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Katja Stricker
Das Leben ist eine Baustelle - besonders viele Stolperfallen gibt es bei Steuern, Arbeitsrecht und Versicherungen. Junge Karriere hat die besten Startertipps für Beruf und Finanzen ausgegraben.
Das Leben ist eine Baustelle - besonders viele Stolperfallen gibt es bei Steuern, Arbeitsrecht und Versicherungen. Junge Karriere hat die besten Startertipps für Beruf und Finanzen ausgegraben

Privatleben tabu

Sind Sie Mitglied einer Partei? Möchten Sie Kinder? Nicht alle Fragen des Personalchefs müssen Bewerber bei einem Vorstellungsgespräch beantworten. Grundsätzlich sind nur Fragen zulässig, die unmittelbar mit dem zukünftigen Arbeitsverhältnis zusammenhängen - das haben verschiedene Arbeitsgerichte entschieden. Demnach darf nicht nach Religionszugehörigkeit, Mitgliedschaft in Partei oder Gewerkschaft, Schwangerschaft oder Privatleben gefragt werden.

Die besten Jobs von allen


Ausnahme: Bewerbungen in so genannten Tendenzbetrieben, beispielsweise als Lehrer bei einer katholischen Bekenntnisschule oder als Redakteur bei einer Tageszeitung mit einer bestimmten politischen Richtung.

Aktuelle Krankheiten gehen den Chef nur dann etwas an, wenn sie ansteckend sind. Nach chronischen Erkrankungen darf er wiederum fragen, da diese den Arbeitnehmer auf Dauer in seiner Tätigkeit einschränken könnten

Gehaltserhöhung sofort

Häufig verspricht der künftige Chef im Bewerbungsgespräch, nach der Probezeit über eine Gehaltserhöhung reden zu wollen. Auf diese mündliche Zusage sollten sich Arbeitnehmer nicht verlassen, sondern darauf bestehen, dass eine entsprechende Anpassungsklausel in den Arbeitsvertrag aufgenommen wird. Und zwar am besten mit einer konkreten Summe. Auch zusätzliche Leistungen sollten schriftlich geregelt sein - etwa Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie vermögenswirksame Leistungen.

Keinen Urlaub verschenken

Beginnt ein Job beispielsweise am 2. Januar, so zählt der gesamte Januar für die Berechnung des Urlaubsanspruchs nicht mit. Deshalb sollte ein Arbeitsvertrag immer am Ersten eines Monats beginnen, denn einen Anspruch auf anteiligen Jahresurlaub haben Arbeitnehmer nur, wenn sie im jeweiligen Monat voll gearbeitet haben (§ 5 Abs. 1 Bundesurlaubsgesetz). Generell muss im Arbeitsvertrag die Dauer des Urlaubs stehen oder auf den entsprechenden Tarifvertrag verwiesen werden. Die gesetzliche Mindestdauer beträgt 24 Werktage im Jahr. In der Praxis sind aber 30 Urlaubstage üblich.

Geld-zurück-Klauseln

Finanziert ein Arbeitgeber Aus- oder Weiterbildung seiner Mitarbeiter, will er auch in den Genuss der neu erworbenen Fähigkeiten kommen. Daher enthalten Arbeitsverträge häufig eine so genannte Rückzahlungsklausel. Sie verpflichtet den Arbeitnehmer, die Kosten der Fortbildung anteilig zurückzuzahlen, wenn er vor Ablauf einer bestimmten Frist kündigt.

Das gilt jedoch nur, wenn durch die Weiterbildung ein Karrierevorteil für den Arbeitnehmer entsteht. Bei Fortbildungen, die ausschließlich im Interesse des Unternehmens liegen, etwa die Schulung auf einer betriebsinternen Software, ist eine solche Klausel unzulässig. Die Bindungsfrist nach einer Fortbildung darf laut Bundesgesetzbuch höchstens fünf Jahre betragen, etwa, wenn das Unternehmen ein komplettes Studium finanziert hat. Sonst kommt es auf den Einzelfall an: Dauer und Kosten der Fortbildung, Länge der Freistellung und Bildungsvorteil für den Mitarbeiter

Konkurrieren verboten

Um zu verhindern, dass ein hochqualifizierter Spezialist nach Ende des Arbeitsverhältnisses bei der direkten Konkurrenz anheuert oder selbst zum Wettbewerber wird, vereinbaren viele Unternehmen im Arbeitsvertrag ein so genanntes Wettbewerbsverbot für die Zeit nach der Anstellung. Die Sperrfrist ist nach § 74 Handelsgesetzbuch jedoch nur für maximal zwei Jahre erlaubt.

Weitere Voraussetzungen: Es muss sich wirklich um eine unmittelbare Konkurrenztätigkeit handeln - sei es selbstständig oder bei einem anderen Unternehmen - und der alte Arbeitgeber muss sich verpflichten, während der Sperre als Entschädigung mindestens die Hälfte des alten Gehalts zu bezahlen.

