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Selbstmarketing für Frauen

Julia Trösser, Britta Domke. Foto: Pixelio.de
Es ist eigentlich eine Binsenweisheit, aber man kann es nicht oft genug sagen: Gute Arbeit allein reicht nicht, um eine wirkliche ?Marke? im Job zu werden. Die richtigen Leute müssen Ihre wahren Fähigkeiten kennen- und schätzen lernen.
Aufmerksam machen

Es ist eigentlich eine Binsenweisheit, aber man kann es nicht oft genug sagen: Gute Arbeit allein reicht nicht, um eine wirkliche ?Marke? im Job zu werden. Die richtigen Leute müssen Ihre wahren Fähigkeiten kennen- und schätzen lernen. Das kommt aber nicht von allein. Schalten Sie also um nach dem Motto: Tue Gutes und rede darüber! Das heißt konkret: weniger verschwiegene Kärrnerarbeit, dafür mehr vernehmbare Werbung in eigener Sache betreiben. Wenn Sie in Ihrem Unternehmen erst einmal als ?Vermittlerin?, ?Troubleshooter? oder ?kreativer Kopf? bekannt sind, wird man Sie in wichtigen Situationen zurate ziehen.

Die besten Jobs von allen


Niemand weiß das besser als Managementcoach Sabine Asgodom. Vor knapp 30 Jahren hatte sie als Redakteurin für eine Münchener Tageszeitung aus dem Rathaus berichtet. Als ihr Chef sie endlich offiziell zur Rathausreporterin ernennen wollte, rutschte ihr ein fataler Satz heraus: ?Ich glaube, das kann ich nicht.? Statt ihre Bedenken beiseitezuwischen, sagte der Chef nur ?Schade?, stellte einen Mann als Rathausreporter ein und machte sie zu dessen Stellvertreterin. Frust auf der ganzen Linie: Sie durfte weiterhin die Arbeit machen, der Mann bekam den Titel, das Geld und die Ehre.

Die Wut über ihre ?kreuzdämliche Bescheidenheit? damals legte den Grundstein für Asgodoms Karriere als Managementcoach und Fachfrau für Selbst-PR. ?Jahrelang habe ich geglaubt, ich hätte keine Chance gekriegt, weil ich eine Frau bin. Bis ich begriff, dass ich mir selbst geschadet habe?, sagt Asgodom heute. Die Erkenntnis: Schlechtes Selbstmarketing ist der sicherste Weg, niemals befördert zu werden.

Geschickt einfädeln

Sich selbst gut zu verkaufen, seine Vorzüge ins rechte Licht zu rücken, das ist vor allem denen unangenehm, die immer betonen: ?Ich will durch meine Leistung auffallen.? Kein kluger Schachzug. Denn Leistung fällt nur dann auf, wenn sie öffentlich gemacht wird. Erwähnen Sie Ihre persönlichen Erfolge scheinbar nebenbei im Gespräch, beispielsweise: ?Ähnliche Erfahrungen habe ich bereits bei meiner Arbeit für Professor Schmidt gemacht? oder ?Auf diese Weise haben wir das Problem damals bei Firma XY ganz gut in den Griff bekommen.? So erreichen Sie Ihr vollkommen legitimes Ziel, ohne allzu aufdringlich zu wirken. Vergessen Sie ruhig Ihren Perfektionswahn und den hohen Anspruch an sich selbst: Wenn Sie sich in einem Thema leidlich auskennen, sind Sie Expertin und können sich auch so bezeichnen.

Wenn Ihnen Fehler in der Firma auffallen, sollten Sie sich nicht still über den Sand im Getriebe ärgern. Reichen Sie doch einfach Verbesserungsvorschläge ein. Dabei sollte es Ihnen nie peinlich sein, Ihre Leistung auf den Tisch zu legen. Mit Hochstapelei oder Sich-Verbiegen hat das Ganze nichts zu tun. Im Gegenteil: Je subtiler die eigene Inszenierung, desto erfolgreicher ist sie. ?Selbstmarketing ist wie flirten?, erklärt Karriereberater Gerhard Winkler. ?Damit es wirkt, muss man so tun, als täte man es gar nicht.? Das soll heißen: Wer ein netter Mensch ist, darf es bleiben. Aber nicht erwarten, von allen geliebt zu werden. Wichtiger ist, sich bei Kollegen und Vorgsetzten den nötigen Respekt zu verschaffen. Selbstdarsteller werden

Eine gute Rhetorik, eine feste Stimme und sicheres Auftreten sind wichtige Faktoren Ihres Selbstmarketing-Programms. Signalisieren Sie Ihrem männlichen Gegenüber immer, dass Sie auf Augenhöhe mit ihm sind, auch wenn Sie hierarchisch und körperlich eine Nummer kleiner sind. Machen Sie sich jederzeit klar, dass Ihre Arbeit in Ihrem Unternehmen unentbehrlich ist ? das verhilft zu einem selbstbewussten Auftritt.

