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"Ein Sozialversicherungssystem in Indien? - Gibt es nicht." So knapp fasst Jörg Podehl, Fachanwalt für Arbeitsrecht und Indienspezialist, die Situation zusammen. Zwar existiere ein "schier unübersichtlicher Wust" von Regelungen.
"Ein Sozialversicherungssystem in Indien? - Gibt es nicht." So knapp fasst Jörg Podehl, Fachanwalt für Arbeitsrecht und Indienspezialist, die Situation zusammen. Zwar existiere ein "schier unübersichtlicher Wust" von Regelungen. Diese seien, so der Experte, aber nicht nur von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich, sie würden auch noch nicht mal greifen. Wirklich abgesichert ist in Indien daher bis heute nur, wer Familie hat, die ihn unterstützt.

Ausländer, die ernsthaft erwägen, langfristig in Indien zu bleiben, und damit dem dortigen System unterliegen, müssen daher selbst vorsorgen. Einzige Ausnahme: Große internationale Firmen haben zumeist betriebliche Regelungen, die deutschen Standards entsprechen. Da Indien und Deutschland kein Sozialversicherungsabkommen getroffen haben, ist eine Übertragung und Inanspruchnahme von deutschen Leistungen in Indien nicht so ohne weiteres möglich.

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Die Versicherungen im Einzelnen:

Krankenversicherung

Es gibt zwar eine gesetzliche Krankenversicherung, jedoch keine Pflicht, sich dort zu versichern - und das ist auch nicht ratsam, da die Leistungen schlecht sind. Fast alle deutschen Privatkassen bieten jedoch Auslandskrankenversicherungen an. Diese kosten je nach Alter und Geschlecht ab 55 Euro monatlich, können jedoch nur für maximal zehn Jahre abgeschlossen werden.

Wer sicher ist, länger zu bleiben, muss auf inländische Gesellschaften wie die ICICI Lombard Insurance Direct (www.icicilombard.com) oder die Bajaj Allianz General Insurance (www.bajajallianz.com) ausweichen - oder gleich eine internationale Versicherung wählen. Letztere ist zwar deutlich teurer, bietet aber auch einen besseren Standard. Als seriöser Versicherer gilt hier die in Irland ansässige Allianz Worldwide Care (www.allianzworldwidecare.com).

Wer nur kurzzeitig nach Indien geht und in Deutschland pflichtversichert in der Gesetzlichen Krankenversicherung ist, bleibt dies auch weiterhin und genießt somit theoretisch auch in Indien - zumindest eingeschränkten - Versicherungsschutz. Dieser ist jedoch so unzulänglich, dass Experten unbedingt zu einer Zusatzversicherung raten.

Unfallversicherung

Für Arbeitsunfälle gibt es eine staatliche Versicherung, in die der Arbeitgeber 4,7 Prozent des Bruttoeinkommens einzahlt, der Arbeitnehmer 1,7 Prozent.

Rentenversicherung

Indien hat kein staatliches Rentensystem im deutschen Sinne, auch wenn theoretisch zumindest alle Betriebe mit mehr als 20 Mitarbeitern in ein solches einzahlen müssten. Die Praxis sieht anders aus

Seriöse Firmen unterstützen die Vorsorge ihrer Mitarbeiter jedoch, in dem sie gemeinsam mit dem Arbeitnehmer in den sogenannten "Provident Fund" einzahlen, der derzeit mit 8,5, Prozent verzinst wird. Beide führen dann zwölf Prozent des Bruttolohnes ab. Geht ein Arbeitnehmer in Rente, bekommt er das Geld auf einen Schlag ausgezahlt und kann es dann gewinnbringend anlegen oder in Eigentum investieren. Der Anspruch ist vererbbar und kann auch nach Deutschland mitgenommen werden.

Arbeitslosenversicherung

Die einzige Absicherung bei Arbeitslosigkeit ist eine Abfindung, die der Arbeitgeber zahlen muss und die etwa deutschen Verhältnissen entspricht. Das heißt, pro Jahr in der Firma bekommt der Entlassene einen bestimmten Betrag ausgezahlt. Was er damit macht, bleibt ihm überlassen. Diese gesetzliche Regelung gilt allerdings nur für Arbeiter und niedere Angestellte, im Management müssen individuelle Vereinbarungen getroffen werden.

Schlaumacher
  • Auf Indien spezialisiert hat sich der in Düsseldorf ansässige Fachanwalt Dr. Jörg Podehl, Tel. 02 11.66 96 95 40, podehl@peters-legal.com.
    Ab Herbst: Praktikerhandbuch - Rechtsfragen des Indiengeschäftes. Podehl, Mathur, Agarwal. Verlag Recht und Wirtschaft,69 Euro.
  • Einen Überblick über die Sozialsysteme in verschiedenen Ländern gibt das German Healthcare Portal (www.germanhealthcare.org)
  • Länderbroschüren können darüber hinaus beim Bundesverwaltungsamt (www.bva.bund.de) angefordert werden
  • Informationen erteilt auch die deutsch-indische Handelskammer, Indo-German Chamber of Commerce (IGCC) (www.indo-german.com)
  • Raphaels-Werke: Beratungsstellen und Online-Beratungsdienste zum Thema Auswanderung sowie Länderinformationsschriften zum Bestellen www.raphaels-werk.de
  • Deutsche Rentenversicherung: Infos und Beratung zur gesetzlichen Rente, Riester- und Rürup-Verträgen
    www.deutsche-rentenversicherung.de, 08 00.10 00 48 00
  • Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung - Ausland (DVKA):
    EU- und bilaterale Sozialversicherungsabkommen zum Download sowie Merkblätter zu einzelnen Ländern www.dvka.de
  • Neues Land, neues Glück
    Birgit Adam, Redline Verlag, aktualisierte Auflage seit April, 8,90 Euro
  • Zentrale Arbeitsvermittlung (ZAV), Bonn: Konkrete Auslandsstellenangebote. Die Offerten findet man über folgenden Pfad: www.arbeitsagentur.de, Stellen-, Bewerberbörse: Arbeits- und Ausbildungssuchend, Stellenangebote suchen, Suchkriterien hinzufügen, Land ändern, Zielland anklicken
Dieser Artikel ist erschienen am 24.05.2007