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Sebastian Peck

  • Auftakt und Erkundung
  • Milch und Honig - Was ist eine Milkround?
  • Am Golde hängt... MBA-Finanzierung
  • Willkommen im Club
  • Auftakt und Erkundung

    Willkommen im Jahr der Geisteswissenschaften! Ich hoffe, dass die Entscheidung des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft, 2007 die Vielfalt und gesellschaftliche Bedeutung der Geisteswissenschaften in den Mittelpunkt zu rücken, auch zu einem Sinneswandel bei hiesigen Arbeitgebern führt, unsere Qualitäten stärker zu würdigen. Wer diesen Wandel aus eigener Kraft und in eigener Sache beschleunigen möchte, sollte sich ernsthaft über einen MBA Gedanken machen

    Für mich stand frühzeitig fest, meine akademische Ausbildung durch einen MBA zu ergänzen. Meine beruflichen Erfahrungen bestärkten mich, dieser Entscheidung Folge zu leisten. Nach meinem Studium der Geschichte an der Universität Cambridge arbeitete ich zunächst zwei Jahre für eine strategische Unternehmensberatung in New York. Darauf folgte ein Postgraduiertenstudium der politischen Philosophie an der London School of Economics und eine Stelle als Assistent der Geschäftsführung bei einem deutschen Medienkonzern. Im September 2006 nahm ich schliesslich mein MBA-Studium an der London Business School auf

    Die besten Jobs von allen


    Für mich ist die fachliche Fundierung insbesondere im Bereich Corporate Finance wesentlicher Bestandteil meiner individuellen Zielsetzung. Der LBS eilt der Ruf vorraus, auf diesem Gebiet führend zu sein. Darüber hinaus besticht die räumliche Nähe zur City und Canary Wharf, den Finanzentren der Stadt, deren Bedeutung zur Schaffung von Netzwerken nicht hoch genug einzuschätzen ist. Abgesehen von der Columbia Business School in New York kann wohl keine der internationalen Topschulen so durch ihren Standort punkten.

    Ein weiterer Pluspunkt ist die gute Verkehrsanbindung an alle europäischen Metropolen, die einen gelegentlichen Abstecher zu Eltern und Freunden in Deutschland oder ein Wochenende in Paris trotz der hohen zeitlichen Anforderungen ermöglichen. Schliesslich ist die Schule auch hinsichtlich ihrer Internationalität führend. Die Studenten kommen aus mehr als 50 Nationen. Auf dem LBS Campus werden sagenhafte 63 Sprachen gesprochen. In einem so internationalen Umfeld erfolgreich miteinander zu kollaborieren ist mitunter eine Herausforderung, aber sicherlich auch eine einzigartige und von zukünftigen Arbeitgebern sehr geschätzte Lernerfahrung. Globalisierung ist hier kein durch die hiesige Presselandschaft geisterndes Schlagwort, das diffuse Ängste schürt, sondern gelebte Realität

    Ich hoffe, dass ich in den kommenden Monaten den Lesern dieses Tagebuchs einen möglichst lebhaften Eindruck vom täglichen Treiben auf dem Campus vermitteln und so den ein oder anderen Aspiranten bei seiner persönlichen Entscheidungsfindung unterstützen kann. In Anbetracht der nicht unbeträchtlichen finanziellen Bürden, die für die Dauer eines solchen Programms zu schultern sind, sollte diese Entscheidung wohl abgewägt sein.

    Dies gilt insbesondere im Hinblick auf Alternativen zum MBA Programm, wie zum Beispiel dem durch die LBS angebotenen 10-monatigen Masters in Finance (MiF), der eine entsprechende Vorbildung und fachlichen Fokusierung vorrausgesetzt im Vergleich zum längeren und breiter gefächerten MBA Programm (15-21 Monate) wesentlich zielführender sein kann.

    In meinem Fall deckt sich das MBA Programm voll mit meinen Bedürfnissen und mein erster Eindruck nach einem Trimester fällt daher auch rundweg positiv aus. Wie heisst es doch so schön: ?Enjoy it while it lasts!? Und genau das werde ich tun, denn in den kommenden Wochen durchlaufe ich meinen ersten Bewerbungsmarathon für die begehrten ?summer internships?. Mehr davon im nächsten Tagebucheintrag. In diesem Sinne?

