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Sicher ist sicher

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Öffentliche Anleihen sind nicht gerade der Renditebringer. Als sichere Beimischung aber runden die festverzinslichen Wertpapiere das Vorsorgepaket sinnvoll ab. Sie reduzieren das Gesamtrisiko des Spartopfes - und nach Rendite ist Sicherheit das zweithöchste Gut bei der Altersvorsorge
Nein, sie sind nicht der Ferrari unter den Vorsorgeprodukten. Eher so etwas wie der Käfer - sie laufen und laufen und laufen und kommen so auch irgendwann ans Ziel. Reich wird man mit festverzinslichen Wertpapieren kaum, doch ihre Stärke ist die Kalkulierbarkeit: Beim Kauf steht in der Regel fest, worauf man sich einlässt. Mit einer Anleihe erwirbt ein Anleger ein Gläubigerrecht gegenüber dem Herausgeber des betreffenden Papiers. Das können Staaten, Bundesländer, Banken oder auch Unternehmen sein. Der Emittent stillt damit seinen mittel- bis langfristigen Kreditbedarf für Investitionen.

Die Verzinsung ist bei festverzinslichen Wertpapieren vorher festgelegt, die Laufzeit ebenso. So laufen etwa Bundesobligationen fünf Jahre, Bundesanleihen zehn bis 30. Jährlich erhält der Anleger seine Zinsen. Und wenn die Bonität des Landes oder des Unternehmens stimmt, dann ist es am Ende der Laufzeit so solvent, dass der Sparer seinen Einsatz zurückbekommt.

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Solide Emittenten wählen
Das ist jedoch nicht immer der Fall. Man erinnere sich an die Turbulenzen der Argentinien-Anleihen vor einigen Jahren, die manche Privatanleger einen Großteil ihres Vermögens gekostet haben. Da entpuppten sich die versprochenen bis zu 30 Prozent als schlechter Witz. Um das Altersvorsorgevermögen nicht durch windige Emittenten zu gefährden, sollten sich Anleger deshalb auf Anleihen mit einem Bonitätsrating von mindestens "AA" (Rating-Agenturen Standard & Poors, Fitch) oder "Aa2" (Moodys) konzentrieren. Ein hohes Rating signalisiert, dass ein Ausfall des Schuldners als wenig wahrscheinlich gilt. In diese Kategorie fallen beispielsweise die Bundesrepublik, die Bundesländer, diverse westliche Industrieländer sowie Institutionen wie die Europäische Investitionsbank. Wer sich beispielsweise auf Bundesanleihen und -obligationen oder auf Pfandbriefe konzentriert, die von Banken herausgegeben und mit Hypotheken abgesichert werden, erfährt in der Regel keine bösen Überraschungen

Kleines Risiko, kleiner Ertrag
Noch recht neu auf dem Markt ist eine inflationsindexierte Anleihe der Bundesrepublik. Die aktuelle Auflage läuft zehn Jahre und hat mit 1,5 Prozent eine recht niedrige Zins-Grundausstattung, die aber jährlich um die Inflationsrate aufgestockt wird.
Der Haken bei all diesen Anlagen: Je sicherer das Papier, desto niedriger die Verzinsung. Schließlich sind Zinsen nichts anderes als die Entschädigung für eingegangenes Risiko. Zehnjährige Bundesanleihen gibt es zurzeit in der Spitze mit 4,25-prozentigem Zinskupon, Pfandbriefe rangieren bei knapp vier Prozent (Infos unter www.onvista.de).

Ab Werk oder ab Börse
Kosten sparen können Käufer von Bundeswertpapieren, indem sie sie direkt über die Finanzagentur der Bundesrepublik kaufen und dort auch gratis im Depot verwahren lassen. Diese Option besteht für eine ganze Reihe von Produkten (siehe www.deutsche-finanzagentur.de). Auch unsere österreichischen Nachbarn bieten diesen Service unter www.bundes-schatz.at für ihre Anleihen an.
Wer Anleihen beim Emittenten, quasi frisch ab Werk, kauft und bis zum Ende der Laufzeit hält, kann mit der oben genannten Nominalverzinsung kalkulieren. Für Käufe über die Börse ergibt sich die Rendite als Produkt aus der Nominalverzinsung und dem Kurs, zu dem man das Papier erhält. Wer etwa für ein nominal mager verzinstes Papier deutlich unter 100 Prozent zahlen muss, erhöht seine Realverzinsung und macht obendrein noch ein weiteres Schnäppchen: Der Teil der Rendite, der von den Kursgewinnen herrührt, ist steuerfrei.

Das kommt insbesondere den Leuten zugute, die ihren Sparerfreibetrag schon voll ausschöpfen und auf alle weiteren Zinsen Steuern zahlen müssen. Besonders ab kommendem Jahr, wenn dieser Freibetrag halbiert wird, eine recht clevere Strategie. Mit Kauf- und Verkaufskursen lässt sich immer ein bisschen spielen. Doch auch wenn ein Anleger vorhat, das Papier bis zum Ende zu behalten, um vom Emittenten 100 Prozent zurückgezahlt zu bekommen, hat er die ruhige Gewissheit, dass er das Papier, wenn bei ihm mal dringender Finanzbedarf herrscht, jederzeit an der Börse versilbern kann

Weil das in ungünstigen Börsenzeiten auch zu Einbußen führen kann, tut ein Sparer gut daran, seine Anleihen in ihren Fälligkeiten zeitlich zu staffeln und nicht alles in ein 30-Jahre-Papier zu stecken. So müssen Notverkäufe gar nicht erst sein. Da Anleihen den Altersvorsorgetopf ohnehin nur langsam füllen, sollte man sich weitere Renditekiller ersparen.
So mager wie zurzeit waren die Zinserträge nicht immer: Anfang der 90er warfen zehnjährige Bundesanleihen mehr als neun Prozent Rendite ab. Doch mit dem Zinssegen ist es erst mal vorbei. Viel mehr als 4,5 Prozent stellen Branchenexperten zumindest für die nähere Zukunft nicht in Aussicht

Aus diesem Grund sollten Anleihen auch keine Hauptrolle bei der Altersvorsorge spielen. Von ihren Erträgen allein kann keiner im Alter gut leben. Aber als Beimischung zum Beispiel in einem aktienbasierten Fondsdepot erweisen sich die Festverzinslichen als ausgesprochen sinnvoll. In dieser Mischung reduzieren sie das Gesamtrisiko des Spartopfes - und nach Rendite ist Sicherheit das zweithöchste Gut bei der Altersvorsorge.

Ulrike Heitze
Dieser Artikel ist erschienen am 29.11.2006