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Starker Euro, schwacher Dollar

Von Jürgen Heinrich, Handelsblatt
Der Eurokurs bewegt sich auf hohem Niveau.? So oder ähnlich beginnen seit Monaten die Berichte vom Devisenmarkt. Vorbei scheinen die Zeiten, in denen die Deutschen über einen schwachen Euro klagten.
DORTMUND. Der Eurokurs ist ein Wechselkurs. Und dieser Wechselkurs ist der Preis der Währung eines Landes, ausgedrückt in der Währung eines anderen Landes. So liegt der Wechselkurs des Euros zur Zeit etwa bei 1,20 US-Dollar. Man muss also 1,20 Dollar zahlen, um einen Euro zu erhalten. Wenn dieser Preis steigt, zum Beispiel auf 1 Euro = 1,30 Dollar, dann spricht man von einer Aufwertung des Euros. Wenn dieser Preis fällt, spricht man von einer Abwertung des Euros.Der Wechselkurs, der Preis der Währung, verknüpft die in jeweils heimischer Währung ausgedrückten Preise der nationalen Güter und Dienstleistungen. Er macht die Preise international vergleichbar. Wenn ein Big Mac in New York 1,50 Dollar kostet und in Frankfurt 1 Euro, dann sind diese Preise über den Wechselkurs 1 Euro = 1,20 Dollar vergleichbar: Der Big Mac in Frankfurt kostet 1,20 Dollar und ist damit, in Dollar gerechnet, billiger als in New York.

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Und wenn der Wechselkurs sich ändert, dann ändern sich auch die Preisrelationen der Güter: Steigt der Wechselkurs des Euros auf 1,50 Dollar, dann kostet der Big Mac in Frankfurt umgerechnet 1,50 Dollar, genauso viel wie in New York. Diese Änderung der Preisrelationen ist die wesentliche Wirkung einer Wechselkursänderung.Der Wechselkurs ist ein Preis und wie jeder Preis hängt auch die Höhe des Wechselkurses von Angebot und Nachfrage ab. Der Wechselkurs des Euros, ausgedrückt in Dollar, hängt ab vom Angebot an Euro gegen Dollar und der Nachfrage nach Euro gegen Dollar. Es ist dann zu überlegen, welche Personengruppen Euro gegen Dollar oder Dollar gegen Euro tauschen wollen und was ihre Motive sind.Anbieter von Euro und damit Nachfrager nach Dollar ist der Importeur, der Güter importieren will und in Dollar bezahlen muss, daneben der Geldanleger, der sein Geld in Dollar anlegen will und der Spekulant, der glaubt, dass der Dollarkurs steigen wird. Und wer fragt Euro nach und bietet Dollar an? Der Exporteur, der Güter exportiert hat und dafür Dollar erhalten hat, der Geldanleger, der sein Geld in Euro anlegen will und der Spekulant, der glaubt, der Euro-Kurs werde steigen.Die Bestimmungsgründe dieser Akteure, letztlich die Bestimmungsgründe des internationalen Güterhandels, die Bestimmungsgründe der internationalen Geldanlage und die Bestimmungsgründe der Spekulation bestimmen damit auch die Höhe des Wechselkurses: Dies sind die internationalen Preisunterschiede, die internationalen Zinsunterschiede und die unterschiedlichen Erwartungen der Wechselkursentwicklungen. Sind die Güter im Euro-Land (also dort, wo der Euro Zahlungsmittel ist) billiger als in den USA, dann werden vermehrt Güter aus dem Euro-Land gekauft. Damit steigt die Nachfrage nach Euro, der Euro-Wechselkurs steigt, der Euro wertet auf.Der Wechselkurs zweier Währungen hat eine wichtige Pufferfunktion und sorgt für den Ausgleich zwischen den unterschiedlichen nationalen Preisen, Zinsen und Erwartungen. Ein Beispiel soll dies erläutern: Angenommen sei, dass in den USA die Löhne stabil bleiben, im Euro-Land dagegen steigen. Dann steigen die Erzeugerkosten im Euro-Land stärker als in den USA, die Güterpreise steigen hier stärker als dort, und amerikanische Güter würden auf dem Weltmarkt konkurrenzfähiger. Damit steigt die Nachfrage nach Gütern made in USA, und gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Dollar, weil diese Güter in der Regel in Dollar bezahlt werden müssen.Der Dollar würde teurer, der Euro billiger, und sehr schnell würde die Aufwertung des Dollars die bessere Konkurrenzfähigkeit der Produkte made in USA wieder beseitigen. So gleicht der Wechselkurs unterschiedliche Lohn-, Preis- und letztlich auch Zinsentwicklungen in den Ländern aus, ohne dass größere Störungen im internationalen Handels- und Zahlungsverkehr eintreten.
Dieser Artikel ist erschienen am 03.06.2004