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Selbst ernannter Schutzpatron

Von Thomas Knüwer, Handelsblatt
Börsensaubermann oder Selbstdarsteller? Eines ist der Rechtsanwalt Klaus Rotter sicher: ein gewaltiges Problem für Borussia Dortmund.
Rechtsanwalt Klaus Rotter
DORTMUND. Ein Dutzend Mikrofone zielen wie Speere auf den Sprecher, umhüllt sind sie mit Schaumstoff in den üblichen Farben der großen Sender: ZDF-Orange, WDR-Blau, Pro-7-Rot. Hinter ihnen sechs Kameras, sauber auf einer Linie, gerichtet auf das schwarze Pult und auf den Mann dahinter.Die Szene im Konferenzraum eines Dortmunder Innenstadthotels hat etwas von einem Schlachtengemälde. Aus dem 19. Jahrhundert vielleicht, als Armeen ins Feld zogen mit Schützenreihen, bei denen die vordere nach getanem Schuss in die Knie ging, um nachzuladen, während die hintere ihre Kugeln abfeuerte.

Die besten Jobs von allen

Doch feuern, das tut am Montagmorgen nur der, auf den sich Kameras und Mikrofone richten. Sein Name: Klaus Rotter. Sein Ziel: Borussia Dortmund.Rotter ist einer der bekanntesten Anwälte in Sachen Kapitalanlegerschutz. Er gehört zu jener neuen Spezies, die sich öffentlich in Position bringt, um so Mandanten einzusammeln. Ende vergangener Woche reichte er bei der Staatsanwaltschaft Dortmund eine Anzeige ein gegen den ehemaligen BVB-Macher Gerd Niebaum und den weiter im Amt befindlichen Geschäftsführer Michael Meier. Es geht um Kursmanipulation und Kapitalanlagebetrug. Und weil jeder, der in diesen Tagen vorgibt, gegen das oft als ?Niemeier? verspottete Gespann in den Kampf zu ziehen, reichlich Öffentlichkeit findet, ist es voll geworden bei der von Rotter anberaumten Pressekonferenz.Wer jedoch den Auftritt eines Strahlemanns erwartet, irgendwo zwischen Victory-Ackermann und Errol-Flynn-Roter-Korsar, der irrt. Ein wenig blass steht Rotter hinter der Mikrofonmeute. Groß ist er nicht, schlank, der dunkle Anzug sitzt perfekt, Krawatte und Einstecktuch sind in jenem frischen Apfelgrün gewählt, das Mode werden soll in diesem Frühjahr. Seine Stimme ist leise, hoch, er müht sich, auch für Nicht-Juristen verständlich zu sein, gelegentlich verhaspelt er sich.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Er siegte für einen Mandanten gegen InfomatecDabei sind große Auftritte für ihn kein unbekanntes Terrain. Doch er gibt zu, was viele erfuhren, die sich mit der wirtschaftlichen Seite des BVB beschäftigen, ohne die Emotionen dahinter einzukalkulieren: ?Mit diesem öffentlichen Interesse hätte ich nicht gerechnet.?Schon einmal stand er vor vielen Kameras, musste viele Fragen beantworten. Im Juli vergangenen Jahres war das, als der Bundesgerichtshof einem seiner Mandanten Recht gab, ausgerechnet einem Metzger aus Dortmund. Es ging um eine Schadensersatzklage gegen die Vorstände des Neue-Markt-Unternehmens Infomatec. Die hatten von einem Großauftrag berichtet, den es gar nicht gab. Vier Jahre prozessierten Rotter und sein Klient um Schadensersatz. Am Ende gab es 46 500 Euro plus Zinsen. Viel weitreichender aber waren die Folgen: Kleinanleger haben seitdem Hoffnung auf Entschädigung.Und so wird die Liste der Manager länger, die mit der Kanzlei Rotter Rechtsanwälte zu tun bekommen. Florian und Thomas Haffa stehen drauf, die Ex-Chefs des ehemaligen Börsenstars EM-TV. 130 ehemalige Aktionäre vertritt Rotter und glaubt, bei den Brüdern sei einiges zu holen. Auch klagende Telekom-Aktionäre haben ihn engagiert, ebenso Anteilseigner von Lernout & Hauspie, Baan, Team Communications, Intershop oder Cargolifter.Angefangen hat alles mit dem Flugzeugbauer Fokker 1997. Klagende Besitzer einer Anleihe vertrat Rotter, damals noch als Anwalt der Kanzlei Dr. Lenz. ?Es hat mich begeistert, diesen Fall zu zerlegen?, sagt er. Dass er vor dem Jura-Studium auch ein BWL-Examen bestand, sei hilfreich.?Rotter gewinnt nicht alles, aber er gewinnt vieles?, sagt ein Branchenkollege, der ungenannt bleiben möchte. Andere nennen ihn ?Selbstdarsteller mit Robin-Hood-Allüren?. Jeder Gegner zeigt auf das Offensichtliche: Der Sohn eines Landmaschinenhändlers ist kein selbstloser Retter, sondern verdient sein Geld durch das Einsammeln von Anlegern. ?Dazu stehe ich?, sagt der Angegriffene. ?Ich habe damals überlegt, einen Anlegerschutzverein zu gründen. Aber ich finde es ehrlicher, den Interessenkonflikt offen aufzuzeigen: Ich möchte Anlegern zu ihrem Recht verhelfen, aber ich verdiene damit auch mein Geld.?Lesen Sie weiter auf Seite 3: Rotter interessiert sich nciht für FußballUnd er weiß, wie das Geschäft ? und das Spiel mit den Medien ? funktioniert. Laute Töne, auch wenn man selbst eher leise ist, gehören dazu. ?Wenn jemand so die Leute belügt wie Herr Niebaum und Herr Meier, dann ist das nichts anderes als das, was die Metabox-Vorstände gemacht haben?, rückt Rotter die Borussia in die Nähe eines der dunkelsten Kapitel des Neuen Marktes.Der BVB verschickte ein paar Stunden nach Rotters Pressekonferenz eine Reaktion der Anwälte von Michael Meier. Überschrift: ?Pressekonferenz der Strafanzeige-Kanzlei ? ein Flop!? Letzter Satz: ?Als Resümee verbleibt: viel Lärm um nichts anderes als um die Strafanzeige-Kanzlei Rotter.??So etwas gehört dazu?, kommentiert das Ziel der Angriffe solche Schreiben. ?Man entwickelt bei solchen Fällen auch eine gewisse Leidenschaft.? Und ganz still schiebt er hinterher: ?Aber es ist doch bemerkenswert, dass solch eine Mitteilung über den BVB verteilt wird. Die Anzeige richtet sich gegen die Personen, nicht gegen die KgaA oder den Verein.?Denn eines will er ganz klar stellen: Um den Fußball geht es ihm nicht, sondern um das Geld der Anleger. Von dem, was in der Bundesliga abläuft, versteht er denn auch viel zu wenig: ?Wenn Fußball im Fernsehen läuft, schalten meine Frau und ich ganz schnell weiter.?
Dieser Artikel ist erschienen am 02.03.2005