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Stefan Trampler

Ausgangsfragen
13.1.2003
1.2.2003
16.2.2003
27.2.2003
5.3.2003
10.4.2003: Ein Tag an INSEAD
6.5.2003
8.7.2003
16.9.2003
3.11.2003
07.03.2004
07.03.2004

Unglaublich wie schnell die Zeit in diesem Jahr vorbei gegangen ist. Jetzt heißt es wieder alle Sachen zu packen und weiterzuziehen. Mich verschlägt es nach einem kurzen Urlaub wieder zurück nach Deutschland

Die letzten Wochen waren bis zuletzt mit Abschlusspräsentationen und Berichten gefüllt, wobei sich der Schwerpunkt gegen Ende bei den Meisten eher in Richtung Jobsuche verlagert hat. Der offizielle Abschuss war eine Zeremonie in Paris, bei der die Diplomurkunden überreicht wurden. Im Anschluss wurde zum letzten Mal wie so oft in diesem Jahr in einem der Fontainebleau umgebenden Chateaus gefeiert.

Die besten Jobs von allen


Lohnt es sich nun am INSEAD einen MBA zu machen? Ist INSEAD der Karriere-Turbo, wie in den Marketing-Prospekten versprochen wird? Das hängt sicher davon ab, in welche Richtung man sich entwickeln möchte. INSEAD hat sich in der Vergangenheit sehr stark darauf konzentriert, seine Absolventen in die Beraterbranche und ins Investment-Banking zu vermitteln. In der etwas krisengeschüttelten Zeit des letzten Jahres haben diese Branchen an nur sehr wenigen MBA?Schulen rekrutiert, INSEAD war dabei.

Fühlt man sich als Absolvent zu keinem dieser Branchen hingezogen, sondern möchte man in der ?Industrie? arbeiten, wird die Sache schon schwieriger. Zwar kommen einige Firmen auf den Campus, insbesondere große internationale Unternehmen, es wäre jedoch eher Glück, wenn eine dieser Firmen zu den persönlichen Vorstellungen eines Absolventen passt. Was bleibt, ist dann die Jobsuche auf eigene Faust. Hierbei gilt ? ob mit INSEAD oder ohne ? am erfolgversprechendsten bei der Jobsuche sind persönliche Kontakte. Und hierbei ist dann weniger das Recruitment?Büro hilfreich als die INSEAD?Alumni. Ich war sehr positiv überrascht, wie schnell und einfach man mit den ehemaligen Studenten ins Gespräch kommen konnte und wie hilfreich diese dann bei der Jobsuche waren. Auch bei mir haben im wesentlichen Alumni?Gespräche dazu geführt dass ich meinen ersten Job nach INSEAD gefunden habe. Ich starte im Telekomarm bei Siemens in der Geschäftsentwicklung.

Aber die Jobseite ist nur ein Aspekt, den man nach dem Studium mitnimmt. Was auf jeden Fall bleibt, sind ein paar neue Freunde und viele Bekannte aus aller Welt. Und alleine schon deswegen hat sich das letzte Jahr gelohnt.

Euer Stefan

3.11.2003

Der fünfte und letzte Abschnitt hat inzwischen begonnen. Jeder Student kann jetzt seine Kurse zu 100% selbst bestimmen. Hierzu standen insgesamt 25 Wahlkurse in diesem Abschnitt zur Auswahl. Insgesamt bietet INSEAD 85 dieser frei wählbaren Kurse an. Viele Kurse sind auf dem Campus ins Fontainebleau und dem in Singapur belegbar, manche werden nur auf einem Campus angeboten. Die groben Kategorien sind hierbei Finanz-, Strategie-, Marketing-, Technologiemanagement, Wirtschaft & Politik, Entrepreneur- und Leadership - Kurse. Hervorzuheben ist das Angebot an Entrepreneurship Kursen, also Kursen, die sich mit dem Start und Finanzierung einer neuen Firma beschäftigen. Während dies vor wenigen Jahren nur vereinzelt angeboten wurde, machen diese Kurse jetzt über 10% des Gesamt-Kursangebots aus. Dieses Angebot wird von den Studenten gerne genutzt. Bei vielen Kursen in diesem Bereich übersteigt die Nachfrage das Angebot an Plätzen, so dass der von INSEAD eingesetzte Bietmechanismus eingesetzt werden muss.

