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Schwul im Job - Karrierestopp?

Die Fragen stellte Christian Kleff
Foto: www.atelier-goral.de
Fünf bis zehn Prozent der Deutschen sind homosexuell - nur jeder Achte von ihnen bekennt sich dazu. Der "Völklinger Kreis - Bundesverband Gay Manager" will das ändern und hat 2002 zum zweiten Mal den Max-Spohr-Managementpreis gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz verliehen. Interview mit Jörg Melsbach, Bundesgeschäftsführer des Verbandes.
Im vergangenen Jahr hat der Bundesverband Gay Manager den Automobilhersteller Ford ausgezeichnet, in diesem Jahr die Deutsche Bank. Also Unternehmen aus der eher konservativen Ecke. Hat Sie das überrascht, Herr Melsbach?

Jörg Melsbach: Wir erleben derzeit einen Umbruch. Bei vielen Unternehmen öffnen sich Türen, gerade in konservativen Häusern. Noch vor drei Jahren hätte niemand gedacht, dass ausgerechnet die Deutsche Bank mal so ein Vorreiter in Sachen Anti-Diskriminierung sein würde.

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Vorreiter bedeutet ...

... wir geben den Unternehmen einen Kriterienkatalog. Wir fragen etwa, ob sie niedergeschriebene Richtlinien gegen Diskriminierung haben. Oder ob sie Partnerschaftsprogramme in Bezug auf Rente oder Versicherungen anbieten, die auf gleichgeschlechtliche Beziehungen ausgerichtet sind.

Wie sieht es insgesamt aus?

Wir haben 50 Unternehmen angeschrieben. Deutsche Bank und Ford sind top, Allianz und Commerzbank auf einem guten Weg. Oft sind Richtlinien oder Programme aber nicht festgeschrieben. ?Das wird in unserem Unternehmen einfach so gelebt", war eine der Standard-Antworten. Viele scheuen die Öffentlichkeit, weil sie nicht wissen, wie Kunden reagieren würden. Unternehmen, die sich gar nicht mit Homosexualität auseinandersetzen, gibt es immer weniger.

Was kann passieren, wenn Unternehmen mit dem privaten Lebensstil eines Angestellten nicht einverstanden sind?

Es geht so weit, dass der Vorstand mitteilt: ?Für eine höhere Position sind Sie wegen Ihrer Homosexualität nicht geeignet. Das geht nicht konform mit unserer Unternehmensphilosophie." So offen wird das aber selten dargestellt. Oft heißt es: ?Wir haben uns für jemand anderen entschieden." Im Kollegenkreis wird oft gemobbt oder getuschelt, was sehr unangenehm sein kann.

Führen Sie eine Schwarze Liste?

Wir vermeiden zu sagen, dass es eine Schwarze Liste gibt. Weil wir ja eigentlich alle Unternehmen auffordern wollen, ihre Denke zu ändern, sich zu öffnen, Ängste gegen Homosexualität abzubauen. Namen kann und will ich deshalb nicht nennen. Wir geben aber auf Anfrage Auskunft über Unternehmen. Auch Nichtmitgliedern.

Internet: www.vk-online.de
Dieser Artikel ist erschienen am 03.06.2002