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Stars und Sternchen am Bachelor-Himmel

Ein bislang unveröffentlichtes Rating für das Fach Betriebswirtschaft enthüllt, welche Bachelor-Studiengänge wirklich jobfit machen:
Vorne glänzen Hidden Champions aus der Provinz, renommierte Unis wie Münster und Witten stehen im Schatten.
Das komplette Rating und die Methodik im Überblick

Wer kommt schon auf Aalen? An der Fachhochschule im ostwürttembergischen Nirgendwo sind gerade mal 3 000 Studenten, überwiegend in technischen Fächern, eingeschrieben. Als Standort einer Top-Wirtschaftshochschule hatte das Städtchen, 80 Kilometer hinter Stuttgart, bislang keiner im Visier. Personaler erst recht nicht. Das dürfte sich ändern: Der Aalener FH-Studiengang "Internationale Betriebswirtschaft" strich beim ersten deutschen Bachelor-Rating im Auftrag des Arbeitskreises Personalmarketing (DAPM) die Höchstwertung von drei Sternen ein. Eine Sensation.
Der DAPM, in dem sich Personalverantwortliche von 34 Top-Unternehmen, von Bertelsmann über HypoVereins- und Deutsche Bank bis SAP, zusammengeschlossen haben, hat das Gütesiegel zum ersten Mal vergeben. Es soll offen legen, welche Bachelor-Studiengänge besonders geeignet sind, die Studierenden beschäftigungsfit zu machen, also für eine gute Employability zu sorgen, wie es auf Neudeutsch heißt.
Die Ergebnisse der Pilotstudie liegen karriere exklusiv vor: Statt großer Renommier-Unis sahnen vor allem die kleinen Fachhochschulen ab. Selbst private BWL-Hochburgen wie Witten/Herdecke und die European Business School können nicht mit dem mithalten, was manche FH zu bieten hat.
So wie Aalen: Nicht nur im Praxisbezug, sondern auch beim Faktor Internationalität schneidet der FH-Studiengang aus der Provinz hervorragend ab. Es hat sich ausgezahlt, dass die Aalener bei der Umstellung von Diplom auf Bachelor vor drei Jahren darauf geachtet haben, die Vermittlung interkultureller Kompetenzen stärker zu verankern, mehr Lehrveranstaltungen auf Englisch und ein obligatorisches Auslandspraktikum einzurichten

Die besten Jobs von allen


Perlen für die Personaler
Über die Resultate des Ratings, das sie in Auftrag gegeben haben, sind die DAPM-Mitglieder selbst überrascht. "Ich hatte die FH Aalen bisher gar nicht auf dem Schirm", gesteht Katrin Enaux, zuständig für den Bereich Managemententwicklung bei der Bertelsmann AG, "jetzt werde ich das Angebot aber genauer in den Blick nehmen." Ob die Hochschulen halten, was das Abschneiden beim Rating verspricht, darauf ist auch HVB-Personaler Oliver Maassen gespannt: "Die kriegen eine echte Chance, sich zu beweisen."
Perlen in der Masse der neuen Studiengänge auszumachen, ist das Ziel des neuen Bachelor-Ratings. "Die Studiengänge werden immer spezialisierter", beobachtet Karriere-Entwicklerin Katrin Enaux, "schon jetzt ist es schwer, die Entwicklungen zu verfolgen." Im DAPM beschäftigte sich eine Arbeitsgruppe schon früh mit dem Bologna-Prozess - und stieß bald an Grenzen, als es darum ging, die Flut neuer Studiengänge zu beurteilen. Denn auf der Suche nach einer Navigationshilfe durch den Dschungel der Lehrangebote nutzten den Personalern weder Akkreditierungslisten noch Hochschulrankings. "Die Akkreditierung konzentriert sich fast nur auf fachliche Aspekte, Rankings bewerten ganze Fachbereiche, aber nicht einzelne Studiengänge", erklärt Katrin Enaux.
Ein eigenes Gütesiegel musste her: Zusammen mit dem Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) wurde eine Methodik entwickelt, mit der sich die Beschäftigungsfähigkeit der Absolventen messen lässt. Für die Pilotstudie nahm das CHE die Curricula und Ansprüche von bislang 99 BWL-Studiengängen unter die Lupe, bewertete Methoden- und Sozialkompetenz, Praxisbezug und Internationalität. Nach der Auswertung wurden Rating-Sterne vergeben, angelehnt an das Verfahren, mit dem Renditeaussichten und das Preis-Leistungsverhältnis von Versicherungen beurteilt werden

Fachhochschulen mit Traumnoten
Statt der üblichen Verdächtigen - Traditions-Unis und Business Schools - tummeln sich in der Drei-Sterne-Spitzengruppe fast ausschließlich Fachhochschulen. Als weiterer Überraschungssieger neben Aalen fällt neben Spezialstudiengängen wie Baltic Management Studies an der FH Stralsund vor allem International Management an der FH Karlsruhe auf. In drei von vier Kategorien darf der Studiengang sich mit drei Sternen schmücken: Keine andere Hochschule erreichte diese Traumpunktzahl.
Oliver Maassen findet hier eine Beobachtung bestätigt, die er schon seit längerem macht: "Die Fachhochschulen nutzen den Bologna-Prozess viel konsequenter zur Profilierung." Die Grenzen zwischen Universitäten und Fachhochschulen, so glaubt der HVB-Personaler, werden in den nächsten Jahren immer mehr verwischen