Dies gilt natürlich auch für Kurse, die von "Star" - Professoren gehalten werden. INSEAD bietet hier einen sehr nützlichen Service. Alle Professoren werden von den Studenten am Ende des Kurses nach verschiedenen Kriterien bewertet. Diese Bewertungen werden den nachfolgenden Studenten zur Verfügung gestellt. Dadurch werden die Kurse nicht nur nach ihrem Inhalt sondern auch nach der Performance der Professoren in der Vergangenheit ausgewählt.

Obwohl das Angebot an Wahlkursen grundsätzlich groß ist und viele Bereiche und Nischen abdeckt, ist es erstaunlich, dass in manchen Feldern gar keine Kurse angeboten werden. So gibt es kein Angebot im Vertriebsbereich, also beispielsweise Kurse über Verkaufstechniken - und dies obwohl sich viele Studenten sich im vertrieblichen Umfeld und im Business Development orientieren werden.

Euer Stefan

16.9.2003

Wie bereits beschrieben startet INSEAD zweimal im Jahr sein MBA Programm, im Januar und im September. Das bedeutet, dass seit der letzten Woche ungefähr 300 neue Studenten den Campus bevölkern. Wir, die im Januar gestartet sind, gehören also inzwischen zum alten Eisen und versuchen die neuen Studenten zu integrieren. Die erste Woche im September haben wir damit verbracht, den neuen Jahrgang kennen zulernen und beim Einleben behilflich zu sein. Ein wenig erstaunlich für mich, waren wir doch vor nur wenigen Monaten in der gleichen Situation.

Das Studium selbst geht in seine vierte Runde. Der Schwerpunkt verschiebt sich weiter von den Pflichtkursen in Richtung Wahlkurse. Hier macht sich meiner Meinung nach einer der Vorteile von INSEAD bemerkbar. Normalerweise ist die Qualität der Professoren sehr hoch, nicht nur von deren theoretischem Hintergrund und pädagogischen Fähigkeiten her sondern auch von den zuvor gesammelten praktischen Erfahrungen. So war beispielsweise unser Professor für "Applied Corporate Finance" früher für die Privatisierungen in der Türkei verantwortlich und kann daher die Vorlesungen mit lebendigen Beispielen füllen.

Neben dem Studium an sich fängt für unseren Jahrgang langsam die die Saison der Jobsuche an. Fast täglich finden Präsentationen oder Abendessen mit Firmen statt, die zum INSEAD Campus kommen. Hierbei handelt es sich hauptsächlich um Consulting-Firmen und Banken. Zwar kommt auch das ein oder andere Industrie-Unternehmen auf den Campus, außer im Pharmabereich ist INSEAD jedoch nicht wirklich erfolgreich gewesen, diese Firmen anzulocken. Gerade in den jetzt konjunkturell schlechteren Zeiten, wenn die klassischen MBA-Arbeitgeber (Beratung und Banken) weniger einstellen, schlägt sich das sofort in der für INSEAD so wichtige Quote von "Studenten mit Job direkt nach Abschluss des MBA" nieder. Für die Studenten heißt dies, dass es in diesen Zeiten viel wichtiger wird, selbst interessante Zielfirmen zu identifizieren und aktiv auf diese zu zugehen.

Euer Stefan

8.7.2003

Im dritten Abschnitt des Studiums hatten wir drei Pflichtkurse: Strategie, Macroeconomie und Finance II. Dazu kamen für mich Hightech Strategie, International Finance und Verhandlungsführung als Wahlkurse. In diesem dritten Abschnitt lagen die Schwerpunkte mehr auf Gruppenarbeit und dem Erstellen von Analysen und Strategiepapieren. Dabei wechselt die Zusammensetzung der Gruppe im Gegensatz zu den ersten beiden Abschnitten für jeden Kurs.

Besonders erwähnenswert und interessant war der Hightech Strategie Kurs. Hier wurden Firmen mit unterschiedlichen Innovationen aus verschiedensten Industrien näher beleuchtet. Nach dem Grundsatz "man lernt aus Fehlern" existieren 14 der 15 behandelten Firmen heute nicht mehr. Dabei ging es nicht um Internetfirmen in den letzten Jahren, sondern um Firmen in Branchen wie der Stahlindustrie oder dem Automobilbereich.

Ein besonders Ereignis im Juni war der Sommerball. Dieser Ball findet einmal im Jahr statt und gilt auch als Abschlussfeier der Studenten, die ihr MBA-Studium im letzten September begonnen haben. Neben den MBA-Studenten waren auch viele ehemalige Studenten der letzten 20 Jahre dabei, insgesamt ca. 2000 Personen. Im noblem Ambiente eines Chateaus ging das Programm bis in den frühen Morgen.

