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Nicht jede flotte Retourkutsche kommt auch gut im Job. Konter ja, Kündigung nein ? karriere hat Experten nach ihren Lieblings-Schlagfertigkeits-Techniken gefragt.
?Sie sind nicht teamfähig.? Oder: ?Seien Sie doch nicht so dogmatisch!? Im Job begegnen einem häufig so genannte Etikettier-Vorwürfe. Bei solchen mehr oder weniger direkten Angriffen eignet sich die Entsorgungs-Technik hervorragend. Sie schälen den Negativ-Begriff heraus und interpretieren ihn positiv um: ?Wenn ,nicht teamfähig? bedeutet, dass ich eigene Ideen entwickle und durchziehe ? ja, dann bin ich nicht teamfähig.? Das Schema ist immer dasselbe. Durch das Formulieren der Phrase ?Wenn xy bedeutet, dass...? gewinnen Sie Zeit und Sie wirken wahnsinnig souverän. Wer eine Woche lang täglich übt, dem fällt in sechs von zehn Fällen garantiert etwas Geeignetes ein. Die eine Schachmatt-Technik gibt es nicht ? aber die Wahrscheinlichkeit, dass keine weitere Attacke folgt, ist hoch. Und Sie haben sich strategisch in eine sehr gute Ausgangsposition gebracht.

Rhetorik-Trainer Matthias Pöhm gibt Seminare XXL: Für zwei Tage zahlen 16 Teilnehmer je 5.600 Euro und bis zu 100 Zuschauer je 290 Euro.

Gerade Frauen neigen dazu, im Beruf die Messlatte besonders hoch zu legen. Bei der Schlagfertigkeit verhält es sich ähnlich ? da glauben wir, ein Konter muss gleich Pulitzer-preisverdächtig sein. Muss er aber gar nicht. Ich empfehle die Rückfrage-Technik, gerade weil sie so einfach ist. Bei einem pauschalen Vorwurf à la ?Das müssten wir besser im Griff haben?, legen Sie nicht los mit Rechtfertigungen wie: ?Ich hatte ja auch nicht so viel Zeit.? Statt Öl in die Flammen zu gießen, drehen Sie den Spieß um, indem Sie so sachlich wie möglich nachfragen: ?Was meinen Sie genau mit ,besser im Griff haben??? Das Beruhigende: Sie haben nicht nichts gesagt ? eine solche Frage gelingt einem immer noch. Das Motto heißt: Wer fragt, führt. Jetzt ist Ihr Gegenüber gefordert. Sie überwinden die ersten Schrecksekunden und gewinnen eine Verschnaufpause. Häufig macht der Angreifer dann schon einen Rückzieher: ?Na ja, ich meinte ja nur...? Das ist auch das Gute bei dieser Taktik: Sie klopfen ab, ob jemand einfach nur schlecht gelaunt ist oder wirklich sachliche Kritik anbringen will

Die besten Jobs von allen


Meike Müller ist Kommunikationstrainerin und Geschäftsführerin des Beratungsunternehmens Quarta in Berlin.

Eine Schlagfertigkeits-Technik, die die Beziehungsebene schont und damit eine konstruktive Arbeitsatmosphäre wahrt, ist die 3-T-Regel: Touch ? Turn ? Talk. Zuerst reagieren Sie auf einen Kommentar und bestätigen den angesprochenen Aspekt als wichtig. Dann bringen Sie Möglichkeiten zum Handeln ins Spiel. Schließlich zeigen Sie, was bereits getan wurde oder zu tun ist. Das Totschlag-Argument schlechthin ?Das machen wir aber immer so!? kontern Sie nach dieser Regel dann so: ?Häufig ist das auch der richtige Weg. Firma Meier ist allerdings ein besonders anspruchsvoller Kunde. Deshalb müssen wir dort neue Wege beschreiten. Ich schlage vor, dass wir...? Die Antwort ist zwar nachdrücklich, aber nicht arrogant oder besserwisserisch. Trotz Zwischenruf können Sie das Gespräch problemlos fortsetzen. Übrigens sollten Sie vermeiden, in Ihrer Antwort den kritischen Aspekt wörtlich aufzugreifen. Sie verstärken ihn sonst für die übrigen Zuhörer.

Diplom-Psychologe Reiner Neumann arbeitet als Manager-Trainer und Autor zu den Themen Rhetorik und Kommunikation.

Der witzige Gegenangriff ist zwar der spektakulärere ? aber im Büro empfiehlt sich doch die weichere Tour. Denn hier geht es in der Regel ja nicht darum, Lacher zu erzielen, sondern darum, seine Souveränität zu bewahren. Das klappt gut mit der Dolmetscher-Technik. Eine Kränkung wie ?Sie haben ja keine Ahnung? übersetzen Sie in eine sachliche Feststellung: ?Sie meinen, wir beide sind unterschiedlicher Meinung?? Wer glaubt, das sei keine Schlagfertigkeit, sondern gelebte Sozialpädagogik, der irrt. Denn der Dolmetscher nimmt es in die Hand, seinem Gegenüber zu erklären, was er gerade gesagt hat. Sprich, er bestimmt, wohin die Reise geht. Seinem Gesprächspartner dürfte es schwer fallen, ihn von seinem Kurs abzubringen. Übrigens kann man mit der Dolmetscher-Technik auch Beleidigungen kurzerhand in Komplimente verwandeln. Die Übersetzung von ?Sie sind ja vielleicht eine Krücke!? lautet dann: ?Ja, ich bin die Stütze des Unternehmens.?

Der Münchener Autor Matthias Nöllke hat vier Ratgeber zum Thema Schlagfertigkeit verfasst.

Eine bestimmte Technik würde ich nicht allgemein empfehlen ? denn was mir liegt, das passt zu meiner Persönlichkeit und gibt mir die Lockerheit, schlagfertig zu sein. Wenn jemand etwas Gemeines zu mir sagt, drehe ich mich beispielsweise weg und sage zu einer fiktiven dritten Person: ?Hey, eigentlich ist der da ganz nett. Aber jetzt macht der mich zur Schnecke.? Mit der Charme-Offensive habe ich gute Erfahrungen gemacht: Man nimmt Gift raus und bringt den anderen zum Lachen. Auch bei angespannteren Situationen im Büro ist es wichtig, sich klar zu machen: Was hier gerade vor sich geht, ist ganz normal. Meist ist der Angreifer einfach nur genervt. Also versuche ich, das Leid hinter der Attacke zu verstehen. Denn in der Regel fährt ja keiner einfach so die Krallen aus. Statt sich in seinem eigenen Gefühl zu verheddern, fragt man dann den anderen nach seinem Befinden: ?Mensch, was ist denn mit dir los? Ich weiß ja, dass du eigentlich nicht so bist...? Stößt ein Kollege oder ein Vorgesetzter einem allerdings heftig vor den Kopf, sollte man seine Verletztheit ruhig zeigen: ?Entschuldigung, da muss ich jetzt erst mal schlucken.? Das ist einfach menschlich

Christine Öttl vom Münchener Trainingsunternehmen objektiv macht Coachings zu Karriere und Kommunikation.
Dieser Artikel ist erschienen am 29.06.2007