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Software-Riese SAP will sich radikal verjüngen

Jens Koenen
Die Verträge von vier altgedienten SAP-Vorständen laufen aus: Für den Forschungschef des weltgrößten Anbieters von Firmensoftware, Peter Zencke, könnte schon dieses Jahr Schluss sein. Nach Informationen von SAP-Kennern wollte er eigentlich schon vor zwei Jahren aussteigen.
Henning Kagermanns Vertrag läuft noch bis 2009. Foto: ap
FRANKFURT. Verunsicherung und angespanntes Warten im nordbadischen Walldorf. Der Vorstand von SAP, dem weltgrößten Anbieter von Firmensoftware, steht in den kommenden Monaten vor einer radikalen Verjüngungskur. Vier von den derzeit sieben Vorstandsmitgliedern zählen zu den alten SAPlern, deren Abschied in absehbarer Zeit bevorsteht. Erste Entscheidungen wird der Aufsichtsrat wahrscheinlich auf seiner Sitzung Anfang April treffen.?Viele SAP-Vorstände haben fast zur gleichen Zeit angefangen und wollen nun auch alle zur gleichen Zeit aufhören. Das wird für SAP eine echte Herausforderung?, beschreibt ein früherer SAP-Manager die aktuelle Situation. Gleichzeitig wolle man das Thema im Aufsichtsrat nach den Erfahrungen mit dem ehemaligen Technikvorstand Shai Agassi behutsam angehen und arbeite an einem gleitenden Übergang.

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Agassi galt als Nachfolger von SAP-Chef Henning Kagermann, 60. Er war aber Anfang vergangenen Jahres ausgeschieden, nachdem klar war, dass Kagermann seinen Vertrag noch einmal verlängern würde.Die dringendste Personalie ist die von Forschungs- und Entwicklungschef Peter Zencke. Er ist seit 1984 bei SAP und seit 1993 im Vorstand. Sein Vertrag läuft in diesem Jahr aus. In Walldorf geht man davon aus, dass er aufhören wird. ?Eigentlich wollte er schon vor zwei Jahren aussteigen, aber die neue Mittelstandssoftware Business by Design hat ihn noch mal voll motiviert. Das ist nun erledigt?, sagt ein Insider.Im kommenden Jahr läuft dann der Vertrag von Kagermann aus. Hier zeichnet sich immer deutlicher Vertriebsvorstand Léo Apotheker als Nachfolger ab. Um einen nahtlosen Übergang zu ermöglichen, wird er in wenigen Tagen wahrscheinlich vom Aufsichtsrat zum gleichberechtigten Vorstandssprecher neben Kagermann berufen. Kagermann werde dann Aufgaben an Apotheker abgeben, heißt es.Etwas mehr Zeit bleibt den zwei anderen langgedienten in der Managementspitze. Die Verträge von Personalvorstand Claus Heinrich und Servicevorstand Gerhard Oswald laufen noch bis 2010. Doch die meisten in Walldorf sind davon überzeugt, dass auch hier bereits an Nachfolgeregelungen gearbeitet wird. ?Es wird kein Stein auf dem anderen bleiben, auch in der Führungsebene darunter?, sagt ein SAP-Mitarbeiter.Lesen Sie weiter auf Seite 2: "Der Aufsichtsrat möchte einen internationaleren Vorstand" Heinrich, der seit 1987 bei SAP arbeitet, hat sich bereits ein zweites Standbein aufgebaut. Seit Anfang vergangenen Jahres ist er Vorsitzender der Organisation ?Zukunft der Metropolregion Rhein-Neckar?, die sich vor allem um die Förderung der ehemaligen Kurpfalz rund um Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg kümmert. Auch Oswald, der 1981 bei SAP anfing und seit 1996 dem Vorstand angehört, gilt in Walldorf als klarer Ausstiegskandidat.Noch ist nicht klar, wer die frei werdenden Positionen besetzen wird. Es seien noch keine abschließenden Entscheidungen gefallen, heißt es. ?Der Aufsichtsrat möchte einen internationaleren Vorstand?, sagt aber ein SAP-Beobachter. Vor kurzem war mit John Schwarz, dem Chef der neu erworbenen Business Objects, bereits ein Ausländer in das Spitzengremium aufgestiegen.Naturgemäß zählen die Mitglieder des sogenannten Executive Councils, einer Art internes Beratungsgremium für den Vorstand, zu den Nachrückerkandidaten. Das Council wurde Anfang vergangenen Jahres nach dem Abgang Agassis einberufen. Ein Teil der Mitglieder berichtet an Kagermann, die anderen an Apotheker.Entsprechend werden in Walldorf vor allem zwei Namen als mögliche Vorstände gehandelt: der von Bill McDermott, bei SAP für das wichtige Amerika-Geschäft zuständig, sowie der des Dänen Jim Hagemann Snabe, verantwortlich für Branchenlösungen. Allerdings wird auch Ernie Gunst, er leitet die Region Europa, Afrika und Mittlerer Osten, immer wieder im Zusammenhang mit einem Vorstandsposten genannt.
Dieser Artikel ist erschienen am 26.03.2008