Ebenfalls ein Highlight der letzten Wochen war der Besuch von Jack Welch, dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden von General Electric. Für circa zwei Stunden stand er für Fragen und Diskussionen zur Verfügung. Sein Besuch war Teil einer von Studenten organisierten Veranstaltungsreihe, bei der Persönlichkeiten aus der Wirtschaft eingeladen werden. Vor Jack Welch waren unter anderem bereits Roland Berger, Jack Immelt und der Vorsitzende einer großen spanischen Bank auf dem Campus. Jedes Mal ist es spannend diese Personen einmal live zu erleben.

Euer Stefan

6.5.2003

Inzwischen ist der zweite Studienabschnitt zu Ende gegangen. Zu Beginn des dritten Abschnittes wird sich einiges ändern. Bisher könnten wir nur Pflichtkurse besuchen, ab Anfang Mai haben wir zum ersten Mal die Möglichkeit, mit Wahlkursen Schwerpunkte zu setzen. Ich werde mich unter anderem auf den Finanzbereich konzentrieren.

INSEAD verfügt neben dem Campus in Fontainebleau über eine Präsenz in Singapur. Darüber hinaus besteht eine Allianz mit Wharton in den USA. Dies eröffnet ebenfalls ab Mai die Möglichkeit, für einige Monate den Campus zu wechseln. Wegen der Krankheit SARS haben sich dieses mal zwar viele Studenten entschieden, von Singapur nach Fontainebleau zu kommen, in die entgegengesetzte Richtung werden jedoch nur ca. 15 Studenten wechseln. Das hat zur Folge, dass der Campus hier in Frankreich recht stark bevölkert sein wird. Eine weitere Auswirkung des Studentenaustausches ist, dass die Arbeitsgruppen, in denen wir seit Anfang des Jahres arbeiten, neu gebildet werden müssen. Das ist einerseits schade, da die Arbeit mit meiner alten Gruppe viel Spaß gemacht hat, andererseits freue ich mich auch darauf, neue Studenten näher kennen zulernen.

Euer Stefan

Ein Tag an INSEAD

8:30 Uhr: Eigentlich fangen heute die Vorlesungen erst um 10:15 an, aber ich treffe mich mit meiner Gruppe, wir müssen bis morgen für den Finance-Kurs ein Papier vorbereiten. Es geht um die Unternehmens-Bewertung einer Online-Bank. Wir tragen unsere Ideen zusammen und erstellen ein erstes Dokument. Andres, der Investment-Banker in unserer Gruppe wird das Ganze bis morgen noch etwas aufpeppen und dann abgeben

10:15 Uhr: Die erste Vorlesung, Prozess- und Operations-Management. Die Vorlesung ist sehr technisch, viele Formeln und Abkürzungen. Nach einer Stunde verliere ich den Faden, manchmal habe ich das Gefühl, der Professor stellt alles etwas komplizierter dar als es wirklich ist

12:00 Uhr: Mittagessen, die Kantine ist erstaunlich gut, 7 verschiedene Essen jeden Tag, asiatisch, vegetarisch, Grill, Salatbar, usw.

12:30 Uhr: Ich gehe in die Bibliothek und bereite Prozess- und Operations-Management nach. Außerdem lese ich meine Emails und sehe im Internet nach, was in Deutschland passiert ist.

14:00 Uhr: Nächster Doppel-Kurs, Marketing Strategie. Wir arbeiten wieder in der Gruppe an einem Strategiespiel. In "Marktstrat" geht es darum, in einer Computersimulation ein Unternehmen erfolgreich zu führen, d.h. Marktdaten richtig zu interpretieren, erfolgreich neue Produkte zu entwickeln, diese in den richtigen Marksegmenten zu positionieren und gleichzeitig die Konkurrenz im Auge zu behalten. Es finden teils angeregte Diskussionen statt, ein Teil der Gruppe will neue Märkte erobern während der andere Teil erst mal den Heimatmarkt aufräumen möchte. Das Spiel geht über insgesamt 7 Runden, die Ergebnisse fließen in die Benotung der Gruppe mit ein

18:00 Uhr: In unregelmäßigen Abständen kommen Gastredner zu INSEAD. Heute findet eine Diskussion mit John Holmes, dem britischen Botschafter in Frankreich, und Denis Halliway, einem ehemaligen Leiter des UN-Programms "Oil for food" für den Irak statt. Thema ist der Irak-Krieg und die Lage im mittleren Osten. Es entwickelt sich eine interessante Diskussion, bei der der Botschafter versucht, den Krieg gegenüber dem UN-Mann und kritischen Fragen der Studenten zu rechtfertigen. Leider muss der Botschafter viel zu früh wieder aufbrechen, so dass einige Themen nur angekratzt werden können

20:30 Uhr: Abendessen bei einem Mit-Studenten, Nicki kommt aus Hongkong, daher gibt es etwas Asiatisches.

