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Smalltalk im Job

Britta Domke
Smalltalk bringt berufliche Kontakte, schafft eine angenehme Atmosphäre und kann sogar Ihre Karriere fördern. Die Kunst der leichten Konversation lässt sich lernen: im Aufzug, auf der Firmenfeier und täglich zwischen Tür und Angel. Karriere zeigt, wie Sie elegant einsteigen.
Sich vorstellen

Guten Morgen. Ich bin Stefanie Rudloff. Ich arbeite als Praktikantin bei XY Industries und schaue hier auf der Messe dem Marketing-Team über die Schulter.
Um sich selbst vorzustellen, verwenden Sie am besten die GNA-Formel. Sie besteht aus einem freundlichen Gruß mit vollständigem Namen und einem Aufhänger, warum Sie hier sind oder was Sie mit dem Gastgeber zu tun haben.

Erinnerung wecken

Hallo Herr Stein, ich bin Jochen Baumann von Bavaria Consulting. Wir haben uns im vergangenen Jahr auf der Info-Fahrt nach Martinsried kennen gelernt. Wie schön, dass wir uns mal wieder treffen!
Gehen Sie nicht davon aus, dass sich jeder flüchtige Bekannte an Sie erinnert. Wer mit den Worten "Ach, der Herr Stein. Das ist ja eine Überraschung!" auf den anderen zustürmt, riskiert eine peinliche Situation, falls der ihn nicht mehr einordnen kann. Nennen Sie also unbedingt Ihren Namen, Ihre Funktion und die Gelegenheit, bei der Sie sich kennen gelernt haben. Naheliegendes aufgreifen

Was für eine wunderbare Tischdekoration! Hier müssen echte Künstler am Werk gewesen sein.
Wenn Ihnen auf Anhieb nichts Intelligentes einfällt, schauen Sie sich einfach mal um. Eine Skulptur, ein üppiges Tortenbüffet - fast alles taugt zum spontanen Kommentar. Ihr Nachbar wird sich verpflichtet fühlen, ebenfalls ein paar Worte dazu zu sagen. Und der Bann ist gebrochen.

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Verbindungen suchen

Wie war Ihr Name? Deselaers? Ich kenne eine Anke Deselaers. Sind Sie zufällig mit ihr verwandt?
Jeder Smalltalk ist eine Art Abtasten: Gibt es Berührungspunkte, lohnt sich ein tiefergehendes Gespräch? Aus gemeinsamen Bekannten oder auch der Liebe zu Südafrika kann sich rasch eine angeregte Plauderei entwickeln. Greifen Sie die zufällige Verbindung auf - und machen Sie sie zum Leitmotiv Ihrer neuen Bekanntschaft: "Möchten Sie auch einen Rotwein? Ich glaube, die haben hier sogar welchen aus Südafrika."

Interesse zeigen

Ich sehe, Sie haben da einen Golfclub-Aufkleber auf Ihrem Auto. Welches Handikap haben Sie denn?
Über nichts reden Menschen so gerne wie über sich selbst. Wer das weiß, kann mit ein paar interessierten Fragen den Smalltalk in Gang bringen. Dabei brauchen Sie gar nicht viel von sich selbst zu erzählen. Wenn Sie Ihrem Gesprächspartner Aufmerksamkeit schenken und ihm großzügig die Bühne überlassen, wird er Sie automatisch sympathisch finden.

Komplimente machen
Ich bewundere schon die ganze Zeit Ihr Halstuch. Haben Sie das selbst gestaltet?
Es gibt keinen charmanteren Einstieg als ein aufrichtiges Kompliment. Platte Anzüglichkeiten, wie "Ich wusste gar nicht, dass Meier & Co. so attraktive Mitarbeiterinnen hat", sind natürlich tabu. Gehen Sie lieber auf ein markantes Detail der Kleidung ein oder loben Sie die Galeristin für die gelungene Vernissage. Das kommt immer an. Offene Fragen stellen
Und was machen Sie beruflich? Wie fanden Sie die Diskussion heute Abend? Wer ist denn der Mann, um den sich da vorne alle scharen?
Fragen sind der leichteste Weg, ein Gespräch in Gang zu bringen. Die meisten Menschen sind dankbar, wenn sich jemand für sie und ihre Meinung interessiert. Damit das erste zarte Konversations-Pflänzchen nicht gleich wieder verkümmert, sollten Sie aber nur offene Fragen stellen, also solche, die man nicht mit "Ja" oder "Nein" beantworten kann.

Nachrichten nutzen
Gestern habe ich im Radio gehört, dass mittlerweile 80 Prozent der Deutschen ein Handy besitzen. Das ist nach meiner Einschätzung doch ein bisschen übertrieben - was meinen Sie?
Vor einem Event, bei dem hauptsächlich Smalltalk verlangt ist, sollten Sie sich unbedingt über die neuesten Nachrichten informieren. Sonst kann es peinlich werden, wenn Ihr Sitznachbar fragt, "Was sagen Sie denn zu dem Run auf Dieter Bohlens neues Buch?" - und Sie haben keinen Schimmer, wovon die Rede ist.

Gemeinsam spekulieren
Na, wer wohl der Überraschungsgast ist, um den hier so ein Geheimnis gemacht wird?
Bei dieser Methode geht es weniger darum, etwas über den anderen zu erfahren, sondern um ein unterhaltsames Mini-Brainstorming. Es macht die Gesprächspartner zu Verbündeten, da sie das Rätsel gemeinsam besser lösen können als allein. Hat Ihr Gegenüber keine Idee auf Lager, können Sie ihn durch Spekulationen aus der Reserve locken: "Meinen Sie, man hat einen Lokalpolitiker eingeladen? Oder wird die Bühne für einen Musiker vorbereitet?"

Hilfe anbieten
Sie gucken so ratlos in Ihre Unterlagen. Müssen Sie auch zum Saal Hamburg? Wenn Sie möchten, kann ich Sie hinbringen.
Dankbarkeit, freudige Überraschung, Sympathie - das sind die Gefühle, die das spontane Hilfsangebot eines Fremden auslöst. Mit diesem Trick schaffen Sie sofort eine angenehme Basis für Smalltalk. Formulieren Sie aber so, dass der andere Ihr Angebot auch ablehnen kann. Der Satz "Kommen Sie, ich bringe Sie hin" würde Ihren Gesprächspartner zu sehr unter Druck setzen.

Gefallen erbitten
Ich habe nach der Tagung noch zwei Stunden Zeit und würde gerne etwas besichtigen. Können Sie mir eine Sehenswürdigkeit in der Stadt empfehlen?
Dass ihre Meinung oder Hilfe gefragt ist, freut die meisten Menschen. Bitten Sie um einen kleinen Gefallen, und Sie bekommen oft mehr als erhofft. Wichtig: Fragen Sie nur nach Hilfen, die leicht, schnell und gratis zu erbringen sind. Wer dazu genötigt wird, einem Unbekannten sein Handy für ein halbstündiges Gespräch zu leihen, wird auf Smalltalk kaum noch Lust haben.
Dieser Artikel ist erschienen am 21.11.2003