    Milch und Honig

    Der britische Alltag gewinnt immer wieder Glanz durch die unzähligen kleinen und grossen Rituale, denen man sich hier freudig unterwirft. Stoisch in der Schlange zu stehen und mit seinem Vordermann ein Schwätzchen über das Wetter zu halten, um die dahinschwindende Zeit möglichst angenehm zu gestalten ? die britische Duldsamkeit sucht ihresgleichen. Sie ist wohl auch dafür verantwortlich, dass die sardinenbüchsenartigen Zustände im morgendlichen Berufsverkehr mehr oder minder achselzuckend hingenommen werden. Soweit es das Wetter und die Zeit zulässt, trete ich daher gerne meinen Schulweg zu Fuss an, vorbei an einem der Nationalheiligtümer der Briten und Kultstätte sportbegeisterter Untertanen des gesamten Commonwealth, dem Lord's Cricket Ground.

    In den ersten Wochen des neuen Semesters durfte ich mich einem weiteren Ritual unterziehen, das für viele britische Studenten den Einstieg ins Berufsleben makiert: die ?Milkround?. Obwohl die Analogie zum Milchmann, der seine morgendlichen Kreise in der Nachbarschaft zieht, ein wenig hinkt, hat sich der Terminus fest etabliert. Den Beginn markieren unzählige dicht gedrängte Firmenpräsentationen, auf die in der Regel ein Empfang mit allerlei Leckereien folgt, der allen Aspiranten die Möglichkeit eröffnet, mit den Vertretern der Firma ihrer Wahl Kontakte zu knüpfen und sich für eine zukünftige Anstellung zu empfehlen

    Für die Mehrzahl meines Jahrgangs sind Investment Banking und Consulting die bevorzugten Destinationen. Vorallem im Investment Banking, so suggerieren Pressemeldungen über Rekordgewinne und ensprechende Boni für die Angestellten, fliessen Milch und Honig. Entsprechend umkämpft sind die wenigen Praktika im Sommer, an deren Ende dann hoffentlich ein festes Angebot steht

    Es wäre allerdings falsch, bediene man das Klischee, dass MBA Studenten ausschliesslich auf den Finanzsektor ? neben dem I-Banking erfreut sich Private Equity derzeit enormer Beliebtheit ? oder die Beratungsbranche zielen. Viele nutzen zum Beispiel die Sommerpause, um ihre unternehmerischen Ambitionen in die Tat umzusetzen oder sich für Hilfsprojekte internationaler Organisationen zu engagieren. Jene Industrieunternehmen, die sich durch grosses Momentum auszeichnen, den Zeitgeist auf ihrer Seite haben oder traditionell an Business Schools rekrutieren und sich folglich ihrer ?MBA culture? rühmen, stossen ebenso auf reges Interesse. Die Reputation der Schule, an der man seinen MBA absolviert, ist in diesem Kontext von höchster Bedeutung, denn sie entscheidet letzlich darüber, welche Unternehmen auf den Campus kommen, um ihren Nachwuchs zu werben

    Je besser das Programm, desto härter allerdings auch die Konkurrenz und damit einhergehend die kleinen und grossen Eitelkeiten. Wie überall im Leben enstehen auch hier Hackordnungen; dieser Tage kommt man eigentlich kaum umhin, sich mit jedem über die eigenen Erfolge oder Misserfolge im Verlauf des Bewerbungsmarathons auszutauschen. Die scheinbar harmlose Frage ?What will you do this summer?? gerät so immer wieder zur Nabelschau

    Das mag ein wenig befremdlich wirken, doch darf man nicht vergessen, dass für viele Studenten der eigene Erfolg im Verlauf der Milkround ein erster Indikator ist, ob sich die Investition in den MBA ? die im Falle der LBS immerhin mit knapp 60.000 Euro alleine für die Studiengebuehren zu Buche schlägt ? rentieren wird. Die Kosten des Studiums sind allerdings ein Aspekt, dem ich einen gesonderten Tagebucheintrag widmen möchte, um insbesondere meine Erfahrungen mit den deutschen Stiftungen Revue passieren zu lassen

