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Schwindende Gefolgschaft

Von Sandra Louven
Der Rücktritt von Regine Büttner als Kandidatin für den Personalvorstand schwächt Klaus Zumwinkels Position. Zumwinkel setzte sich stark für die umstrittene Büttner ein, fand jedoch keine entscheidende Unterstützung. Auch Großaktionäre bleiben skeptisch.
DÜSSELDORF. ?Es war einer der schwärzesten Tage im Leben dieser Frau?, heißt es in Aufsichtsratskreisen nach der Tagung der Telekom-Kontrolleure am vergangenen Dienstag. Es ist aber auch ein schwarzer Tag für Chefkontrolleur Klaus Zumwinkel. Grund ist der überraschende Rücktritt der Kandidatin für den Telekom-Personalvorstand.Die 50-jährige Regine Büttner, Wunschbesetzung der Gewerkschaft Verdi, zieht am Tag der Aufsichtsratssitzung überraschend ihre Kandidatur für den Posten zurück. Die umstrittene Telekom-Mitarbeiterin hätte nicht die nötigen Stimmen der Kontrolleure erhalten. Zu einer Abstimmung kommt es nach Informationen aus dem Umfeld des Aufsichtsrates aber gar nicht erst.

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Klaus Zumwinkel hat sich nach Angaben aus dem Umfeld des Aufsichtsrates vehement für die umstrittene Kandidatin eingesetzt. Büttners Absage schwächt den Chefkontrolleur der Telekom empfindlich. Schon gar, weil Vertreter der Kapitalseite Büttner ihre Unterstützung verweigern. Offenbar konnten sich unter anderem die beiden Großaktionäre Bund und Blackstone nicht für Büttner erwärmen. Nun steht die Telekom ohne Personalchef da, weil der amtierende Vorstand Heinz Klinkhammer das Unternehmen zum Jahresende verlässt.Büttner fällt bereits vor Beginn der Tagung durch. Um 11 Uhr treffen sich Vertreter der Kapitalseite am Dienstag, um vor Beginn der Sitzung Gespräche mit den drei Vorstandskandidaten für den nach Umsatz viertgrößten deutschen Konzern zu führen. 20 Minuten sind pro Vorstand vorgesehen ? die Kontrolleure sollen Gelegenheit bekommen, sich persönlich ein Bild von den Auserwählten zu machen.Lesen Sie weiter auf Seite 2: ?Das ist völlig aus dem Ruder gelaufen?, heißt es im Umfeld des Unternehmens. Klaus Zumwinkel präsentiert dem Aufsichtsrat zur Abstimmung Timotheus Höttges als neuen Vorstand der Festnetzsparte, Hamid Akhavan als Chef des Mobilfunkbereichs und Regine Büttner als neuen Personalvorstand. Die drei sollen nach dem Rücktritt von Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke das neue Team seines Nachfolger René Obermann verstärken.Höttges und Akhavan passieren die Fragerunden problemlos. Regine Büttner sorgt dagegen für eine lebhafte Debatte unter den Kapitaleignern. ?Das ist völlig aus dem Ruder gelaufen?, heißt es im Umfeld des Unternehmens. Das Gespräch mit Frau Büttner dauert wesentlich länger als die dafür vorgesehenen 20 Minuten ? und wirft den gesamten Zeitplan über den Haufen.So ist für 12.30 Uhr ein Mittagessen vorgesehen, um 13.30 Uhr soll die Aufsichtsratsitzung beginnen. Weil die Arbeitgeberseite Regine Büttner aber sehr kontrovers diskutiert, fällt das Essen aus. Die Sitzung fängt erst mit drei Stunden Verspätung an. Da ist klar, dass Büttner nicht die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit erhält, obwohl die Arbeitnehmer nach Informationen aus Aufsichtsratskreisen für die Kandidatin stimmen wollen.Die Arbeitnehmervertreter hatten sich bereits intensiv mit der Personalie beschäftigt. Büttners Nominierung war bereits zwei Wochen zuvor publik geworden. Seitdem wurde die Kandidatin scharf kritisiert ? auch aus den Reihen des Betriebsrates.Gegner bezweifelten ihre persönliche Eignung für die bevorstehende Aufgabe und kritisierten ihre Nähe zu Verdi: Büttners Ehemann Rolf sitzt für den Bundesvorstand der Dienstleistungsgewerkschaft im Aufsichtsrat der Deutschen Post, die Zumwinkel leitet. Rolf Büttner erklärte sich aber bereit, das Mandat abzugeben.
Dieser Artikel ist erschienen am 11.12.2006