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So schaffen Sie den Elchtest

Martin Roos
Foto: Johan Warden
Schweden sind stolz auf ihr Land. Kaum eine Gelegenheit verpassen sie, das zu zeigen: Auf jedes Wurstbrot, jede Bulette und jede Essiggurke stecken sie eine schwedische Fahne. Und wenn sie eine Salami sehen, auf der das Fähnchen eines skandinavischen Nachbarn steckt, scheuen sie sich nicht, es schnell gegen ein schwedisches auszutauschen.
Schweden sind stolz auf ihr Land. Kaum eine Gelegenheit verpassen sie, das zu zeigen: Auf jedes Wurstbrot, jede Bulette und jede Essiggurke stecken sie eine schwedische Fahne. Und wenn sie eine Salami sehen, auf der das Fähnchen eines skandinavischen Nachbarn steckt, scheuen sie sich nicht, es schnell gegen ein schwedisches auszutauschen.

Grundsätzlich lieben es die Schweden höflich. Sollten Sie einmal an der Bushaltestelle, vor der Disco oder an der Kasse im Supermarkt warten müssen, drängeln Sie auf keinen Fall, sondern reihen Sie sich brav ein. Schweden warten - auch auf einen Tisch in einem Restaurant, in dem das Stehpult des Oberkellners gar nicht besetzt ist.

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Wenn Sie in öffentlichen Einrichtungen wie Post oder Bank warten müssen, vergessen Sie nicht, einen ?nummerlapp" aus dem Automaten zu ziehen. Ohne diese Kundennummer werden Sie beispielsweise in den staatlichen Schnapsläden nie drankommen. Die Stunde, die Sie dann warten müssen, vergeht schneller als Sie denken. Denn so viel Zeit brauchen Sie, um die komplette Alkoholpreisliste zu studieren.

Sind Sie - was in Schweden eher selten der Fall ist - privat eingeladen, vergessen Sie nicht das Mitbringsel. Ein Blumenstrauß reicht. Grüßen Sie mit ?hej" und duzen Sie die Leute. Gesiezt wird fast nur noch in formalen Briefen und bei offiziellen Anlässen. Egal wie dann der Abend verläuft - Sie sollten spätestens verschwunden sein, wenn Häppchen gereicht werden. Schweden nennen diese späten Happen auch das ?Schert-euch-zum-Teufel-Brot".

Nehmen Sie es nicht persönlich, wenn die Gastgeber Sie nicht bis zur Haustür begleiten, sondern sich von Ihnen bereits im Wohnzimmer verabschieden. Diese Sitte stammt aus früheren Winterzeiten, als man seinen Gästen noch Gelegenheit zum diskreten Anziehen der wollenen Unterwäsche geben wollte.

Wenn Sie mit dem Auto fahren, machen Sie immer das Scheinwerferlicht an - egal, ob es Tag oder Nacht ist. Im Auto müssen Sie sich stets anschnallen, auch auf den Rücksitzen. Und Vorsicht mit Alkohol: Mehr als 0,2 Promille sind nicht erlaubt. Fahren Sie nicht mehr als 30 Kilometer pro Stunde über der erlaubten Geschwindigkeit. Falls Sie erwischt werden, zahlen Sie dann nur eine ordentliche Geldstrafe. Bei über 30 Kilometern pro Stunde ist der Lappen weg.

Auf schwedischen Landstraßen sollten Sie besonders bei Dämmerung vorsichtig fahren. Dann sind die Elche am liebsten unterwegs. 5.500 Mal im Jahr knallen Autos und Elche auf Schwedens Straßen zusammen. Dennoch: Wer in Schweden etwas auf sich hält, muss über Elche reden können. 350.000 Exemplare hat das Land. Das Tier ist Vegetarier, kräftig, beweglich und wandert im Winter bis zu 700 Kilometer. Von seiner Wende- und Wanderfreudigkeit profitieren vor allem die Testfahrer der deutschen Automobilindustrie.

Die einzigen Einwohner Schwedens, gegenüber denen Sie keinen Respekt zeigen müssen, sind die Mücken. Leider gibt es in dem Land viel zu wenig Fliegenpatschen für die riesigen Mückenschwärme. Ziehen Sie deswegen im Sommer helle Kleidung an, die möglichst dicht am Körper anliegt, tragen Sie Hüte mit Moskitonetz als Gesichtsschutz, versorgen Sie sich mit Chrysanthemenblütencreme, entfachen Sie qualmende Feuer - oder fahren Sie erst im Winter nach Schweden.
Dieser Artikel ist erschienen am 23.07.2001