    Zum Schluss noch die unvermeidliche Frage: ?What will I do this summer?? Ich habe es geschafft, wie geplant meinen Karrierewechsel ins Investment Banking zu forcieren, worüber ich mich ausgesprochen freue. Dort werden mich allerdings weder im Sommer und noch in den folgenden Jahren ?Milch und Honig? erwarten, sondern vorallem sehr viel harte Arbeit. In diesem Sinne bis zum nächsten Tagebucheintrag? Am Golde hängt, zum Golde drängt doch alles?

    Nachdem sich das zweite Trimester langsam aber sicher dem Ende zuneigt und ich mich auf zwei wohlverdiente Ferienwochen freue, bleibt mir ein wenig Zeit, eines der wohl wichtigsten Themen für angehende MBA-Studenten ein wenig zu beleuchten ? die Finanzen. Ein MBA ist ein sehr kostspieliges Unterfangen. Neben den Studiengebühren sollten auch Lebenshaltungskosten und der Verdienstausfall für den veranschlagten Zeitraum in der persönlichen Kosten-Nutzen-Rechnung berücksichtigt werden. Andererseits lässt sich der Wert vieler Dinge, die einen MBA zu einer so wertvollen Erfahrung machen ? insbesondere das globale Netzwerk, das gesponnen werden kann und die Möglichkeit, seine Karriere noch einmal in eine völlig neue Richtung voranzutreiben ? schwer quantifizieren.

    Der Blick auf die nackten Zahlen sollte also nicht dazu führen, automatisch vor einem MBA zurückzuschrecken. Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, die finanziellen Bürden des MBA zumindestens teilweise zu lindern. In einigen Fällen erklären sich Arbeitgeber bereit, einen Teil oder sogar die ganze Ausbildung zu übernehmen. Stiftungen, Verbände, Regierungsorganisationen und Business-Schools vergeben eine Vielzahl von Stipendien. Wer weiss, dass ohne fremde Mittel der MBA nicht zu stemmen ist, der sollte sich vorallem frühzeitig ? d.h. mindestens 18 Monate vor Studienbeginn ? auf die Suche nach Finanzierungsquellen begeben. Da dieses Thema in der einschlägigen Literatur ausführlichst behandelt wird, belasse ich es hier und heute bei diesem entscheidenden Hinweis. Wer sich direkt auf die Suche nach potentiellen Geldquellen begeben möchte, dem sei e-fellows.net empfohlen, das eine sehr umfangreiche Stipendiendatenbank unterhält, oder die Webseite des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD)

    Rankings wie das der Financial Times enthalten in der Regel auch Angaben zu den von Absolventen erzielten Durchschnittsgehältern. Auf den Webseiten der Career Services finden sich häufig Studien, die diese Angaben weiter hinsichtlich Industrien und Gehaltsspannen herunterbrechen. Inwiefern die Bereitschaft in deutschen Unternehmen vorhanden ist, diese Gehälter zu zahlen, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Hat man daher an einem Standort eine bestimmte Industrie respektive bestimmte Unternehmen im Auge, sollte man sich erst kundig machen, bevor man dem Personalchef mit seinen Gehaltsforderungen die Zornesröte ins Gesicht treibt. Denn von Beratungen, Investmentbanken und einer handvoll renommierter Unternehmen abgesehen, tut man sich in Deutschland mit der Einschätzung des tatsächlichen Mehrwerts eines MBA nach wie vor schwer. Gleichwohl können sich insbesondere Ingenieure, Juristen, Geistes- und Naturwissenschaftler, die einen MBA erworben haben, durch ihre umfassende Ausbildung zukünftigen Arbeitgebern empfehlen und gehaltlich erheblich profitieren.

