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Serientäter in Knallorange

Von Andreas Hoffbauer, Handelsblatt
Stelios Haji-Ioannou, der schon als Mittzwanziger Millionen verdiente, ist mit dem Billigflieger Easyjet reich geworden. Seine neuen Ideen aber verbrennen viel Geld.
LONDON. Seine größten Hauptgewinne bisher? ?Ich wurde in eine reiche Familie geboren und Geschäftsmann, als die Deregulierung in Europa begann.? So einfach kann das Leben sein. Das Glückskind mit den zypriotischen Wurzeln verdiente so schon als Mittzwanziger Millionen. Erst mit einer Reederei, dann mit dem Billigflieger Easyjet. Und der machte Stelios, wie er sich gern nennen lässt, in ganz Europa bekannt.Inzwischen sind Reederei und Airline an die Börse gebracht, bei beiden Firmen ist der gebürtige Grieche nur noch Großaktionär. Mit den Gewinnen hat sich der Millionär den Traum vom eigenen Firmenimperium verwirklicht. Etliche Geschäftsideen hat er unter der EasyGroup in den vergangenen Jahren aufgezogen: die Kette EasyInternetcafé, die Autovermietung EasyCar, den Onlineverkäufer EasyValue, das Kreditkartengeschäft EasyMoney und das Billig-Kino EasyCinema. Alles orange, alles easy.

Die besten Jobs von allen

Jetzt soll die auf der Steueroase Jersey gemeldete Holding expandieren wie nie zuvor. Im Aufbau sind eine Billighotel-Kette (EasyHotel), ein Pizzaservice (EasyPizza), eine Männer- Parfümserie (Easy4Men), ein Kreuzschiff (EasyCruise) sowie das Busunternehmen EasyBus und der Mobilfunker EasyMobile.Er sei ein ?Serientäter?, lacht der Manager über sich selbst und zerrt seine Hose wieder auf Gürtellinie. Das Prinzip ist immer gleich, funktioniert wie bei Easyjet: Verkauft wird nur über das Internet, Schnickschnack wird nicht geboten. Ob Pizza, Bus oder Hotel ? wer früh bucht, der speist, fährt oder schläft billiger. Alle Firmen werben mit Knallorange. Glück leuchtet.Die Farbe hat zwar immer wieder zu Streit geführt, etwa mit der deutschen Autovermietung Sixt. Doch genau darauf hofft der PR-Fuchs ja nur. ?Wir sind die Firma, die für die kleinen Leute kämpft?, wettert er und schwingt die Faust wie ein Guerillakämpfer. Ein Grieche als Robin Hood der Konsumenten. Und so scheut er keine Klage, hat etliche bereits gewonnen. Etwa gegen die mächtigen Filmverleiher aus Hollywood. Inzwischen zeigt seine Kinokette EasyCinema für 50 Cent Eintritt nicht nur alte Streifen.Entertainer, Großmaul, Branchenclown ? eigentlich wolle er nur von allen geliebt werden, meint etwa der ?Daily Telegraph?. Das klappt nicht immer. Barbara Cassanai etwa, die den Rivalen Go Airline aufgebaut und geführt hatte, soll sich mit ihm angelegt haben. Sie wurde von ihm nach der Übernahme von Go durch Easyjet nicht gerade charmant abserviert, heißt es.Wie auch immer: Es ist auch sein Verdienst, dass Verbraucher in Europa heute günstiger Autos mieten und Flüge buchen. Die Marke Easy stehe für ?Billigpreise, Spaß und Innovation?, sagt der 37-jährige Monopolknacker. Seine Brust spannt sich dabei unübersehbar vor Stolz.Lesen Sie weiter auf Seite 2:Allerdings eint alle Firmen seiner Gruppe auch ein Makel ? keine macht bislang Profit. Seitdem die Reederei und Easyjet nicht mehr ihm gehören, agiert der Manager bei den Internetcafés und mit der Autovermietung zunehmend glücklos. Rund 120 Millionen Pfund sollen sich als Verlust aufgehäuft haben. Wie viel Geld der Gründer und seine Familie bislang verbrannt haben, bleibt aber sein Geheimnis: ?Darüber gebe ich grundsätzlich keine Auskunft.? Plötzlich wird der sonst so redegewandte Kumpeltyp ganz einsilbig.Schon versilbert der Gründer seine Aktien schrittweise, um die neuen Träume in Orange zu finanzieren. Sein Easyjet-Anteil ist so dieses Jahr von 24 auf 18 Prozent geschrumpft. Auch für den Reedereibesitz steht der Verkauf an. Wert: knapp eine Milliarde Euro. Er sei ?Entrepreneur auf Lebenszeit?, müsse sich vom Alten trennen, um Neues aufzubauen, erklärt er.Damit hat er bereits früh begonnen. Nach der Schule in Athen und dem Studium in London übernimmt er bereits mit 23 Jahren das Ruder in der Troodos-Reederei des Vaters. Doch sein Versuch, die Firma zu modernisieren, führt nur zum Krach mit Papa. Bald verlässt er Troodos und startet Stelmar.Mit seiner eigenen Reederei nabelt er sich vom übermächtigen Familienpatron ab. Allerdings gibt der noch das Kapital von gut 30 Millionen Dollar zum Start von Stelmar. So entsteht das Gerücht, Stelmar werde eigentlich von Vater Loucas kontrolliert. Das wurmt den Junior. 1994 gibt er den Chefposten auf und stürzt sich ins Easy-Leben.Seitdem lebt er unverheiratet in Monaco und genießt Jetset und Luxusjacht. Seinen Wohlstand stellt er allerdings nicht öffentlich zur Schau. Er fährt eher im bunten Easy-Bus vor. Und wer die Zentrale seiner Firmengruppe in London besucht, muss über Hinterhöfe ein Großraumbüro im Hochparterre ersteigen. Hier sitzt er unter jungen Leuten und steuert sein Imperium.Allerdings meinen Kritiker, dass es an einer erkennbaren Strategie fehle. Doch der Aufsteiger macht weiter so. Nach den Flops mit Internetcafés, Autos und Billigkinos setze er nun auf die Telekomkarte, spottet der ?Independent? Anfang August. ?Schon mehrfach in meinem Leben war ich zur richtigen Zeit am richtigen Platz?, hält der Chef dagegen.Auch für seinen Handyservice, der im Herbst starten soll, sei nun die Zeit reif. Er will die zunehmenden Überkapazitäten in den Netzen billig per Internet verkaufen: ?Da ist noch viel Spielraum auf dem Telekommarkt.? Um den erhofften Gewinn zu machen, braucht er viele Kunden. Oder wieder eine große Portion Glück.
Dieser Artikel ist erschienen am 30.08.2004