23:30 Uhr: Ich komme wieder zu Hause an. Bevor ich ins Bett gehe muss ich noch einen Text für morgen lesen und vorbereiten. Nach einer Stunde ist es geschafft und der Tag ist für mich zu Ende.

Euer Stefan

5.3.2003

Diese Woche standen die ersten Klausuren an. An zweieinhalb Tagen wurden die Inhalte von fünf Kursen getestet. Einige Arbeiten mussten in den Arbeitsgruppen gelöst werden, die meisten waren Einzeltests. Das Bewertungssystem von INSEAD ist etwas gewöhnungsbedürftig. Die Benotung erfolgt relativ zu den anderen Studenten, das heißt, wenn alle Studenten gute Arbeiten abliefern, kann man auch mit einer recht guten Arbeit eine schlechte Bewertung bekommen und umgekehrt. Das hat zur Folge, dass sich im ersten Abschnitt alle etwas mehr anstrengen, da man noch kein Gefühl hat, wie man relativ zu den anderen steht. Zudem "fallen" die Studenten mit den schlechtesten Arbeiten durch und müssen den Kurs wiederholen.

Die zweite Studienperiode fängt erst am kommenden Montag an, von Donnerstag bis Sonntag haben wir erst mal nichts zu tun. Ich nutze die Zeit und besuche meine Familie in Köln.

Euer Stefan

27.2.2003

Wenn man das INSEAD-MBA im Januar beginnt sind Juli und August für ein Praktika vorgesehen. In diesem Jahr kamen gleich zu Beginn des Programms die Banken, um ihre Praktikanten für den Sommer auszuwählen. Der übliche Auswahlprozess beginnt mit einer Firmenpräsentation auf dem Campus oder in einem nahegelegenen Hotel. Anschließend stehen die Banker aus den verschiedenen Fachbereichen für Fragen bereit. Im nächsten Schritt senden die Studenten Ihre Bewerbungen an die Banken und diese wählen in einem zwei- bis dreistufigem Interviewprozess Ihre Praktikanten aus

Durch die angespannte wirtschaftliche Lage ist die Zahl der Plätze recht begrenzt und die Banken haben angedeutet, nur einigen Ihrer Sommerpraktikanten eine Vollzeitstelle am Ende diesen Jahres anzubieten. Für all diejenigen, die nach dem MBA in einer Investmentbank arbeiten wollen, waren die letzten zwei, drei Wochen also die wichtigsten im gesamten Studium. Für den Spanier in meiner Arbeitsgruppe hat sich die Anstrengung gelohnt, er wird im Sommer und vielleicht darüber hinaus für Goldman Sachs arbeiten. Ich selbst habe die Firmenpräsentationen genutzt, um mir ein Bild von den Investmentbanken und ihrer Arbeit zu machen.

Euer Stefan

16.2.2003

In zwei Wochen stehen schon die ersten Klausuren an. Viele der Aufgaben, während des Studiums als auch bei den Klausuren müssen in Gruppen gelöst werden. Dazu wurden Fünfer - Teams gebildet, die in den ersten zwei Perioden (Januar bis April) zusammen arbeiten werden. Ich bin in einer Gruppe mit einem spanischen Investment-Banker, einer russischen Beraterin, einem indischen Ingenieur und einer englischen Unternehmerin gelandet. Ich dachte zuerst, dass es eine Weile dauern würde, bis wir uns aneinander gewöhnen werden. Allen Befürchtungen zum Trotz verstehen wir uns jedoch von Anfang an sehr gut, allerdings mussten wir bisher noch keine entscheidenden Aufgaben unter Zeitdruck gemeinsam lösen. Dann wird sich zeigen, wie gut unsere Gruppe wirklich funktioniert.

Einer der positiven Punkte, der sich jetzt schon abzeichnet, ist die Vielfalt der Nationalitäten. Keine Nation dominiert und wann immer sich hier mehrere Personen zusammen finden, ist es eher selten, dass eine Nationalität öfter als 1-2 mal vertreten ist. Das hat handfeste Vorteile, etwa die Chance, alle möglichen Landesspeisen zu testen. Andererseits finde ich es interessant, über die verschiedenen Ansichten der vielen Kulturen aus erster Hand zu lernen.

