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Spitzenzuwächse für Spitzenmanager

Von Katrin Terpitz
In den letzten 30 Jahren sind die Vorstandsgehälter parallel zu den Löhnen gestiegen. Die Bezüge wuchsen in drei Jahrzehnten im Schnitt um 4,3 Prozent pro Jahr, besagt eine Studie der Managementberatung Kienbaum, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Doch die Erhebung zeigt auch eine kleine Gruppe, die richtig absahnte ? zu Recht, wie Experten finden.
DÜSSELDORF. Die ?fat cats? stehen unter Beschuss. An gewichtigen Vorständen, die sich an immer üppigeren Gehältern und Zulagen laben, entzünden sich die Gemüter. Zuletzt sorgten Jürgen Schrempps Aktienoptionen, die ihm noch Jahre nach seinem inzwischen gescheiterten Daimler-Chrysler-Deal zweistellige Millionenbeträge bescheren, für Futter in der deutschen Neiddebatte. Die ?fat cats? mit ihren satten Gehaltssprüngen kratzen am Image ihres ganzen Berufsstandes ? zu Unrecht. Denn sie sind Ausnahmeerscheinungen.Tatsache ist: ?Im Schnitt haben deutsche Vorstände in den letzten 30 Jahren anteilig nicht mehr zugelegt an Gehalt als Otto Normalarbeitnehmer?, konstatiert Alexander von Preen, Geschäftsführer der Managementberatung Kienbaum. Lediglich das Einkommen der Vorstandsmitglieder in den 100 Top-Unternehmen mit über fünf Milliarden Euro Jahresumsatz ist überdurchschnittlich gestiegen. Das geht aus der Kienbaum-Studie ?30 Jahre Vorstands- und Aufsichtsratsvergütung in Deutschland? hervor, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Kienbaum analysiert im Jahr rund 1 500 Firmen mit über 5 100 Vorstandsmitgliedern und 13 100 Aufsichtsräten. Börsennotierte Unternehmen sind erst seit dem vergangenen Jahr gesetzlich verpflichtet, die Bezüge ihrer Vorstände detailliert offen zu legen.

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Die Studie im Detail: Die Vorstandsbezüge wuchsen in drei Jahrzehnten im Schnitt um 4,3 Prozent pro Jahr von 132 000 auf 440 000 Euro. Sie haben sich damit wie die Löhne und Gehälter allgemein (+4,2 Prozent pro Jahr) mehr als verdreifacht. Von Preens Fazit: ?Vorstände hier zu Lande werden heute angemessen bezahlt.? Überraschend: Auch die Gehälter der Vorstände in den Top-100- Firmen sind jahrzehntelang nur unwesentlich schneller gestiegen als das Bruttoinlandsprodukt und die Einkommen der Deutschen. Erst seit Ende der 90er-Jahre zog ihre Vergütung stark an um etwa 170 Prozent. Damit öffnete sich die Gehaltsschere zu anderen Vorständen deutlich. In 30 Jahren stiegen die Bezüge der Top-100-Vorstände auf das Achtfache ? von 225 000 Euro auf 1,8 Millionen Euro im Schnitt (+7,5 Prozent im Jahr).Fakt ist: ?Vorstandsbezüge sind heute je nach Unternehmen sehr unterschiedlich?, so Strenger. Die Gründe dafür sind vielschichtig. So mögen zum Beispiel 13,6 Millionen Euro Jahressalär für Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann ? dem Spitzenreiter im Dax ? zunächst üppig klingen. ?Bei Kreditinstituten aber verdienen erfolgreiche Investmentbanker oft wesentlich mehr als ihr Chef?, gibt von Preen zu bedenken.Die Studie belegt außerdem: Je internationaler ein Unternehmen arbeitet, umso sprunghafter sind die Vorstandsbezüge gestiegen. ?Weltweit tätige Konzerne benchmarken sich eben an ihren internationalen Konkurrenten ? auch beim Gehalt?, so von Preen.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Amerikanische Gehälter? Lieber nicht.Im internationalen Vergleich gibt es nach Ansicht von Corporate-Governance-Experte und DWS-Aufsichtsrat Christian Strenger bei deutschen Vorstandsgehältern keinen generellen Nachholbedarf mehr. Inzwischen verdienen die Vorstandschefs in Deutschland und Großbritannien europaweit am meisten, zeigt eine weitere Kienbaum-Studie. ?Amerikanische Gehälter aber sollten wir bei uns nicht zur Lex machen?, warnt von Preen.Grund für die Gehaltssprünge bei den Konzernen: Die Verantwortung jedes einzelnen Vorstandsmitglieds ist gewachsen, weil sich über die Jahre deren Zahl deutlich verringert hat. ?Die Konjunkturzyklen werden immer kürzer und die Anforderungen für Vorstände immer höher und spezieller. Sind heute Kostenkiller gefragt, sind es morgen schon wieder Expansionsvisionäre?, so der Kienbaum-Experte. Der Leistungsdruck steigt auch, weil Aufsichtsrat und Investoren immer kritischer werden.Die Folge: Das Vorstandskarussell dreht sich bei den großen AGs immer schneller. ?Früher musste man schon silberne Löffel geklaut haben?, so Strenger. Gerade der Chefsessel erweist sich immer öfter als Schleudersitz, ermittelte die Managementberatung Booz Allen Hamilton. Vorstandschefs sind heute durchschnittlich 5,7 Jahre im Amt ? die niedrigste Verweildauer seit 1998. Von Preen: ?Da Vorstände immer kürzer im Unternehmen bleiben, müssen sie mit Risikoprämien gelockt werden. Für Headhunter wird es schwieriger, Leute zu finden, die einen Vorstandsjob machen können und wollen.?
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Weitere Gründe für die Schere bei deutschen Vorstandsgehältern: ?Annehmlichkeiten wie Chauffeur, Firmenvilla oder Dienstmädchen wurden meist in fixes Gehalt gewandelt?, weiß Strenger. Darüber hinaus hat sich die variable Vergütung deutlich ausgeweitet. An sich ein begrüßenswerter Schritt ? solange Zulagen an Leistung gekoppelt und nicht mit der Gießkanne verteilt werden, betont der Governance-Experte: ?Gerade die Aktienoptionen dürfen nicht weiter in Richtung unendlich wachsen.? Für atmende Gehälter plädiert auch von Preen.Die Kunst: ?Gehaltspakete sollten in wirtschaftlich guten wie schlechten Zeiten angemessen erscheinen.? Bis zu 70 Prozent des Vorstandsgehalts kann in besonders guten Jahren variabel sein ? davon sollte je die Hälfte an kurzfristigen sowie mittelfristigen Erfolgen gemessen werden. Insgesamt werden Vorstände in Deutschland noch viel zu wenig für eine nachhaltige Wertentwicklung des Unternehmens vergütet, kritisiert von Preen.Wie sich langer Atem für Vorstand und Unternehmen auszahlen kann, zeigt das Beispiel Wolfgang Reitzle. ?8,2 Millionen Euro Jahressalär erscheinen wohl verdient für ihn. Schließlich hat Reitzle Linde vom Mauerblümchen in eine Rose verwandelt?, so Preen.
Dieser Artikel ist erschienen am 21.06.2007