Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Schrempp gibt das Ruder noch nicht aus der Hand

Daimler-Chrysler-Vorstandschef Jürgen Schrempp hat Spekulationen über einen vorzeitigen Rücktritt eine Absage erteilt. Er bleibe bis zum Jahr 2008, sagte Schrempp in einem Zeitungsinterview.
HB STUTTGART. In einem am Mittwoch vorab veröffentlichten Interview der ?Stuttgarter Zeitung? sagte Schrempp: ?Für mich ist es entscheidend, dass mich sowohl die Kapitalseite im Aufsichtsrat als auch die Arbeitnehmervertreter unterstützen. Ich würde keinen Vertrag unterschreiben, den ich nicht erfüllen will.? Das Ziel, auf den aufstrebenden asiatischen Märkten ein Viertel des Konzernumsatzes zu erzielen, gelte weiter, ?aber mit Augenmaß?, fügte Schrempp hinzu. Er bekräftigte, eine Produktion des Kleinstwagens Smart in China zu prüfen. Zu der offenbar vor dem Aus stehenden Allianz mit dem südkoreanischen Autokonzern Hyundai sagte der Daimler-Chrysler-Chef nur: ?Es wird Veränderungen geben.?Schrempp betonte in dem Interview, er habe den Vorschlag, dem angeschlagenen japanischen Partner Mitsubishi Motors die finanzielle Unterstützung zur Sanierung zu entziehen, selbst in den Aufsichtsrat eingebracht, ließ aber durchblicken, dass es darüber im Daimler-Chrysler-Vorstand unterschiedliche Meinungen gab: ?Wenn immer mal wieder von einem ?Abnickverein' die Rede ist, dann haben wir jetzt bewiesen, dass dem nicht so ist.? Laut Medienberichten hatten sich acht von elf Vorständen gegen Schrempp und dessen Unterstützung für Mitsubishi gestellt.

Die besten Jobs von allen

Der Vorstandschef sagte, den Ausschlag für die Entscheidung habe die mangelnde Bereitschaft der Mitsubishi-Gruppe gegeben, auf Forderungen gegenüber der hoch verschuldeten Mitsubishi Motors zu verzichten. Das Verhältnis zu den Mitaktionären habe darunter nicht gelitten. ?Unser Verhältnis ist nach wie vor sehr gut. Beide Seiten wollen die Partnerschaft fortsetzen?, sagte er. Schrempp äußerte sich überzeugt, dass ein Zusammenbruch von Mitsubishi Motors ?höchst unwahrscheinlich? sei. Der defizitäre Autobauer werde von der Gruppe finanziell so ausgestattet, dass er weiterarbeiten könne.Daimler-Chrysler hält 37 % an Mitsubishi Motors, durch eine Kapitalerhöhung würde dieser Anteil aber verwässern. Nach Berichten japanischer Zeitungen könnte die Sanierung bis zu 3,8 Mrd. ? kosten.Über die zehnprozentige Beteiligung an Hyundai Motor und den Einstieg ins Nutzfahrzeuggeschäft von Hyundai werde verhandelt, sagte Schrempp weiter. Es werde aber zu Veränderungen kommen. Die gemeinsame Produktion von Pkw-Motoren sei jedoch ?festgezurrt?. Reuters hatte aus Aufsichtsratskreisen erfahren, dass der Anteil an Hyundai Motor, der rund 800 Mill. ? wert ist, verkauft werden soll. Die Partnerschaft mit Hyundai war mehrfach von atmosphärischen Störungen begleitet.Schrempp bekräftigte die Absicht, in Asien stark wachsen zu wollen, um dort mittelfristig 25 % des Konzernumsatzes zu erwirtschaften. ?Dieses Ziel verfolgen wir weiterhin, aber mit Augenmaß?, sagte er. ?Deutlich wachsen kann man nur dort, wo auch der Markt entsprechend zulegt. Und das ist Asien.? Zuletzt hatte Daimler-Chrysler grünes Licht für den Aufbau der Produktion von Mercedes-Modellen in Peking erhalten. Auch eine Einführung des Zwei- und Viersitzers von Smart werde geprüft, kündigte der Vorstandschef an.
Dieser Artikel ist erschienen am 05.05.2004