Euer Stefan

1.2.2003

Die Zeit an INSEAD vergeht rasend schnell. Ich bin zwar erst vier Wochen hier, es kommt mir jedoch wie eine Ewigkeit vor. Das Studium besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen: Vorlesungen und Gruppenarbeiten. Die knapp 300 Januar - Studenten wurden in vier Sektionen aufgeteilt. Diese Sektionen mit je 70 bis 80 Studenten bilden für das gesamte Jahr die Einheit, in denen die Vorlesungen stattfinden.

Das Studium selbst ist in fünf je zweimonatige Perioden eingeteilt. Am Ende jeder Periode finden Examen statt. Die ersten Perioden bestehen aus Pflichtkursen, in späteren Perioden besteht die Möglichkeit, sich die Kurse je nach Interesse selbst auszusuchen.

Wirklich beeindruckend empfinde ich bisher die Qualität der meisten Professoren. Jeder hat so seine Besonderheiten, die über das abwechslungsreiche Vermitteln der Inhalte hinausgehen. So kann zum Beispiel unser Professor in Microeconomics Spieltheorie nicht nur anschaulich vermitteln sondern auch praktisch anwenden. (http://www.pokerpages.com/pokerinfo/tournamentgallery/wsop/gallery2002-wsop-event30.htm , siehe 1. Platz).

Noch habe ich mich nicht komplett an mein neues Studien - Leben gewöhnt. Nach einigen Arbeitsjahren ist es für mich noch ungewohnt, wieder täglich 8, 10 oder 12 Stunden zu lernen. Leider bleibt nicht viel Luft sich einzugewöhnen; Rückfälle lassen sich nur schwer aufholen, da permanent neuer Stoff nachgereicht wird. Dadurch bleibt auch so gut wie keine Zeit, sich in interessante Themen tiefer einzulesen. Außerdem ist es natürlich mindestens genauso interessant, abends mit neuen Freunden Fontainebleau und die Umgebung zu erkunden.

Euer Stefan

13.1.2003

Die erste Woche habe ich jetzt hinter mir. Ich bin in ein kleines Apartment in Thomery eingezogen, ein Dorf in der Nähe von Fontainebleau (die INSEAD - Stadt). Ich teile mir das Apartment mit zwei Mit-Studenten, einem Australier und einem Libanesen; ich habe beide über das INSEAD - Intranet kennen gelernt, eine Möglichkeit schon vor Studienbeginn, mit zukünftigen Kommilitonen in Verbindung zu treten. Fast alle Studenten teilen sich Häuser in den umliegenden Dörfern. Da die ganze Gegend in einen riesigen Wald eingebettet ist, hat man die Gelegenheit, neben dem Studieren das rustikale Landleben zu genießen.

In der ersten Woche ging erst hauptsächlich darum, sich zu orientieren und sich gegenseitig kennen zu lernen. Die ersten Einführungsvorlesungen haben stattgefunden, außerdem gab es Gelegenheit, die einzelnen Clubs und Interessensvertretungen näher kennen zu lernen. Zudem hatte ich alle Hände voll zu tun, die Aufenthaltsgenehmigung (Carte de Jour) zu beantragen, eine Krankenversicherung abzuschließen, ein Bankkonto einzurichten, eine Telefonleitung freischalten zu lassen und sonstige Formalitäten zu erledigen. Dabei musste ich feststellen, dass die französische Bürokratie der Deutschen in nichts nachsteht.

Dadurch dass das MBA-Studium bei INSEAD zweimal pro Jahr beginnt (im Januar und im September) finden sich neben uns neuen Studenten auch die "Septembers" auf dem Campus. Diese "alten" Studenten geben sich in der ersten Woche alle Mühe, die Neulinge zu integrieren und ein Gemeinschaftsgefühl zu schaffen. So wurde ich zum Beispiel mehrmals von September - Studenten zum Abendessen mit anderen, zufällig ausgewählten, Neuankömmlingen eingeladen. Dadurch lernt man in wenigen Tagen viele neue Leute kennen und hat erste Anlaufstellen. Nicht, dass ich mir alle Namen merken könnte - aber dafür habe ich ja noch ein Jahr Zeit.

