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Spannend wie eine tote Ziege

Protokoll: Mariam Schaghaghi
Der Albtraum jedes Entertainers: Man reißt Witze auf der Bühne - und keinen im Publikum interessiert's. Oliver Kalkofe musste da durch.
Mein schlimmster Job? Ist gar nicht so lange her, das war erst vor drei Monaten: der schlimmste Auftritt meines Lebens. Eine große Firma feierte Betriebsjubiläum, riesiges Bierzelt für 1500 Gäste, und ich war engagiert, um eine Dreiviertelstunde Comedy zu machen. Ich war mit dem Programm gerade auf Tour, hatte diese Geschichten zigmal gemacht - und wusste daher: Die sind schon schön!

Die Gäste waren bereits ab nachmittags da, hatten schon drei Mahlzeiten bekommen und auch ordentlich zu trinken. Als ich kam, um neun Uhr abends, waren alle hackedicht und hatten die Schnauze komplett voll. Keiner guckte auf die Bühne - die Tische waren auch von der Bühne abgewandt, so dass man ohne Halsverdrehung eh nichts sehen konnte. Vor mir waren noch irgendwelche Basketballer auf der Bühne, die wurden ausgebuht - und dann kam ich.

Die besten Jobs von allen


Es waren keine zehn Sekunden vergangen, da wusste ich: Ich bin tot. Ich könnte mir sogar persönlich den Kopf absägen, das interessiert hier niemanden. Es hörte einfach kein Mensch zu! Es gab vereinzelt ein paar, vielleicht 200, die zuhörten und vielleicht sogar Spaß hatten. Aber die kamen gegen die allgemeine Lethargie nicht an. Ich fühlte mich, als stünde ich in einer Bahnhofshalle, zur Hauptverkehrszeit, und spulte mein Programm ab. Und ich musste das natürlich durchziehen, sonst wäre es ja Arbeitsverweigerung ...! Ich habe einfach versucht auszublenden, dass ich da bin und dass eine Publikumsreaktion etwas Schönes ist und habe einfach so für mich gespielt. Nur im zweiten Teil habe ich dann etwas gekürzt und den Organisatoren gesagt: "Ihr merkt es selbst, es macht keinen Sinn." Das war echt hart.

Als es vorbei war, bin ich sofort ins Auto gesprungen und an die Hotelbar gerast. Und habe einen getrunken. Eine teure Flasche Wein habe ich mir gegönnt, aus Frust. Das musste dann sein. Also davon mehrere Abende, dachte ich, und ich spring aus'm Klofenster. Da hatte ich das Rex-Gildo-Syndrom. Da ging's nicht darum, ob man lustig war oder nicht - sondern man hatte einfach keine Chance. Man hätte auch eine tote Ziege auf die Bühne legen können, die Reaktion wäre die gleiche gewesen! Das war heftig. Das Gute ist: Man wird wieder sehr demütig und dankbar. Aber ich möchte es trotzdem nicht noch mal haben!

Oliver Kalkofe, 42, ist Schauspieler ("Der Wixxer"), Comedian, Buchautor und Synchronsprecher. Für seine Sendung "Kalkofes Mattscheibe" erhielt er unter anderem den Adolf-Grimme-Preis.
Dieser Artikel ist erschienen am 28.01.2008