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Seine zweite Chance

Von Katharina Kort
Franco Bernabè erlebte als Vorstandschef von Telecom Italia die größte Niederlage seines Lebens. Nun versucht er es noch einmal und muss beim Telekommunikationskonzern neue Probleme meistern.
Der nue Chef soll wieder eine klare Richtung für den Konzern finden. Foto: ap
MAILAND. Mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht schneidet Franco Bernabè unter der sengenden ägyptischen Sonne das rote Band entzwei. Der Vorstandsvorsitzende des italienischen Erdölkonzerns eröffnet eine neue Anlage auf der Sinai-Halbinsel. Kaum ist die schweißtreibende Zeremonie beendet, zieht er sich wieder ins Abseits zurück ? möglichst weit weg von den Medienvertretern, die den Konzernchef in den Süden begleitet haben. Das war vor zehn Jahren.Aber bis heute hat sich an seinem Verhalten nichts geändert. ?Freundlich, aber jenseits des Rampenlichts? ? so beschreiben Wegbegleiter den Manager mit der Aura des braven Schwiegersohns, der demnächst den italienischen Telekommunikationskonzern Telecom Italia führen soll, einen der fünf größten Spieler in Europa. Nach mehr als sieben Monaten haben sich die neuen Aktionäre von Telecom Italia auf Franco Bernabè als neuen Vorstandsvorsitzenden geeinigt. Voraussichtlich wird sich der Verwaltungsrat am kommenden Montag treffen, um ihn offiziell zu ernennen.

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Der im südtirolischen Sterzing geborene Eisenbahnersohn übernimmt einen angeschlagenen Konzern in einem schwierigen Wettbewerbsumfeld. In den vergangenen Jahren hat der vorherige Hauptaktionär Pirelli vor allem Dividenden abgezogen, um die eigenen Schulden zu bedienen. Ende April hat Pirelli zwar den Verkauf seiner Kontrollbeteiligung an die spanische Telefónica und deren italienische Partner bekanntgegeben. So sitzen in dem Konsortium ?Telco? von Telefónica auch Italiens größter Versicherer Generali, die Banken Mediobanca und Intesa Sanpaolo sowie der Modekonzern Benetton. Doch seitdem navigiert der Telekomkonzern richtungslos umher.Als eine der ersten Amtshandlungen muss Bernabè wohl das Festnetz angehen. Denn die italienische Telekomaufsicht drängt auch auf Druck der Konkurrenten darauf, dass Telecom Italia sein Festnetz nach britischem Vorbild abspaltet und das Netz auch anderen Anbietern zugänglich macht. In Italien kontrolliert der Ex-Monopolist bisher mehr als zwei Drittel des Festnetzmarkts. Zudem muss Telecom Italia massiv in das Breitbandgeschäft investieren, um die Leistung zu erhöhen. Insgesamt hat Telecom Italia elf Millionen Breitbandkunden, 7,4 Millionen davon in Italien, die übrigen in Frankreich und Deutschland, wo die Italiener Hansenet übernommen haben, die unter der Marke ?Alice? firmiert. Und Bernabè muss das verunsicherte Personal motivieren. ?Wir müssen den Mitarbeitern des Konzerns ihren Stolz wiedergeben, für eine große Telekommunikationsgruppe zu arbeiten?, soll er seinen engen Vertrauten bereits gesagt haben.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Er versteht das GeschäftEins ist jedoch klar: Mit seinen 59 Jahren bringt Bernabè kein frisches Blut zu Telecom Italia. Wie aus Finanzkreisen verlautet, hatte sich Telefónica als neuen Chef einen ?Manager vom Schlage Marchionnes? gewünscht. Der unabhängige Italo-Kanadier Sergio Marchionne hat vor wenigen Jahren den Chefposten beim maroden Fiat-Konzern übernommen und das Unternehmen mit einer Radikalkur wieder in die Gewinnzone gebracht. Bernabè dagegen gilt bei italienischen Beobachtern eher als italienischer Garant, der dem spanischen Aktionär Telefónica die Stirn bieten kann.?Ein Marchionne ist Bernabè nicht?, heißt es in Kreisen der Großbank Unicredit. Der Präsident von Unicredit, Ex-HVB-Chef Dieter Rampl, hat sich im Nominierungskomitee des wichtigen Aktionärs Mediobanca der Stimme enthalten. Unicredit-Chef Alessandro Profumo hat sich wohl einen jüngeren Vertreter gewünscht und einen transparenteren Entscheidungsprozess.Beobachter halten Bernabè zugute, dass er etwas vom Geschäft versteht. Für ihn ist es eine Rückkehr zu seinem alten Arbeitgeber. Nach seinen Jahren beim Ölkonzern Eni hat er zwischen 1998 und 1999 schon einmal Telecom Italia geführt ? und die größte Niederlage seines Lebens eingesteckt. Damals versuchte er, ein Übernahmeangebot von Olivetti zu verhindern, indem er sich der Deutschen Telekom anbot. Seine Verhandlungen mit dem damaligen Telekom-Chef Ron Sommer führten jedoch ins Leere. Die italienische Regierung zog einen heimischen Investor dem deutschen vor und begründete das vor allem damit, dass der Staat an der Deutschen Telekom beteiligt sei.Lesen Sie weiter auf Seite 3: "Er hat gekämpft"?Man muss ihm zugute halten: Er hat gekämpft wie ein Löwe?, sagt Ruggero Magnoni über ihn, die Nummer eins von Lehman Brothers in Italien. Magnoni hat damals Roberto Colaninno von Olivetti beraten.Nach dem Telecom-Debakel hat Bernabè die unterschiedlichsten Positionen bekleidet. Unter anderem übernahm er 1999 den Posten des außerordentlichen Vertreters der damaligen Linksregierung für den Wiederaufbau des Kosovos. Seit 2000 sitzt er im Board des chinesischen Ölkonzerns Petrochina und gründete eine private Beteiligungsgesellschaft FB Group, die vor allem in Informationstechnologie und erneuerbare Energien investiert. ?Er bringt internationale Erfahrung mit?, lobt ein Manager von Telecom Italia seinen zukünftigen Chef.Beobachter betonen, dass er bei Eni alle in den Schmiergeldskandal verwickelten Manager herausgeschmissen habe. Zudem hat er das Unternehmen auf das Kerngeschäft Öl und Gas getrimmt. ?Er hat die Grundlagen für die heutige Eni gelegt?, sagt ein Wegbegleiter. Eni ist der größte italienische Börsenwert und sehr profitabel.Aber Bernabè kann nicht nur mit Zahlen umgehen. Zwischen 2001 und 2003 leitete der Kunstliebhaber die Biennale in Venedig. Und noch heute führt er das Museum für Moderne Kunst in Rovereto im Trentino.
Dieser Artikel ist erschienen am 28.11.2007