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Siemens-Umbau erreicht die Chefetage

Von Christoph Hardt
Der Konzernumbau bei Siemens macht vor dem Zentralvorstand nicht halt. In München verdichten sich die Hinweise darauf, dass die Tage von Thomas Ganswindt im obersten Führungsgremium des Konzerns gezählt sind. Der 45-Jährige ist dort für die Problem-Bereiche Com und SBS zuständig.
Thomas Ganswindt. Foto: Siemens
MÜNCHEN. Weil für den Kernbereich von Com mit Nokia bereits ein Joint-Venture-Partner gefunden ist und für die IT-Dienstleistungssparte SBS eine baldige Lösung außerhalb der direkten Zuständigkeit von Siemens immer wahrscheinlicher wird, dürfte Ganswindt bald ohne konkretes Arbeitsgebiet dastehen.?Auf den Fluren wird bereits über die Personalie spekuliert?, hieß es aus Unternehmenskreisen. Es wäre kaum wahrscheinlich, dass Ganswindt künftig im Zentralvorstand ausschließlich Joint-Venture-Unternehmen zu betreuen habe, hieß es.

Die besten Jobs von allen

Siemens hatte vor vier Wochen den Telefonnetzwerk-Bereich Com in ein Joint-Venture mit Nokia eingebracht. Auch für SBS wird eine solche Lösung immer wahrscheinlicher. Siemens hat den Bereichen Margenziele gesteckt, die sie bis April 2007 erreichen sollen und die sich an der Leistung der Besten der jeweiligen Branchen orientieren. SBS hatte im vorigen Geschäftsjahr 690 Mill. Euro Verlust gemacht (minus 12,8 Prozent), soll aber ein Ziel von plus fünf bis sechs Prozent erreichen.Während Siemens zu Personalien jeglichen Kommentar ablehnte, hieß es bei SBS, man gehe davon aus, dass die Problemsparte bis 2007 Zeit habe, ihre Hausaufgaben zu erfüllen. Schließlich habe Konzernchef Klaus Kleinfeld mehrfach bekräftigt, dass die Restrukturierung besser laufe als ursprünglich geplant.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Siemens-Spitze sucht verstärkt Alternativen Dennoch verdichten sich die Hinweise, dass die Siemens-Spitze verstärkt nach Alternativen sucht. Als eigenständige Konzerneinheit sei SBS im internationalen Vergleich zu klein, um langfristig eine Chance zu haben, hieß es aus Unternehmenskreisen. Aufsichtsratskreise bestätigten: ?Die Tage von SBS sind gezählt?.Eine Verstärkung der Sparte durch eine Akquisition scheide aus, von daher liege es nahe, dass zumindest Teile zum Verkauf stünden. Alternativ wird ein Partner gesucht. Hier taucht seit längerem der Name des französischen Konkurrenten Atos Origin auf.Für Thomas Ganswindt sind das alles keine guten Nachrichten. Lange Jahre hatte Ganswindt für die Verkehrstechnik von Siemens gearbeitet, ehe er 2001 vom damaligen Konzernchef und heutigen Aufsichtsratsvorsitzenden Heinrich von Pierer zum Bereichsvorstand Information and Communication gemacht wurde. Zwar gelang es Ganswindt, den Bereich aus den roten Zahlen zu führen, doch sollte sich in der Folge negativ auswirken, dass Siemens den Wandel zur Internettelefonie (Voice over IP) unterschätzte. Das wird auch Ganswindt angelastet.Dem 1989 als Management-Holding etablierten Siemens-Zentralvorstand steht eine Erneuerung bevor. Fest steht, dass Edward G. Krubasik das Führungsgremium Ende September verlassen wird. Dafür soll der neue Forschungschef Hermann Requardt in den Siemens-Olymp aufrücken. Theoretisch wäre es möglich, dass Ganswindt innerhalb des Zentralvorstands neue Aufgaben zugewiesen bekommt. Diese Lösung wird in Unternehmenskreisen aber für sehr unwahrscheinlich gehalten.
Dieser Artikel ist erschienen am 18.07.2006