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So viel Geld

Der Aufzug saust in den Keller, meine Augen müssen sich an die Dämmerung erst gewöhnen. Wir gehen durch eine hochgesicherte Glastür, dann stehen wir im Tresorraum, dem Herzen einer jeden Bank. Es ist fast wie im Film: Vor mir liegt so viel Geld, wie ich es noch nie in meinem Leben gesehen habe: Bündel von 100-Euro-Scheinen, 50-Euro-Scheinen und Plastiktüten gefüllt mit klimperndem Münzgeld. "Ich denke, das sind so 350.000 Euro", schätzt Giovanni Malaponti.
Sarah Lambrecht, 19 Jahre: Traumberuf Bankmanagerin

Der Aufzug saust in den Keller, meine Augen müssen sich an die Dämmerung erst gewöhnen. Wir gehen durch eine hochgesicherte Glastür, dann stehen wir im Tresorraum, dem Herzen einer jeden Bank. Es ist fast wie im Film: Vor mir liegt so viel Geld, wie ich es noch nie in meinem Leben gesehen habe: Bündel von 100-Euro-Scheinen, 50-Euro-Scheinen und Plastiktüten gefüllt mit klimperndem Münzgeld. "Ich denke, das sind so 350.000 Euro", schätzt Giovanni Malaponti.

Malaponti ist Italiener, mit großen braunen Augen und charmantem Lächeln, 34 Jahre jung und Vorstand der Sparkasse Niederrhein, eines der größten Sparkassen Westdeutschlands. Malaponti hat eine steile Karriere gemacht: Noch gut kann er sich an den Tag erinnern, als er selbst die Ausbildung begann.
Ausbildung: Sparkassenkaufmann/-kauffrau (mit Abitur 2 Jahre). Danach gibt es zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten, zum Beispiel ein Studium an der Sparkassen-Hochschule zum Diplom-Sparkassenbetriebswirt.
Gehalt: Das Einstiegsgehalt nach der Ausbildung liegt bei 1.850 brutto/Monat, ein Sparkassenbetriebswirt verdient circa 3.100 brutto/Monat.
Chancen: Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz stehen sehr gut, vor allem Abiturienten sind gefragt.
Dabei hat der Bankmanager und zweifache Familienvater so gar nichts von einem Dagobert Duck. Mit Bargeld habe er ohnehin nicht mehr viel zu tun, gesteht Malaponti. Selbst die Summen, die in einer Bank jeden Tag virtuell bewegt werden, seien für ihn nicht das Entscheidende an seinem Job. "Ich plane Strategien und Ziele, mache Zeitvorgaben. Ich sehe mich als den ersten Steuermann auf einem Boot", sagt der Sparkassen-Vorstand.

Die besten Jobs von allen


Ein Boot mit immerhin 900 Matrosen und jeder Menge Passagieren. Das Wohlergehen seiner Kunden und seiner Mannschaft - das sei ihm das Allerwichtigste, beteuert er. Klingt ein bisschen wie aus einer Werbebroschüre, doch dem sympathischen Mann mit den wuscheligen schwarzen Haaren glaube ich das aufs Wort. Ein Traumjob also auch für ihn? Niemals habe er etwas anderes machen wollen, antwortet er wie aus der Pistole geschossen. Auch Banker kann man mit Leidenschaft sein

Obwohl der Job stressig sein kann. Neben zahllosen Sitzungen und Terminen in den vielen Filialen stehen auf seinem Tagesprogramm auch repräsentative Aufgaben. Zum Beispiel das Golfturnier eines heimischen Clubs letzte Woche. "Was Golf angeht, bin ich allerdings eindeutig talentfrei", lacht er.

Seine mangelnden Golfkenntnisse macht Malaponti mit Kontaktfreude wett: Während wir unsere Runde durch die Filiale drehen, scherzt er mit alten Kunden oder unterhält sich ganz locker mit den Azubis Johannes und Vitaji über ihre letzte Klassenfahrt. Trocken und eintönig, wie viele meiner Schulkameraden denken, ist es bei der Bank nun wirklich nicht. Am Schluss bedanke ich mich für diesen aufregenden Tag, sage "Auf Wiedersehen" - und meine es auch so.  
Dieser Artikel ist erschienen am 02.09.2005