Euer Stefan

Liebe Leserinnen und Leser,

in diesem Jahr möchte ich über meine Erlebnisse und Erfahrungen während meines MBA-Studiums an INSEAD berichten. Ich hoffe, damit einen realistischen Einblick geben zu können, wie solch ein Studium wirklich abläuft und damit dem einen oder anderen bei der Entscheidung zu (oder gegen) einem MBA helfen zu können.

Für Fragen und Anregungen stehe ich gerne unter stefan.trampler@alumni.insead.edu zur Verfügung. Ich bitte um Verständnis, wenn ich manchmal nicht sofort antworten kann.

Vorab möchte ich ein paar Informationen zu mir und meiner Entscheidung zu einem MBA geben:

Mein Hintergrund:

Nach meinem Studium der Wirtschaftsinformatik an der Berufsakademie in Stuttgart habe ich zunächst in verschiedenen Positionen bei DaimlerChrysler gearbeitet. Nach Projektarbeit in der weltweiten Vertriebsorganisationsentwicklung und -steuerung in der Zentrale in Stuttgart war ich zuletzt verantwortlich für die Finanz- und Absatzplanung aller Mercedes-Benz PKW, LKW und Transporter in Lateinamerika und der Karibik; eine Aufgabe, für die ich ca. 2 Jahre in Miami, in dem das Regionalbüro für diesen Teil der Welt beheimatet war, leben durfte. In dieser Zeit habe ich ebenfalls meine jetzige Frau, eine Spanierin, kennen gelernt.

Bis Ende 2002 habe ich, wieder zurück in Deutschland, für QSC, einem inzwischen führendem DSL-Infrastruktur- und Telekommunikations-Anbieter mit ca. 250 Mitarbeitern, gearbeitet. Im Business Development habe ich in einer sehr spannenden Zeit neue Geschäftsbereiche aufgebaut und neue Produkte eingeführt.

Warum ein MBA?

Eigentlich wollte ich schon nach meiner Tätigkeit in Miami ein MBA-Studium starten. Letztendlich habe ich mich damals jedoch dagegen entschieden, da mir die damalige Boom-Zeit als zu interessant für eine Auszeit aus dem Berufsleben erschien.

Grund für ein MBA-Programm war und ist mein Wunsch, neue Eindrücke und Ideen von Personen aus allen Teilen der Welt zu gewinnen, um diese dann in meiner späteren beruflichen Laufbahn verwerten zu können.

Fachlich werde ich den MBA dazu nutzen, mir zusätzliches Wissen insbesondere im Finanzbereich anzueignen. Darüber hinaus ist mir eine Arbeit in einem internationalen Umfeld sehr wichtig und ich glaube, dass mir der MBA helfen wird, meine Karriere weiter in diese Richtung zu entwickeln.

Sicherlich ist es mit einem gewissen Risiko verbunden, gerade in dieser wirtschaftlich schwierigen Zeit im Arbeitsleben zu pausieren, dennoch glaube ich, dass dies für mich der richtige Schritt ist.

Warum INSEAD?

In Europa ist INSEAD in verschiedenen Bewertungen regelmäßig unter den besten 2-3 MBA-Schulen zu finden, meist als die Führende. Neben diesen Einschätzungen ist mir die Internationalität der Studenten wichtig. Obwohl in Frankreich, sind bei INSEAD französische Studenten keinesfalls in der Mehrheit, meine Mitstudenten kommen recht gleichmäßig verteilt aus allen Teilen der Welt.

Zudem möchte ich ungern 2 Jahre dem Berufsleben fernbleiben, wie es bei vielen anderen MBA-Programmen notwendig gewesen wäre. Daher war auch die einjährige Studienzeit ein wichtiges Entscheidungskriterium für mich.

Finanzierung

Die Studiengebühren für das MBA-Programm belaufen sich auf 42.000 Euro für ein Jahr. Dazu kommen die Lebenshaltungskosten und Kosten für Bücher und Unterrichtsmaterial. Insgesamt können so leicht 60.000 bis 70.000 Euro an Kosten zusammen kommen.

Ich finanziere das Studium im Wesentlichen aus Erspartem und Krediten aus der Familie. Zudem ist für mich die Möglichkeit, die Studiengebühren als Fortbildungskosten von der Steuer abzusetzen, eine wichtige finanzielle Entlastung.

Bei INSEAD gibt es zwei Eintrittstermine, im September und im Januar eines jeden Jahres. Bei mir geht es jetzt im Januar los, genauer gesagt am kommenden Montag (6.1.). Ich bin also gespannt, was mich erwartet und halte Euch auf dem Laufenden.

Euer Stefan
Dieser Artikel ist erschienen am 13.01.2003