Keine Scheu vor hohen Tieren

Machen Sie keinen Bogen, wenn Sie Ihren Vorgesetzten begegnen, sondern nutzen Sie diese Situation als Möglichkeit zum Gespräch. Wenn Sie am Büro Ihres Chefs vorbeikommen, schauen Sie mal rein. ?Für Männer ist das normal. Sie entwickeln ein kumpelhaftes Verhältnis und fallen dadurch auf?, sagt Erfolgscoach Sabine Asgodom. ?Wenn Sie Ihren Chef als Menschen mögen, laden Sie ihn doch einfach zu sich nach Hause zum Grillen ein. Vielen Frauen erscheint dieser Gedanke zwar völlig absurd, aber so eine unkomplizierte Einladung kann für Ihr Selbstmarketing nur von Vorteil sein.

Mund aufmachen

Machen Sie sich vor allem auch bei größeren Konferenzen bemerkbar. Überlegen Sie sich vorher genau, zu welchem Punkt der Tagesordnung Sie etwas Sinnvolles sagen wollen. Auch bei interessanten, innovativen Projekten sollten Sie verstärkt aktiv werden ? selbst wenn dafür Qualifikationen gebraucht werden sollten, die nach Ihrer eigenen Einschätzung nicht unbedingt zu Ihren Stärken gehören. Vieles können Sie sich im Lauf eines Projekts aneignen. Übernehmen Sie dabei aber auf gar keinen Fall die langweiligen Aufträge, für die sich keiner meldet. Sonst werden Sie schnell zur Notlösung für alle Fälle und geraten wieder ins Karriere-Abseits.

Networking betreiben

Pflegen Sie unbedingt auch außerhalb des Unternehmens berufliche Kontakte, um sich einen Namen in der Branche zu machen. ?Es ist wichtig, dass Sie sich zeigen und präsentieren, zum Beispiel auf Podiumsdiskussionen?, sagt Coach und Trainerin Maike Schmitt. Wenn Besucher hier etwas Besonderes wie Ausstrahlung, fachliche Kompetenz oder Lebendigkeit an Ihnen wahrnehmen, werden Sie beim nächsten Mal schon wiedererkannt ? ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur ?Marke?. Nutzen Sie jede Gelegenheit, Vorträge zu halten oder Interviews zu geben. Wer schreibt, der bleibt

Also fangen Sie an zu publizieren ? in der Hauszeitschrift, im Intranet oder zu Ihrem Spezialgebiet in einem anerkannten Fachmagazin. Wer es moderner mag, kann auch im Internet bloggen oder einen Beitrag für ein Online-Forum schreiben. Wer hoch hinaus will, sollte ein Buch veröffentlichen. Bestätigung holen

Bitten Sie Ihren Chef oder Ihre Chefin doch gelegentlich, einen Blick auf Ihre Konzepte zu werfen. Lassen Sie ihn oder sie auch zum Beispiel per E-Mail wissen, welche Erfolge Sie erzielt haben. So stellen Sie sicher, dass Ihr Chef weiß, von wem die guten Ideen und Lösungen stammen.

Weiblich bleiben

?Frauen machen oft den Fehler, dass sie versuchen, die besseren Männer zu werden?, sagt Sabine Asgodom. ?Verkleiden Sie sich auf keinen Fall, sondern bleiben Sie als Frau erkennbar.? Vermeiden Sie deshalb auch optisch den Einheitsdress im schwarzen Hosenanzug. Selbstverständlich können Sie auch mal einen Rock oder ein Kleid tragen. Durch farbige Akzente bleiben Sie Ihren Vorgesetzten eher im Gedächtnis. Wichtig dabei: Nicht übertreiben und immer Stil und Seriosität wahren.

Mentor suchen

Suchen Sie sich in der Firma Unterstützung bei einem erfahrenen Kollegen. Der kennt sich aus und weiß, was zu tun ist, um in der Chefetage bekanntzuwerden. Sagen Sie einfach: ?Ich find?s klasse, was Sie machen, vielleicht könnte ich mir ab und zu ein paar Tipps von Ihnen holen.? Nehmen Sie in Kauf, hier einmal das Klischee der hilfsbedürftigen Frau zu bestärken ? wenn Sie erfolgreiches Selbstmarketing betreiben, werden Sie es bald widerlegen können.
Dieser Artikel ist erschienen am 12.11.2007