen Tagen mit sehr wenig Schlaf.

Auf die Ausbildung der Soft Skills wird bis zum Schluß wertgelegt. Leadership, eine viel diskutierte Managementaufgabe, hat einen festen Platz im Ausbildungsprogramm und beendet das Training der zwischenmenschlichen Fähigkeiten mit zahlreichen Workshops. Der beeindruckendste Teil dieses Programms besteht aus Gruppenübungen im Freien. Ein Leader muß dabei die Gruppe in der Erreichung recht komplizierter Ziele anleiten. Natürlich bekommt man Feedback, das auch in die Note einfließt. Dies ist eine der letzten Möglichkeiten, um eine umfangreiche Einschätzung zur eigenen Person zu bekommen, was allerdings keine Überraschungen mehr bereiten sollte, da es in einem Cranfield MBA nicht möglich ist, der wiederholten Einschätzung der Kommilitonen zu entgehen.

Eine Frage, mit der ich in letzter Zeit häufig konfrontiert worden bin, ist das Problem des gegenwärtigen Arbeitsmarktes. Die Frage ist berechtigt, denn wer sich zu einem MBA entschließt, möchte seiner beruflichen Entwicklung in aller Regel einen neuen Schub oder eine neue Richtung geben. In schwierigen Zeiten, wie dieser, ist es um so wichtiger, sich für ein Programm mit Rang und Namen zu entscheiden. Ich habe dabei mit Cranfield sehr gute Erfahrungen gemacht. Natürlich sind Unternehmen gegenwärtig mit Neueinstellungen zurückhaltender als dies vor drei Jahren der Fall war. Investmentbanken und Top Consultants, einst das Ziel vieler MBA's, sind in diesem Jahr fast völlig ausgefallen.

Der Erfolg der Arbeitssuche hängt in erster Linie mit der persönlichen Flexibilität und einer entsprechenden Hartnäckigkeit, die während der Bewerbungsaktivitäten an den Tag gelegt werden muß, zusammen. Beispielsweise wird das Telefon in solchen Situation unentbehrlich. Wer nicht zum Hörer greift und persönlich Kontakt aufnimmt, hat keine Chance. Ich habe mit Firmen gesprochen, bei denen täglich 400 Bewerbungen eingehen. Wer hier nur seine Bewerbungsunterlagen schickt, hat keine Aussicht auf Erfolg. Mit einem guten Abschluß und der entsprechenden Hartnäckigkeit ist es aber möglich auch in schwierigen Marksituationen der beruflichen Entwicklung die erhoffte Richtung zu geben. Der Erfolg vieler meiner Kommilitonen beweist dies. Ich werde ab Oktober für eine internationale Firma in London arbeiten, worauf ich schon sehr gespannt bin.


Liebe Leser, ich hoffe, daß ich mit meinen Beiträgen etwas Licht in das Dunkel eines MBA Programms bringen konnte. Allen, die sich noch im Entscheidungsprozeß befinden, möchte ich mit auf den Weg geben: die richtige Wahl der Schule ist alles. Cranfield hat meine Erwartungen übertroffen und ich würde jederzeit noch einmal hier studieren. Die ausgezeichnete akademische Fortbildung ist jedoch nur eine Seite; ich habe hier Freunde fürs Leben gefunden und eine Menge über mich selbst gelernt.

Natürlich stehe ich auch weiterhin gern für Fragen zur Verfügung.
Alles Gute und viel Spaß in der Entscheidungsphase oder auch schon in einem neuen Programm.

Herzliche Grüße
Steffen Springer

Dieser Artikel ist erschienen am 11.03.2002