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So tickt die Schweiz

Martin Roos
Foto: Markus Hintzen
Die Durchschnittsschweizerin ist 166,1 Zentimeter groß, 62 Kilogramm schwer, der Mann zehn Zentimeter größer und 74 Kilogramm schwer. Jeder Zweite duscht täglich.
Die Durchschnittsschweizerin ist 166,1 Zentimeter groß, 62 Kilogramm schwer, der Mann zehn Zentimeter größer und 74 Kilogramm schwer. Jeder Zweite duscht täglich.

Der Schweizer stirbt mit 73 Jahren und neun Monaten, die Schweizerin mit 80 Jahren und sechs Monaten. Vorher bringt sie 1,55 Kinder zur Welt.

Die besten Jobs von allen


Die Brötchen und die Butter kosten in der Schweiz etwa dreimal so viel wie in Deutschland. Die Tafel Schweizer Schokolade auch.

Wer in der Schweiz viel Geld hat, trägt es nicht zur Schau. Lieber ein teures Auto, das nicht luxuriös wirkt, als ein Mercedes, bei dem jeder zweite Passant den Stern am Kühler abreißt.

Niemand spricht in der Schweiz von einem ?Fränkli? ? außer den Deutschen. Die meinen, in der Schweiz mache das jeder. Anständige Schweizer sprechen nur von ?Geld?.

Für das ?Schwiizertüütsche? gilt: Lassen Sie es bleiben. ?Grüezi? auszusprechen, wird Ihnen nicht gelingen, höchstens grützi oder grüüzi oder grüzzi. Bleiben Sie beim ?Guten Tag?, bis Ihnen jemand für Ihr Gruäzi die Prüfung abnimmt. Oder wenden Sie den Verschlucktrick an und sagen nur das Ende des Wortes ?-zi?.

Verkehrssünder in der Schweiz sollten daran denken: ?Fehlbare Automobilisten werden gebüßt.? Die Pflicht, sich im Auto anzuschnallen, heißt ?Gurtenobligatorium?. Schwarzfahrer müssen in der Tram, wenn sie erwischt werden, 50 Franken für die ?Umtriebe? bezahlen.

Vorsicht beim Umgang mit Müll! Daran erkennt man genau, ob Sie renitent sind oder sich integrieren wollen. Benutzen Sie stets Säcke derselben Farbe wie Ihr Nachbar. Stellen Sie die Säcke erst am Vorabend der Abfuhr an den Straßenrand. Nicht früher. Werfen Sie einen Müllsack nicht in einen Container, der nicht zu Ihrem Haus gehört. Tun Sie das nie! Denn ein Container kostet monatlich Geld, und die Schweizer lieben es gar nicht, für den Müll anderer Leute zahlen zu müssen.

Wenn Sie privat eingeladen sind, beachten Sie bitte: Ein kleines Mitbringsel ist keine Pflicht, aber üblich. Beschämen Sie Ihre Gastgeber nicht mit einem zu teuren Geschenk. Der Schweizer hasst es, in jemandes Schuld zu stehen.

Die Schweizer haben Freude daran, wenn man mit Ihnen beim Essen vor dem ersten Schluck Wein anstößt. Sagen Sie dann einfach ?Prost?, blicken Sie dem Gegenüber in die Augen und nennen Sie noch einmal seinen Namen. Das ist auch einer der Momente, in denen Sie ?Duzis? machen können: ?Ich bin der Urs. Prost Lise.?
Dieser Artikel ist erschienen am 20.03.2001