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Sie sind gefeuert, Mister Trump

Von Torsten Riecke, Handelsblatt
Am selben Tag, an dem Donald Trump sein Firmenimperium Trump Hotels & Casino Resorts für zahlungsunfähig erklärt hatte, überraschte das Stehaufmännchen des amerikanischen Kapitalismus Freund und Feind mit seinem neuesten Geschäftsvorhaben: eine eigene Modekollektion.
NEW YORK. Die Kollektion mit Anzügen für rund 600 Dollar soll passend zum Neustart seiner Reality-Fernsehshow ?The Apprentice? (Der Lehrling) auf den Markt kommen.Wenn der Unternehmer in eigener Sache dann wieder vor einem Millionen-Publikum die Kandidaten mit einem trockenen ?You are fired? (Du bist gefeuert) abkanzelt, müsste ihm der in den USA zum Kult avancierte Satz eigentlich im Halse stecken bleiben. Hat sich Trump doch gerade selbst gefeuert. Der 57-Jährige verliert durch seinen Konkursantrag nicht nur die Kontrolle über sein Unternehmen an eine Investmenttochter der Schweizer Großbank Credit Suisse. Der Boss muss auch seinen Chefposten räumen.

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Doch Trump wäre nicht Trump, wenn er trotz der Blamage nicht doch sein Schäfchen ins Trockene bringen würde. So bleibt er zunächst Chairman des Unternehmens und erhält dafür das stattliche Jahresgehalt von zwei Millionen Dollar. ?Es ist unglaublich, dass jemand weiter bezahlt wird, nachdem er sein Unternehmen in den Bankrott getrieben hat?, kommentierte Jeffrey Sonnenfeld, Experte für Management an der Yale University, die Vorgänge in der ?New York Times?.Die wirtschaftliche Pleite ficht den Milliardär nicht an. In einem ?Times?-Interview bezifferte Trump sein Vermögen auf ?vier bis fünf Milliarden Dollar?. Es sei für ihn deshalb kein Problem, jene 55 Millionen Dollar aufzubringen, die er braucht, um zumindest 25 Prozent von seinem Hotel- und Casino-Imperium zu behalten. Beobachter rechnen indes damit, dass Trump sich auch dieses Geld leihen muss. Weiß doch niemand genau, wie viel der Investment-Akrobat wirklich flüssig hat. Die meisten seiner Finanzanlagen sind privat und müssen nicht offen gelegt werden.Geldprobleme hatte Trump schon früher. Aus den 90er-Jahren ist eine Episode überliefert, wonach sein Vater mit den Taschen voller Dollar in eines der Trump-Casinos marschierte, um Spielchips zu kaufen ? und so seinem Sohn finanziell zu helfen. Trump bestreitet das nicht. Er sagt nur: ?Heute habe ich eine Menge Bargeld.? Tatsächlich bringen ihm TV-Auftritte, Werbespots und Buchveröffentlichungen Millionen ein. So umstritten Trump in den USA ist, Anhänger und Kritiker sind sich zumindest darin einig, dass seine Selbstvermarktung genial ist.Für die Firma Trump Hotels & Casino Resorts wäre der geplante Neuanfang unter einem Gläubigerschutz vermutlich ein Segen. Der Schuldenberg würde von 1,8 auf 1,25 Milliarden Dollar reduziert, die jährliche Zinsbelastung würde um 110 Millionen Dollar sinken. Credit Suisse und Trump wollen dann etwa 500 Millionen Dollar neu in das Unternehmen investieren.Noch ist jedoch unklar, ob sich Trump wirklich ungeschoren aus der Casino-Pleite ziehen kann. Das hängt nicht nur von den 55 Millionen Dollar ab, die er aufbringen muss. Hinzu kommt, dass offenbar nicht alle Gläubiger mit den Konditionen für einen Neuanfang einverstanden sind. Steve Gidumal, Portfoliomanager der Investmentgesellschaft Virtus Capital, die zu den Gläubigern gehört, sagte der Nachrichtenagentur Bloomberg: ?Das Angebot des Unternehmens und DLJ (Credit Suisse Tochter) ist ein großer Rückschritt.?
Dieser Artikel ist erschienen am 12.08.2004