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So holen Sie den Titel

Karin Umlauff
Promovieren heißt, jahrelang in unerforschtem Gebiet herumzureisen – und das (fast) ganz allein. Hier ist ein erster Wegweiser.
Wer darf überhaupt promovieren? Theoretisch jeder Uni-Absolvent und jeder FH-Abgänger mit Vorzeige-Examen. In praxi allerdings entscheidet jede Universitätsfakultät für sich, wen sie zulässt. Die jeweiligen Anforderungen stehen in der Promotionsordnung - erhältlich im Dekanat. An einer Fachhochschule zu promovieren, ist nicht möglich. Wer als FH-Absolvent dennoch promovieren möchte, muss sich einen Doktorvater an einer Uni suchen.

Trotz der Kooperationsvereinbarungen zwischen Universitäten und Fachhochschulen nehmen jedoch nur sehr wenige Fakultäten FHler zur Promotion an. Besser sind die Chancen im Ausland. Die Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen der Kultusministerkonferenz in Bonn informiert über Anerkennungsmodalitäten.

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Wer mit einem ausländischen Abschluss an einer deutschen Uni promovieren möchte, muss sich vor der Immatrikulation beim Prüfungsamt seiner Wunschhochschule informieren, ob sein Examen als gleichwertig anerkannt wird oder ob er Scheine nachreichen muss.

Vaterschaft klären
Möchten Sie bei einem Ihrer Examensprüfer promovieren? Dann sprechen Sie ihn darauf an - aber erst, wenn Sie Ihr Diplom in der Tasche haben. Außerdem sollten Sie sich vor dem Gespräch schon erste Gedanken über das Thema gemacht haben.

Wenn Sie bereits wissen, worüber Sie promovieren wollen, aber nicht bei wem, dann sind Fachzeitschriften eine gute Quelle. Ebenso hilfreich: Sammelbände von Symposien und Konferenzen. Hier erfahren Sie, wer zu welchem Thema forscht. Außerdem finden Sie bei der Lektüre heraus, ob Ihr wissenschaftlicher Ansatz zu dem des potenziellen Doktorvaters passt.

Klären Sie, ob Ihr Wunschprofessor Dissertationsthemen vergeben darf. Prinzipiell ist zwar jeder habilitierte Uni-Dozent dazu berechtigt, aber auch hier haben die Fakultäten ein Wörtchen mitzureden.

Wer in einem Unternehmen arbeitet und dort auch promoviert, bekommt sein Thema häufig vorgeschrieben. Wenn Sie damit leben können - okay. Für jeden anderen gilt: Lassen Sie sich Zeit, um über Ihre Fragestellung nachzudenken. Besprechen Sie Ihre Ideen mit Kommilitonen und Dozenten. Eventuell helfen aktuelle Publikationen zu verwandten Themen weiter.

Der Gegenstand der Arbeit sollte Ihren Doktorvater natürlich begeistern, aber richten Sie sich bei der Wahl nicht nur nach seinen Wünschen. Letztlich ist die Dissertation Ihr Baby, und Sie müssen die nächsten Jahre Freude daran haben. Sprechen Sie Ihren Themenvorschlag dennoch genau mit Ihrem Professor durch: Aus seiner Erfahrung heraus kann er die Tragweite Ihres Projekts sowie eventuelle Schwierigkeiten einschätzen.

Falls Sie planen, Ihre Magister- oder Diplomarbeit auszuweiten, prüfen Sie vorher, ob dies genug Stoff hergibt. Vorsicht auch vor brandheißen Themen: Die Diskussion darüber könnte bereits vom Tisch sein, wenn Ihre Doktorarbeit einige Jahre später erscheint. Genauso ärgerlich: Ein anderer Promovend hat es kurz vor Ihnen geschafft, seine Doktorarbeit zum selben Thema zu veröffentlichen.

Auch mit Klassikern fährt man nicht unbedingt sicher: Sie zwingen einen, Berge von Sekundär- oder gar Tertiärliteratur zu sichten. Bis Sie zu eigenständigen Betrachtungen kommen, müssen Sie sich erst mit den Forschungsansätzen all Ihrer Vorgänger auseinandersetzen. Das ist frustrierend – nicht nur für Sie, sondern auch für den Prüfer, der vielleicht schon die hundertste Abhandlung zum Thema ?Gesellschaftskritik in Fontanes Berlin-Romanen" liest.

Alimente sichern
Eine Doktorarbeit zu schreiben und dabei normal zu arbeiten, ist fast nicht möglich. Auf jeden Fall werden Sie länger als andere brauchen, bis Sie am Ziel sind. Mögliche Ausnahme: Sie promovieren in einem Unternehmen und werden für Ihre Forschungsarbeit bezahlt. Klären Sie vorher aber unbedingt, zu welchen Bedingungen das Unternehmen Sie einstellt. So vermeiden Sie, dass Sie von zusätzlicher Arbeit überrascht werden und das Ende der Promotion sich immer weiter nach hinten verschiebt.

Falls Sie auch nach der Dissertation an der Uni bleiben wollen, ist eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter optimal: Sie bleiben fachlich auf dem Laufenden und knüpfen wichtige Kontakte. Bei einer vollen Stelle sind pro Monat etwa 5.500 Mark brutto drin. Dafür müssen im Semester vier Stunden pro Woche unterrichtet werden. Je nach Institut variieren die weiteren Verpflichtungen: Diplomanden betreuen, Hausarbeiten oder Klausuren korrigieren.

