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Staatsanwalt ermittelt gegen MTU-Chef

Von Gregory Lipinski
Noch vor einigen Wochen hatte der Mann mit dem grau melierten Haar und der Nickelbrille allen Grund zur Freude. Erfolgreich platzierte Udo Stark als Vorstandschef den größten deutschen Triebwerkshersteller an der Börse. Doch könnte dem 58-Jährigen das Lachen vergehen: Seine Vergangenheit holt ihn ein.
MTU-Chef Udo Stark wird von der Justiz auf die Hörner genommen.
HAMBURG. Die Ermittlungen betreffen ausschließlich Starks Vergangenheit als Vorstandschef des Frankfurter Maschinenbaukonzerns Agiv. ?Es besteht der Verdacht, dass Stark eine zu hohe Abfindung ohne rechtlichen Grund erhalten hat?, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Nähere Angaben machte sie nicht.Stark war 1991 zum Vorstandschef der Agiv AG ernannt worden und hatte sein Amt Ende März 2000 niedergelegt. Nach seinem Ausscheiden sollte er eine Abfindung von brutto 12,865 Millionen Mark (rund 6,4 Millionen Euro) erhalten. Das Geld sollte in mehreren Tranchen ausgezahlt werden, heißt es in Starks Aufhebungsvertrag, der dem Handelsblatt vorliegt.

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Stark hatte den Agiv-Konzern ? mit Rückendeckung des früheren Großaktionärs BHF-Bank in Frankfurt ? zerschlagen, weil das Firmenkonglomerat als Ganzes nicht zu verkaufen war. Der Konzern wurde später mit dem Hamburger Immobilienunternehmen HBAG zur Agiv Real Estate AG verschmolzen. Ende vergangenen Jahres musste das Unternehmen wegen Zahlungsschwierigkeiten Insolvenz anmelden.Prompt schickte Stark dem Insolvenzverwalter der Agiv Post und erregte damit die Gemüter in der Öffentlichkeit. Der Grund: Stark meldete drei Mal Pensionsforderungen von je rund 40 Millionen Euro zur Insolvenztabelle an. Die Ansprüche leitete er aus jährlichen Rentenzahlungen von rund 237 000 Euro ab, die er mit der Agiv ausgemacht hatte. Seine Anwälte hatten eine Lebenserwartung von 100 Jahren angenommen.Ein MTU-Sprecher zu den Vorgängen: ?Kein Kommentar.? Starks Anwälte forderten, eine Berichterstattung generell zu unterlassen. Erst, nachdem das Handelsblatt über das Vorgehen der Justiz berichtet hatte, bestätigte Stark am Dienstagabend in einer persönlichen Erklärung die Ermittlungen.Stark wies den Vorwurf zurück und kündigte an, an der Aufklärung mitzuarbeiten. ?Die Staatsanwaltschaft wurde von meinen Anwälten bereits informiert, dass ich an der Beseitigung des unbegründeten und haltlosen Vorwurfs in jeder Weise mitwirken werde.?
Dieser Artikel ist erschienen am 19.07.2005