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So meistern Sie Vortragspannen

Von Julia Trösser
Während eines wichtigen Vortrags fällt der Beamer aus, Sie entdecken Fehler in Ihrer Präsentation oder verlieren den Faden? Selbst der beste Redner gerät bei seinen Vorträgen schon mal aus dem Konzept und weiß nicht weiter im Text. So meistern Sie die peinlichen Situationen am Rednerpult.
Selbst der beste Redner gerät schon mal aus dem Konzept. Doch es gibt Mittel und Wege, das Blackout zu umgehen. Foto: dpa
Patzern vorbeugen ?Das sicherste Mittel gegen Pannen ist eine gute Vorbereitung. Ein nützlicher Tipp lautet: Checklisten erstellen?, sagt Rhetorikexperte René Borbonus. Spielen Sie alle möglichen Pannen vorher durch und überlegen Sie, wie diese behoben werden können. Legen Sie zum Beispiel neue Akkus fürs Headset oder eine Ersatzbirne für den Projektor bereit. So fühlen Sie sich sicher und sind zumindest für die vorhersehbaren Unfälle gewappnet.

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Kleine Helfer Überschätzen Sie Ihr Gedächtnis nicht und bereiten Sie in jedem Fall genügend Aufzeichnungen und Notizen vor, die Sie bei Ihrer Rede unterstützen. Wichtig hierbei: die Zettel müssen übersichtlich gestaltet und durchnummeriert sein. So beugen Sie Patzern vor und können im Notfall schnell rekonstruieren, wie es weitergehen sollte.Von der Technik verlassen Wenn plötzlich der Laptop streikt oder das Mikro ausfällt, Ruhe bewahren und sich bewusst machen, dass Sie weder für den Fehler, noch für seine Beseitigung verantwortlich sind. Falls ein Techniker nicht auffindbar oder ratlos ist, muss es ohne technische Hilfsmittel weitergehen. Sprechen Sie einfach lauter, oder erklären Sie den Inhalt der fehlenden Präsentation bildlich. The show must go on.Alternativen bereithalten Machen Sie sich unabhängig von Laptop, Overhead-Projektor und Co. Drucken Sie für das Publikum ein Handout aus, das die zentralen Elemente Ihrer Präsentation enthält. So können Sie Ihren Vortrag auch bei technischen Pannen unbeirrt zu Ende bringen, und das Publikum kann dem Inhalt auch ohne aufwendige Powerpoint-Präsentation folgen.Lesen Sie weiter auf Seite 2: So überwinden Sie Blackouts.Lächeln, lächeln, lächeln Auch wenn Sie sich noch so sehr über eine Panne ärgern, gilt die goldene Regel: ruhig und freundlich bleiben. Werden Sie niemals aggressiv und laut, schimpfen Sie nicht über die Verantwortlichen, die verflixte Technik oder sich selbst. Das ist unprofessionell und signalisiert Unsicherheit.Blackout überwinden Selbst der beste Redner gerät mal aus dem Konzept und weiß nicht weiter im Text. ?Eine Stille von bis zu vier Sekunden wird als Denkpause und nicht als ,Der ist aus dem Konzept?-Pause angesehen?, sagt Borbonus. Haben Sie also den Mut, einmal durchzuatmen, Ihren Blick übers Publikum schweifen zu lassen und über die Fortsetzung Ihrer Präsentation nachzudenken. Was als rhetorisches Stilmittel erscheint, kann für Sie die Rettung bedeuten.Wiederholung statt Pause Wer einen längeren Hänger hat, kann zunächst das zuvor Gesagte zusammenfassen und wiederholen. Das Publikum wird denken, Sie wollen die Inhalte verdeutlichen, und Ihren Blackout nicht bemerken. In dieser Zeit können Sie kurz überlegen oder nachschauen, wie es weitergehen sollte. ?Hören Sie auf keinen Fall auf zu reden, wenn Sie einen Blackout haben. Nur wenn Sie weitersprechen, kann sich die Blockade im Hirn lösen?, sagt Schlagfertigkeitstrainer Mathias Pöhm.Lesen Sie weiter auf Seite 3: Wie Sie stets die Fassung bewahren.Glück im Unglück Eine plötzliche Panne kann für Sie auch eine Chance darstellen. Denn Fehler machen menschlich und bringen dem Betroffenen Sympathiepunkte ein. ?Die Menschen solidarisieren sich immer mit den Schwächeren?, sagt Borbonus. Denken Sie daran, dass sich vermutlich schon viele Ihrer Zuhörer bereits in ähnlichen Situationen befunden haben und Ihre Not gut nachvollziehen können. Das sorgt für die nötige Ruhe und Gelassenheit.Distanz haltenAuch mit provokanten Bemerkungen aus dem Publikum müssen Sie gelegentlich rechnen. Wenn ein Zuhörer nicht Ihrer Meinung ist und dies lauthals kundtut, dürfen Sie sich nicht auf Diskussionen einlassen. ?Versuchen Sie niemals, mit einem Zuhörer zu argumentieren, um ihn zu überzeugen?, rät Pöhm. ?Am besten sagen Sie freundlich: ,Sie bleiben mir verbunden, auch wenn Sie anderer Meinung sind?.? Dem ist nichts entgegenzusetzen, und Sie können unbehelligt fortfahren.Fassung bewahren Ob nun die Technik streikt, im Publikum Handys klingeln oder Sie selbst den Faden verlieren ? ganz wichtig bei allen Pannen: Behalten Sie immer Ihre Souveränität. Wenn Sie am Rednerpult oder auf der Bühne nervös werden, lenken Sie die Aufmerksamkeit des Publikums erst recht auf das Problem und machen so alles noch schlimmer. Was auch passiert, lassen Sie sich also nicht beirren und tun Sie das, wofür Sie da sind: eine gute Rede bis zum Ende zu halten.
Dieser Artikel ist erschienen am 21.04.2008