    In meinem kommenden Tagebucheintrag werde ich mich wieder eingehender dem Leben auf dem Campus widmen. Denn ist am Ende des Tages die Entscheidung für einen MBA gefallen, dann ist in der Regel das Finanzielle nicht mehr das ausschlaggebende Kriterium. Entscheidend ist dann der ?Fit?, d.h. wo passe ich am besten hin. Meinen Lesern möchte ich natürlich so viele Anhaltspunkte wie möglich liefern, um die richtige Wahl zu treffen. In diesem Sinne bis zum nächsten Tagebucheintrag... Willkommen im Club

    Waehrend die Deutschen das Vereinsleben hegen, verbringt der Brite einen Grossteil seiner Mussestunden im ?Club?. Die Massen bejubeln die Erfolge ihrer Clubs in der ?Premier League?, waehrend sich im Reebok Sports Club in Canary Wharf die Banker mit Hilfe eines ?Personal Trainer? in Form schwitzen. Im Buck?s und im White?s versammeln sich die erlauchtesten Kreise der britischen Gesellschaft, die jeunesse dorée feiert ausgelassen im Cuckoo Club oder im Boujis. ?Member? zu sein ist in London nicht nur ein Privileg, sondern leider Gottes oft auch eine Notwendigkeit, wenn die ?last order? um elf Uhr eben doch nicht das letzte Wort sein soll und man sich im Londoner Nachtleben tummeln moechte.

    Clubs nehmen auch an der London Business School eine wichtige Rolle ein, die weit mehr als nur die Darbietung eines breiten Spektrums an Moeglichkeiten beinhaltet, seine knappe Freizeit zu gestalten. Neben den Sport- und Regionalclubs ? letztere haben es sich zur Aufgabe gemacht, das multikulturelle Leben auf dem Campus voll zur Entfaltung zu bringen ? nehmen vor allem die Industrieclubs eine zentrale Stellung ein. Eine ihrer wichtigsten Aufgaben besteht darin, allen interessierten Studenten Zugang zu industriespezifischen Informationen zu verschaffen und den geplanten Karrierewechsel zu erleichtern.

    Gerade in den ersten beiden Trimestern ist gewieftes Networking der Koenigsweg zum Wunschpraktikum respektive ?arbeitgeber. Die Clubs bieten dafuer eine hervorragendes Forum. Dabei werden alle Branchen von Finanz- und Beratungsdienstleistungen bis hin zur Pharmaindustrie und den Konsumgueterherstellern gleichsam gruendlich abgedeckt. Es genuegt jedoch nicht, einfach nur Praesenz zu zeigen.

    Das Herstellen eines persoenlichen Kontaktes durch eine kluge Frage, die gegebenenfalls in eine vertiefende Diskussion muendet und im besten Falle die Einladung zu einem gemeinsamen Lunch zur Folge hat, noetigt einem in einem Feld mit so vielen Wettbewerbern schon eine gewisse Hartnaeckigkeit und Geistesgegenwaertigkeit ab. Letztere ist insbesondere dann von Bedeutung, wenn sich die Unterhaltung festtritt und man durch einen gewitzten Einwurf die Aufmerksamkeit des umlagerten Firmenrepraesentanten auf sich zieht. Ein feindosiertes Mass Chupze tut sein uebriges. Clubs sind auch wunderbare, da weitgehend risikofreie Experimentierfelder, seine Fuehrungs- und Managementqualitaeten unter Beweis zu stellen. Denn letzten Endes leben sie vom Engagement der Studentenkommittees, die fuer die Organisation der zahlreichen Veranstaltungen und deren Finanzierung verantwortlich zeichnen. So organisieren eine Reihe von Clubs weithin beachtete Konferenzen wie zum Beispiel das London Media Summit oder das Asia Forum, die neben Studenten zahlreiche Vertreter aus Wirtschaft und Politik auf den Campus locken und durch eingehende Berichterstattung in der Presse geadelt werden

    Ich hoffe, dass die neuen Studenten, die ab dem kommenden Herbst den Campus bevoelkern, durch ihr Engagement an gereifte Traditionen ankuepfen und mit viel Leidenschaft und Tatkraft weiterhin zu einem florierenden Clublandschaft beitragen. In diesem Sinne bis zum kommenden Tagebucheintrag...
    Dieser Artikel ist erschienen am 29.01.2007