Unis im Dornröschenschlaf
Die großen Unis müssen sich warm anziehen. Während es die Studiengänge aus Duisburg-Essen, Frankfurt/Oder oder Paderborn mit zwei Rating-Sternen noch ins Mittelfeld schafften, schneiden Oldenburg, Magdeburg und sogar die renommierte Wilhelms-Universität Münster mit nur einem Rating-Stern ziemlich beschämend ab.
Christoph Watrin, Sprecher der betriebswirtschaftlichen Fakultät, kennt die Rating-Ergebnisse noch nicht, als er gegenüber karriere die Vorzüge der Münsteraner Ausbildung preist: "Wir glauben, dass Münster auch in Zukunft zu den Top Business Schools in Europa gehören wird." Man habe bei der Umstellung des BWL-Studiengangs von Diplom auf Bachelor verstärkt auf Fallstudien und Übungselemente gesetzt. Neu sei auch die Pflichtveranstaltung in Wirtschaftsenglisch, sagt Watrin. Für drei Sterne im Rating hat das nicht gereicht.
"Ich hoffe, dass die Ergebnisse einige aus dem Dornröschenschlaf wecken. Den Unis fehlt noch der Handlungsdruck, ihre Studenten wirklich fit zu machen für das Berufsleben", findet Katrin Enaux. Richtig spannend dürfte die zweite Auflage des Ratings werden: Denn BWL-Hochburgen wie Köln oder Mannheim haben ihr Studienangebot noch nicht einmal auf Bachelor und Master umgestellt. Auch die Goethe-Uni Frankfurt, die in den letzten Monaten mit großem Marketing-Aufwand für ihre betriebswirtschaftlichen Bachelorstudiengänge geworben hat, konnte nicht einbezogen werden, weil noch nicht genügend Informationen vorlagen

Schlappe für Privat-Unis
Die größten Kratzer im Lack haben die Privaten Business Schools zu befürchten. Sind es doch gerade sie, die mit Praxisbezug und Kontakten in die Wirtschaft werben - zu einem hohen Preis: Bis zu 5 000 Euro pro Semester kassieren sie von den Studierenden. Einzig die HfB in Frankfurt, die sich seit kurzem Business School of Finance and Management nennt, spielt in der Spitzengruppe mit. ISM Dortmund, BiTS Iserlohn und Munich Business School müssen sich wie die neuen Studiengänge der EBS in Oestrich-Winkel mit nur zwei Sternen begnügen. Dass es ausgerechnet die EBS nicht in die Spitzengruppe geschafft hat, ist eine der größten Überraschungen des Ratings. "Die haben eigentlich den größten Ruf zu verlieren", so Oliver Maassen. Die EBS kann sich im Moment nur damit trösten: Die private Uni Witten/Herdecke schneidet mit einem Stern im Gesamtrating noch schlechter ab

Der Zündstoff, den das Rating schon jetzt in sich birgt, könnte noch größer werden. Denn bei der Pilotstudie zu den BWL-Studiengängen soll es nicht bleiben: Im Herbst wird ein Rating für die ingenieurwissenschaftlichen Bachelor-Studiengänge folgen. Ende des Jahres werden dann auch die BWL-Angebote neu geratet, wobei weitere Studiengänge einfließen werden. Später sollen laut DAPM auch Verbleibs- und Gehaltsstudien über die Absolventen hinzukommen. Dann könnte ein gutes Rating über die Höhe der Studiengebühren und die Vergabe von Studienkrediten entscheiden. In den USA ist das längst üblich

Dorothee Fricke Der Arbeitskreis Personalmarketing (DAPM), in dem sich Personalverantwortliche von 34 Top-Unternehmen, von Bertelsmann über HypoVereins- und Deutsche Bank bis SAP, zusammengeschlossen haben, hat das Gütesiegel zum ersten Mal vergeben. Es soll offen legen, welche Bachelor-Studiengänge besonders geeignet sind, die Studierenden beschäftigungsfit zu machen, also für eine gute Employability zu sorgen, wie es auf Neudeutsch heißt

DAPM hat gemeinsam mit dem Centrum für Hochschulentwicklung einen Kriterienkatalog entwickelt, anhand dessen sich die Studiengänge unter dem Aspekt der Employability (Beschäftigungsfähigkeit) messen lassen.

Für die vorliegende Pilotstudie wurden zunächst die betriebswirtschaftlichen Bachelor-Studiengänge unter die Lupe genommen. Die Auswertung erfolgte auf Basis eines Fragebogens, der allen 88 Hochschulen, die solche Studiengänge anbieten, zugeschickt wurde. Zu 99 von insgesamt 171 Studiengängen liegen bislang vollständige Informationen vor. Dabei wurden die Rating-Kriterien Methodenkompetenz, Sozialkompetenz, Praxisbezug und Internationalität zunächst einzeln bewertet.

Für erfüllte Anforderungen, wie etwa obligatorische Praxisphase, Existenz eines Career Centers oder fremdsprachlicher Unterricht, erhielt jeder Studiengang eine Anzahl von Punkten, wobei die Skala je nach Kriterium variierte: So konnten im Bereich Methodenkompetenz bis zu 16 Punkte, im Bereich Internationalität höchstens 8 Punkte erreicht werden

Auf dieser Basis wurde ein Rating erstellt von "-" (= nicht vorhanden) über * und ** bis *** (= besonders viele Anforderungen erfüllt). Die Gesamtbewertung ergab sich aus der Summe der Rating-Sterne, die in den Einzelkategorien erreicht wurden:

*** mindestens 9 Sterne insgesamt
** mindestens 6 Sterne insgesamt
* mindestens 3 Sterne insgesamt
- weniger als 3 Sterne

Um die Höchstwertung von drei Sternen im Gesamt-Rating zu erreichen, musste der Studiengang in jedem Teilbereich mindestens zwei Sterne aufweisen

Den kompletten Artikel lesen Sie in der April-Ausgabe der karriere

Das Rating im Überblick

Weitere Infos: www.dapm.org
Dieser Artikel ist erschienen am 30.03.2006