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Sima Gräfin von Hoensbroech

Die Fragen stellte Peter Nederstigt
Snacker.de, eine Internet-Plattform für Restaurants mit Lieferservice, gründete Sima Gräfin von Hoensbroech 1999 gemeinsamsam mit fünf Männern.
Sima Gräfin von Hoensbroech
Weshalb brauchen die "Frauen im Internet" einen eigenen Arbeitskreis? Kommen sie in den bestehenden Startup-Netzwerken nicht zu Wort?

Das schon. Aber wie bei den Netzwerken von MBA-Absolventen steht dort noch der Mann im Vordergrund. Auf eine Frau kommen bei den üblichen Treffen im Durchschnitt neun Männer. Da geht man als Frau schon ein wenig unter. Ich habe beispielsweise noch nie erlebt, dass ein Mann einer Frau als Mentor bei ihrer Karriere oder bei der Gründung eines eigenen Unternehmens geholfen hat. Wir Frauen sind also stärker als Männer auf uns selbst angewiesen. Da haben wir gedacht: Dann helfen wir uns auch selbst. Es geht uns aber nicht darum, gegen die Männer zu reden.

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Worüber reden Sie denn dann in Ihrem Netzwerk?

Über die gleichen Dinge wie Männer - nur vielleicht etwas schneller und zielorientierter. Wir sind kein Kaffeekränzchen. Bei jedem unserer Treffen, die alle zwei Monate stattfinden, steht ein spezielles Thema wie Finanzierung oder Marketing auf der Agenda. Außerdem kann sich dort auf Wunsch ein Unternehmen präsentieren. Neben diesen Treffen will sich der Arbeitskreis zu einer Austauschplattform für Frauen im Internet entwickeln. Momentan haben wir etwa 25 Mitglieder, meist Geschäftsführerinnen oder Vorstandsmitglieder. Damit können wir jungen Frauen ein eigenes Mentorensystem offerieren. Denn wer will, kann in der New Economy - oder wie wir sagen: Neuen Deutschen Wirtschaft - noch immer schneller vorankommen, weil die Hierarchien flacher sind.

Wenn die Karrierechancen so gut sind: Wie viele Frauen fallen ihnen spontan ein, die als Chief Executive Officer ein deutsches Startup leiten?

Es fällt mir in der Tat nicht so leicht, auf Anhieb einen Namen zu nennen. Das liegt zum einen daran, dass Frauen sich gerne zurückhalten und im Vorstand meist die kommunikative Rolle einnehmen. Sie sind eher für Marketing oder die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, als an vorderster Position zu stehen. Zum anderen gibt es nur wenige Frauen, die ihr eigenes Internet-Unternehmen gründen. Das Internet ist immer noch eine Männerdomäne, weil es sehr techniklastig ist. Unsere Botschaft an die Frauen heißt: Habt keine Angst vor der Technik. Und habt keine Angst, selbst zu gründen.
Dieser Artikel ist erschienen am 19.04.2001