Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Soziales Jahr in Brasilien

Aufgezeichnet von Maria Lotz
Hanna Doose, 23, wollte nach dem erst mal weit weg - und sich für andere Menschen einsetzen. In Brasilien arbeitete sie in einem Armutsviertel. Und hat dort herausgefunden, was sie studieren will.
Hanna Doose, 23, hat nach dem Abi ein Soziales Jahr in Brasilien absolviert. Seit Oktober studiert sie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB):

Nach dem Abitur wollte ich auf jeden Fall eins: weit weg. Raus in die Ferne und in ein anderes Leben tauchen. Außerdem hatte ich das Bedürfnis, mich für Menschen einzusetzen, die nicht in so privilegierten Verhältnissen leben wie wir in Deutschland. Ich bewarb mich für Auslandsprogramme, die in den brasilianischen Städten Hilfsprojekte für Straßenkinder anbieten. Geklappt hat es beim Internationalen Christlichen Jugendaustausch: In den so genannten Fervellas, den Armutsvierteln, habe ich bei der medizinischen Versorgung der Kinder geholfen, zeitweise habe ich ihnen Englisch-Unterricht gegeben. Innerhalb von kurzer Zeit kannte mich, die europäische Exotin, die halbe Stadt - auch dank der Radio-Interviews, zu denen ich eingeladen wurde. Nach drei Monaten sprach ich flüssig Portugiesisch - eine Sprache, von der ich vorher keinen Schimmer hatte.

Die besten Jobs von allen


Trotz des Trubels hat mich eine Frage über tausende Kilometer nach Brasilien begleitet: Was kommt danach? Während des Abis habe ich mich für Journalismus interessiert, aber auch für Fotografie. Wenn ich in Brasilien die Menschen beobachtete oder mein Blick über die Landschaft strich, kamen mir Ideen, wie ich diese Eindrücke dokumentieren könnte. Kleine Filmchen liefen hinter meinen Augen ab. Ich wollte diese Momente für andere einfangen- sei es ein heißer Strandtag mit kühler Caipirinha oder ein feucht-schwüler Morgen in den Gassen von Santana do Livramento. Von Brasilien aus bewarb ich mich bei deutschen Filmhochschulen. Mittlerweile bin ich bei meiner Favoritenschule in Berlin angenommen worden.
Dieser Artikel ist erschienen am 23.04.2002