Wer vor allem schnell ans Ziel will, sollte versuchen, ein Stipendium zu bekommen. Zahlungskräftige Förderer sind zum Beispiel die Studienstiftung des deutschen Volkes und die großen politischen Stiftungen, etwa die Konrad-Adenauer- oder die Friedrich-Ebert-Stiftung. Auch Universitäten vergeben Stipendien. Sie überlegen, im Ausland zu promovieren? Dann ist der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) in Bonn ein wichtiger Ansprechpartner.

Geburtstermin festsetzen
Bevor Sie mit der Promotion loslegen: Erstellen Sie einen Plan für die einzelnen Phasen Ihrer Doktorarbeit. Dazu gehören: Literaturrecherche, Materialauswertung und Themenabgrenzung, Konzeption, Manuskripterstellung, Druck und Veröffentlichung.

Zum Teil laufen diese Arbeitsprozesse parallel ab. Deshalb ist es wichtig, die Aufgaben und Termine zu koordinieren und aufeinander abzustimmen. Setzen Sie sich realistische Zwischenziele. Dennoch gilt es, flexibel zu bleiben: Überprüfen Sie regelmäßig die erledigten Arbeitsschritte und überlegen Sie, ob sich daraus eine Revision des bisherigen Zeitplans ergibt. Auch Tages- und Wochenprogramme sind sinnvoll: Schreiben Sie abends auf, was Sie am nächsten Tag erledigen wollen. Planen Sie feste Bibliothekszeiten ein. Termine zum Erfahrungsaustausch mit anderen gehören ebenfalls in Ihren Kalender. Vorsicht: Ausdauerkopieren und sonstige Materialanhäufungen bringen Sie nicht ans Ziel.

Entscheidend für eine effektive Zeitplanung ist, dass Sie sich nicht selbst betrügen. Versuchen Sie, Ihre Arbeitsbereitschaft und -fähigkeit realistisch einzuschätzen. Packen Sie Ihre Tage nicht zu voll und lassen Sie genügend Spielraum für Unvorhersehbares. Und vergessen Sie nicht, auch Zeit für Freunde und Hobbys freizuhalten.

Welche Hebammen zulässig sind
Am Ende der Dissertation steht die eidesstattliche Erklärung. Sie ist keine Formsache, sondern rechtlich verbindlich. Das Verschweigen von Hilfeleistungen kann zur Aberkennung des Titels führen. Deshalb: Schauen Sie beizeiten in die Promotionsordnung Ihrer Fakultät. Dort steht, in welchem Umfang Unterstützung zulässig ist. Grundsätzlich erlaubt ist - klar - die Nutzung von Literaturdatenbanken, Bibliographien, Informations- und Dokumentationsdiensten. Gegen die technische Datenverarbeitung und elektronische Texterstellung durch Dritte sowie das Korrekturlesen von Freunden ist ebenfalls nichts einzuwenden. Allerdings nur, solange dies keinen Einfluss auf die Inhalte der Dissertation hat. Die Auswertung und Wiedergabe von Quellen müssen Sie laut Prüfungsordnung alleine vornehmen.

Vorsicht vor Promotionsberatern: Nachhilfe dieser Art ist verboten. Der Deutsche Hochschulverband hat den Universitäten empfohlen, eine Klausel in die eidesstattliche Erklärung aufzunehmen, in der der Doktorand versichert, keine Hilfe von Promotionsberatern in Anspruch genommen zu haben. Wer es trotzdem nicht lassen kann, verliert oft viel Geld und steht am Ende ohne Titel da.

Das Licht der Welt erblickt
Erst wenn die Dissertation publiziert ist, dürfen Sie den Doktortitel führen. Dieser letzte Schritt auf dem Weg zum Doktor fordert einen ganzen Batzen Geld: Rund 5.000 Mark kostet die gängigste Form der Veröffentlichung in einem Fach- oder Dissertationsverlag. Folgende Publikationsarten sind möglich: 1. Arbeit einfach kopieren - Vorteil: schnell und preiswert, Nachteil: wirkt unprofessionell und billig. 2. Publikation im Dissertationsverlag - Vorteil: professioneller als Kopieren, nicht so teuer wie die Fachverlagspublikation. 3. Mikrofiche - Vorteil: preiswert und schnell, Nachteil: wird selten gelesen. 4. Fachverlag - Vorteil: macht am meisten her und wird am stärksten rezipiert, Nachteil: teuer. Tipp: Bei einem Abschluss ?Summa cum laude" schießen manche Fakultäten etwas zum Druck hinzu.

Immer mehr Unis genehmigen die Veröffentlichung als ?Book on Demand". Bei diesem Verfahren gibt der Autor seinen Text als PDF-Datei an den Dienstleister. Immer dann, wenn ein Buch bestellt wird, laufen die Druckmaschinen an. Der Druck auf Bestellung ist für den Promovenden günstiger als die Publikation in Fachverlagen. Allerdings sind Serviceleistungen wie Werbung oder die Eintragung in ISBN-Listen im Grundpreis nicht enthalten.
Dieser Artikel ist erschienen am 24.06.2001