Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Schönhofer, der Zahlenmensch

Von Oliver Stock
Er wird seine Rolle nicht los: Der Mann, hinter dessen hoher Stirn sich die Gewinne und Verluste, Fusionen und Verkäufe der österreichischen Siemens-Gruppe zu einer übersichtlichen Bilanz formen, bleibt ein Herr der Zahlen.
WIEN. Peter Schönhofer, bislang Finanzchef von Siemens in Wien und zweiter Mann hinter der agilen Konzernchefin Brigitte, genannt ?Gitti?, Ederer, soll Finanzchef und damit die Nummer zwei im geplanten Gemeinschaftsunternehmen von Nokia und Siemens werden.Er ist sozusagen der Aufpasser bei ?Nokia Siemens Networks? und schlüpft damit in eine Doppelrolle: Auf der einen Seite muss er seinem Chef Simon Beresford-Wylie zur Seite stehen, auf der anderen Seite aber bei der Siemens-Zentrale in München rechtzeitig die Alarmglocken schrillen lassen, wenn der neue Laden nicht so läuft wie geplant.

Die besten Jobs von allen


» Lesen Sie hier mehr zum Chef von Siemens Nokia Networks, Simon Beresford-Wylie
Der 44-jährige Wiener, den seine Kollegen in der österreichischen Siemens-Zentrale als ?entscheidungsfreudigen Workaholic? bezeichnen, hat eine gewisse Übung darin, Alarmzeichen zu erkennen. Er war im Jahr 2000 auf dem Höhepunkt des Börsenbooms von Siemens zur New-Economy-Firma Redstars.com gewechselt, einem Unternehmen, das sich als Investor für Internetfirmen in Osteuropa profilieren wollte.Siemens war mit viel Hoffnung und 27,3 Prozent der Anteile in den ?Roten Stern? eingestiegen. Der Börsengang stand an, und Siemens rechnete sich ein schönes Stück vom Kuchen aus ? daraus wurde nichts. Auch Finanzchef Schönhofer konnte nicht verhindern, dass Redstars nach nur eineinhalb Jahren im allgemeinen Dotcom-Sterben wie ein Komet verglühte.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Schönhofer geriet in einen ungemütlichen SpagatSchönhofer geriet dabei in einen ungemütlichen Spagat: Als Finanzvorstand musste er einer der Letzten sein, die von Bord gingen, und durfte nichts unversucht lassen, den Großaktionär Siemens von einer Kapitalerhöhung zu überzeugen, die die Pleite abwenden konnte. Als ehemaliger Siemensianer, der sich sein Comeback in dem Weltkonzern nicht verbauen wollte, musste er aber gegenüber den möglichen Geldgebern Tacheles reden und sie warnen.Offenbar ist ihm die Gratwanderung gelungen: Schönhofer landete schon 2001 wieder bei Siemens, diesmal sogar im Wiener Vorstand unter Alfred Hochleitner, der in dem ?fachlich brillanten Finanzexperten? nicht zuletzt einen ausgewiesenen Experten fürs Internationale sah. Die Internationalisierung der österreichischen Industrie, die von außen betrachtet noch keine allzu großen Fortschritte gemacht hat, ist ein Steckenpferd von Schönhofer, das er in zahlreichen Veröffentlichungen beschrieben hat.Unter Hochleitner lieferte Schönhofer sein Meisterstück ab. Das Gespann begab sich vor zwei Jahren daran, das Industrieunternehmen VA Tech zu übernehmen, was ihnen trickreich gelang und Lorbeeren aus München bedeutete.Dort klingt noch heute ein Satz Schönhofers nach, der feststellte, die knapp eine Milliarde Euro für VA Tech lasse sich mit Bargeld und Wertpapieren fast aus der Portokasse bezahlen, und jede weitere Diskussion mit den Worten abschnitt: ?Geld aus Deutschland wird es nicht geben.? Mag sein, dass diese Haltung ihn als richtigen Mann für das neue Gemeinschaftsunternehmen empfahl.
Dieser Artikel ist erschienen am 20.06.2006