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Sicherer Job und Zeit fürs Private

Nur jeder fünfte angehende Wirtschaftswissenschaftler hat bereits eine Stelle nach dem Studium in Aussicht Ein sicherer Arbeitsplatz und genügend Zeit fürs Privatleben sind Hochschulabsolventen bei der Wahl ihres Wunscharbeitgebers heute wichtiger als noch vor wenigen Jahren. Einen Job direkt nach dem Studium haben aber zurzeit nur die wenigsten angehenden Absolventen bereits in Aussicht. Das berichtet das Job- und Wirtschaftsmagazin Junge Karriere unter Berufung auf eine aktuelle Studie des Personaldienstleisters Access, die dem Magazin exklusiv vorliegt. Für die Absolventenstudie wurden mehr als 5.000 examensnahe Studenten aus acht Fachbereichen befragt. Als High Potentials wurden die besten zehn Prozent des jeweiligen Semesters herausgefiltert.

?Selten zuvor hat ein einzelnes Kriterium wie derzeit die Arbeitsplatzsicherheit den Markt der Wunscharbeitgeber so dominiert?, stellt Axel Keulertz, Access-Studienleiter, gegenüber Junge Karriere fest. ?Wer aufgrund von Größe oder wirtschaftlichen Erfolgsmeldungen als sicher gilt, hat bei der heutigen Absolventengeneration einen Stein im Brett.? Strebten vor zehn Jahren gerade mal 22 Prozent der High Potentials unter den Wirtschaftswissenschaftlern in einen Konzern, ist es heute fast die Hälfte (48 Prozent).

Die besten Jobs von allen


Selbstständigkeit dagegen hat seine Attraktivität eingebüßt: Während sich 1994 noch 35 Prozent eine freie Existenz vorstellen konnten, sind es heute nur noch 16 Prozent. Eine Folge des Wertewandels, denn Sicherheit und Zeit fürs Private sind für viele Selbstständige mit ihrem Job nicht vereinbar. Gleichzeitig steigt der Wert von Work-Life-Balance: Selbst den Top- Absolventen ist Feierabend wichtiger als andere Kriterien, so ein weiteres Ergebnis der Access-Studie. Zeit fürs Privatleben, ein gutes Betriebsklima sowie flexible Arbeitszeiten stehen auf der Prioritätenliste der Wirtschaftsabsolventen weit oben. Daneben legen die Berufseinsteiger von morgen auf ein angemessenes Einkommen, Aufstiegschancen, Aufgabenvielfalt und einen großen Entfaltungsspielraum Wert ? und sie wollen sich mit dem Produkt des künftigen Wunscharbeitgebers identifizieren können.

Der Trend zu Work-Life-Balance zeigt sich auch bei den Arbeitszeiten, die die Berufseinsteiger erwarten: So rechnen Elektroingenieure mit einer 39,9-Stunden-Woche (gegenüber 42,7 vor zwei Jahren), die Top-Absolventen gehen von 40,7 Stunden (44,1 vor zwei Jahren) aus. Wirtschaftswissenschaftler erwarten 46,1 Wochenstunden, gut anderthalb Stunden weniger als 2002 (47,8). Die High Potentials unter ihnen stellen sich auf 48,6 wöchentliche Stunden Schreibtischpräsenz ein, vor zwei Jahren rechneten sie noch mit 49,3.

Die Chance, direkt nach dem Studium einen Job zu finden, schätzen Absolventen allerdings heute erheblich schlechter ein als noch 2002 ? zu Recht: Nur 22 Prozent der angehenden Wirtschaftswissenschaftler, so ein weiteres Ergebnis der Access-Studie, hatten zum Zeitpunkt der Befragung eine Stelle im Aussicht ? so wenig wie nie seit 1988. Ingenieure dagegen haben schon schlechtere Zeiten gesehen: 23 Prozent der Maschinenbauer und Elektrotechniker haben eine Stelle nach dem Studium in Aussicht, verglichen mit 15 und zwölf Prozent vor zehn Jahren ein eher guter Wert, aber schlechter als 2002. Bei den Wirtschaftsingenieuren sind es wiederum nur 19 Prozent, gegenüber 27 Prozent vor vier Jahren.

Weitere exklusive Ergebnisse der Access-Absolventen-Studie 2004 stehen in der November-Ausgabe von Junge Karriere, die am 22. Oktober 2004 erscheint.
Dieser Artikel ist erschienen am 19.10.2004