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Ganz alltägliche Dinge können für Expats zu Problemen werden. Deshalb sollte der Entsendungsvertrag eindeutig und konkret formuliert sein: Im Ausland dient er dem Expat oft als Nachschlagewerk.
Ganz alltägliche Dinge können für Expats zu Problemen werden. Deshalb sollte der Entsendungsvertrag eindeutig und konkret formuliert sein: Im Ausland dient er dem Expat oft als Nachschlagewerk. Der auf Auslandsentsendungen spezialisierte Rechtsanwalt Achim Heuser rät, bei Entsendungen deutsches Arbeitsrecht anzuwenden: ?Da gibt es keine unliebsamen Überraschungen.“

Der Vertrag sollte klarstellen, wem der Expatriate zu Hause unterstellt ist, wessen Weisungen er zu befolgen hat und wem er berichtet. Im Vertrag sollten die Namen eines Mentors und eines Personalers stehen, die sich um die Anliegen des Expats kümmern. Es gibt vier Vertragsmöglichkeiten:

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Der Ruhensvertrag setzt das inländische Arbeitsverhältnis für den Zeitraum des Aufenthalts aus, nach Beendigung des Aufenthalts gelten die alten Regeln.

Der Ergänzungsvertrag ergänzt das inländische Beschäftigungsverhältnis um spezielle Anforderungen des Auslandseinsatzes und endet mit dem Aufenthalt.

Der Entsendungsvertrag ersetzt das inländische Beschäftigungsverhältnis, das gekündigt wird. Ein einziger Vertrag regelt das in- als auch das ausländische Beschäftigungsverhältnis. Diese Vertragsform hat den bitteren Beigeschmack einer Kündigung.

Die Aufhebungsvereinbarung hat ebenfalls den Vorteil, dass es nur einen Vertragstext gibt – ohne Kündigungserklärung.

Der Übertritt kennzeichnet sich dadurch aus, dass die Bedingungen des Beschäftigungsverhältnisses allein vom ausländischen Arbeitgeber definiert werden.

Sozialversicherung: Viele Regeln, die in einem deutschen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis selbstverständlich sind, gelten bei der Entsendung nicht mehr. Geklärt werden sollte, ob der Entsandte Beiträge in Deutschland, im Ausland oder in beiden Ländern zahlen muss.

Steuern: ?Deutsche Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern immer häufiger an, sie vor der Entsendung bei der Klärung von Steuerfragen zu unterstützen“, weiß Hans Jürgen Heise von Pricewaterhouse Coopers. ?Wenn nicht, sollte man das zum Bestandteil des Vertrags machen.“

Zuerst müsse man klären, wo man künftig Steuern zahlen muss. In vielen Ländern gelten andere Regelungen – die Erbschaftssteuer könne im Ausland höher ausfallen, Verluste durch Vermietung würden im Ausland nicht unbedingt auf die Steuerlast angerechnet. ?Bei jungen Mitarbeitern fällt das nicht so sehr ins Gewicht,“ meint Heise. Bei Mitarbeitern unterhalb der Vorstandsebene könnten solche Gründe dazu führen, dass ein geplanter Auslandsaufenthalt abgesagt wird. Immer mehr Unternehmen gleichen im Ausland entstehende Steuernachteile – zum Teil auch Vorteile – aus, weiß Heise .

Weitere wichtige Punkte im Vertrag sollten neben der Vergütung die Vorbereitung durch Trainings und Info-Reisen für die gesamte Familie, der Umzug, die Lebensbedingungen im Ausland (Wohnung, Auto, Schulgeld für Kinder, Heimflüge, Mitgliedschaft in lokalen Clubs, Weiterbildung, Sprachkurse im Land) sein. Auch auf die Vorbereitung für die Rückkehr (Reintegrationsseminare) sollte man sich vor der Entsendung einigen.

Die Wiedereingliederungsklausel dient dem Entsandten als Sicherheit. Viele Unternehmen weichen die Rückkehrklausel jedoch auf und geben keine Positionsgarantie, sondern lediglich das Versprechen, man werde sich um eine vergleichbare Position für den Rückkehrer bemühen. Rechtsanwalt Heuser rät, die Rückkehrklausel möglichst konkret zu formulieren. Dabei gibt es drei Möglichkeiten: die Rückkehr zu den Bedingungen der bisherigen Position, die Wiedereingliederung unter Berücksichtigung der Erfahrungen des Auslandseinsatzes und die konkrete Positionszusage.

Astrid Oldekop

Internet: www.achimheuser.de
Dieser Artikel ist erschienen am 16.06.2001