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Sparen, sparen, sparen!

Joachim Hofer
Peter Bauer ist erst drei Tage im Amt - und schon sagt er, wo es langgeht. Sparen heißt vor allem sein Motto, um den angeschlagenen Chiphersteller Infineon endlich aus der Dauerkrise zu führen. Die Investoren freut es.
Der neue Infineon-Chef Peter Bauer will die Kosten deutlich senken. Foto: dpa
MÜNCHEN. Das Hotel Bayerpost in München, kurz nach halb neun. 60 Analysten und Investoren warten an diesem trüben Dienstag in der Luxusherberge am Hauptbahnhof gespannt auf den neuen Chef des schwer angeschlagenen Chipherstellers Infineon.Es ist der erste öffentliche Auftritt von Peter Bauer, des Managers, der Infineon endlich in die schwarzen Zahlen führen soll. Seit zehn Jahren ächzt und stöhnt der Halbleiterhersteller unter riesigen Verlusten, doch hier und heute soll Bauer erklären, wie er das ändern will.

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Die Finanzgemeinde braucht nicht lange zu warten, dann kommt der Mann mit dem Schnauzbart zur Sache: Die Kosten sollen schon nächstes Jahr um einen dreistelligen Millionenbetrag sinken. "Wir machen die Firma schneller und schlanker", kündigt Bauer in fast makellosem Englisch an.Die Reaktion der Anleger lässt nicht lange auf sich warten: Kurz nach Börsenstart um neun geht die Infineon-Aktie ab wie eine Rakete. Und nicht nur das: Mit jedem Vortrag der Infineon-Vorstände auf dem jährlichen Investorentag des Konzerns klettert das Papier weiter. Am Nachmittag liegt das Plus bei mehr als sechs Prozent, die Münchener sind damit größter Gewinner im Aktienindex Dax.Auch die Analysten im Hotel Bayerpost sind zufrieden: "Das sind positive Nachrichten", urteilt Günther Hollfelder von Unicredit in der Kaffeepause nach Bauers Vortrag.Am dritten Tag im neuen Amt als Vorstandssprecher kann Peter Bauer seinen ersten großen Erfolg verbuchen. Der 47-jährige Münchener sitzt zwar schon seit 1999 im Vorstand von Infineon, doch in der Öffentlichkeit stand er bisher immer im Schatten der Vorstandschefs.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Mitarbeiter müssen sich auf einiges gefasst machen Erst diente er unter dem umtriebigen Ulrich Schumacher, dann stand in den vergangenen vier Jahren Wolfgang Ziebart an der Spitze. Doch Ziebart musste Ende vergangener Woche seinen Posten aufgeben. Der Aufsichtsrat wirft ihm mangelnde Durchsetzungskraft vor. Aber vor allem sind dem ehemaligen Conti-Vorstand die tiefroten Zahlen zum Verhängnis geworden.Gestern nun durfte der Elektrotechniker Bauer zum ersten Mal selbst über das große Ganze reden: über die Strategie und die künftige Ausrichtung. Teilnehmer der Veranstaltung bescheinigten ihm hinterher ein souveränes Auftreten. Von Nervosität war nach außen jedenfalls nichts zu spüren.Dabei waren die Reaktionen auf seine Ernennung in der vergangenen Woche sehr gemischt. Einige Reporter haben ihn als eher blassen Manager dargestellt, als verlängerten Arm von Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley. Für Irritationen sorgte vor allem, dass das Kontrollgremium Bauer nicht wie seinen Vorgänger zum Vorstandsvorsitzenden, sondern lediglich zum Vorstandssprecher ernannte. Deshalb wurde spekuliert, er sei nur eine Übergangslösung.Trotzdem präsentierte sich der verheiratete Vater von zwei Kindern gestern selbstbewusst, ohne zu dick aufzutragen. Er weiß genau, dass die Vorschusslorbeeren der Börse schnell wieder verwelken, wenn die Zahlen nicht stimmen. Und spätestens Ende Juli kommt die nächste Bewährungsprobe, wenn er die Details des neuen Sparprogramms bekanntgibt.Den Mitarbeitern des Chipkonzerns dürfte Bauers Rede allerdings wenig Freude bereitet haben. Sie müssen sich auf einiges gefasst machen. Denn die Kosten sollen vor allem dadurch gesenkt werden, dass Infineon mehr außerhalb des Konzerns in Asien fertigen lässt. Außerdem will Bauer weniger investieren und die Verwaltung straffen. "Auf die Entwicklungszentren in Deutschland und Österreich kommt ein Deckel drauf", so Bauer, der das Unternehmen bestens kennt. Seit 1986, damals war Infineon noch Teil von Siemens, arbeitet er hier, zuletzt war er verantwortlich für das Geschäft mit Autochips.
Dieser Artikel ist erschienen am 04.06.2008