Arztbesuch in der Arbeitszeit

Angestellte dürfen während der Arbeitszeit zum Arzt gehen, wenn sie unter akuten Schmerzen leiden oder der behandelnde Arzt keine Sprechstunde beziehungsweise keinen Termin außerhalb der Arbeitszeit hat.

Bei der Terminvereinbarung mit der Arztpraxis muss der Angestellte aber zunächst darauf dringen, einen Termin in seiner Freizeit zu erhalten. Gelingt ihm das nicht, muss ihn sein Boss bezahlt freistellen - ohne die Verpflichtung, die ausgefallene Arbeitszeit nachzuarbeiten. Für einen Arztbesuch extra Urlaub zu nehmen, kann der Arbeitgeber von seinen Mitarbeitern nicht verlangen.

Pflege kranker Kinder

Generell haben berufstätige Mütter und Väter pro Kind und Jahr jeweils zehn Tage Anspruch auf unbezahlte Freistellung von der Arbeit, um ihr krankes Kind zu pflegen. Alleinerziehende dürfen sich pro Kind und Jahr zwanzig Tage jährlich für die Pflege ihres Sprösslings freistellen lassen. Laut Urteil des Bundesarbeitsgerichts bekommt der Arbeitnehmer bis zu fünf Tage pro Jahr seinen Lohn weitergezahlt, wenn das kranke Kind unter acht Jahren alt ist

Besteht gegenüber dem Arbeitgeber kein Anspruch auf bezahlte Freistellung, erhalten Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung von ihrer Krankenkasse ein so genanntes Pflegekrankengeld in Höhe von rund 70 Prozent des beitragspflichtigen Einkommens. Voraussetzung: Das erkrankte Kind ist gesetzlich krankenversichert und im Haushalt lebt keine andere Person, die die Betreuung des Kindes übernehmen könnte

Kasse korrekt wechseln

Wer während des Studiums privat krankenversichert ist, kann, wenn er mag, nach dem Examen in eine gesetzliche Krankenversicherung seiner Wahl wechseln. Wenn er künftig als Angestellter weniger als 3.825 Euro brutto pro Monat verdient, kann er als so genannter Pflichtversicherter zurückkehren. Wer mehr Gehalt bekommt, kann bei seinem ersten Job nach dem Studium als freiwillig Versicherter in die gesetzliche Krankenkasse wechseln.

Studenten, die sich direkt nach dem Examen selbstständig machen, haben keine Wahlmöglichkeit. Sollten sie unbedingt wechseln wollen, müssen sie mindestens zwölf Monate einen versicherungspflichtigen Job annehmen. Wer seine Arbeit früher aufgibt, um selbstständig zu werden, fliegt aus der gesetzlichen Krankenkasse raus und muss sich wieder privat versichern.

Findet der Berufseinsteiger allerdings einen Job, bei dem er auf Anhieb mehr als 3.825 Euro brutto im Monat verdient, kann er schon nach einem Monat in die Selbstständigkeit wechseln - und weiterhin freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben.

Automatisch unfallversichert

Jeder Arbeitnehmer ist automatisch über seinen Arbeitgeber gesetzlich unfallversichert. Die Beiträge zahlt allein der Arbeitgeber. Die Versicherung tritt beispielsweise bei Unfällen ein, die während der Arbeit oder auf dem direkten Weg zwischen Wohnung und Arbeitsplatz passieren. Auch für Studenten gilt der Unfallversicherungsschutz; er ist jedoch nur auf die Hochschule und den unmittelbaren Einflussbereich beschränkt. Unfälle in der Freizeit oder bei einem Studienaufenthalt im Ausland sind in der Regel nicht abgedeckt. Das gilt auch für Studenten, die ihre Diplomarbeit in einem Unternehmen vorbereiten.

Eine zusätzliche private Versicherung, die bei Unfällen in der Freizeit eintritt, macht für Berufseinsteiger kaum Sinn. Denn das größte Risiko für junge Arbeitnehmer ist die Berufsunfähigkeit, ganz gleich ob durch Unfall oder Krankheit. Da nur in neun Prozent der Fälle Berufsunfähigkeit durch einen Unfall verursacht wird, greift der Schutz durch eine solche Versicherung einfach zu selten. Arbeitnehmer sollten daher zunächst ihre Arbeitskraft über eine Berufsunfähigkeits-Versicherung absichern.

Über Kreuz versichern

Unverheiratete Eltern sollten sich gegenseitig über Risikolebensversicherungen finanziell absichern für den Fall, dass dem Partner etwas zustößt. Dabei schließt jedes Elternteil eine Versicherung ab, mit der er aber nicht sein eigenes, sondern das Leben des anderen versichert. Vorteil: Im Todesfall erhält der Überlebende die Auszahlung erbschaftssteuerfrei.

Steuererklärung ohne Verdienst

Studenten und Berufseinsteiger sollten auch dann eine Steuererklärung abgeben, wenn sie etwa im Examensjahr noch keine Einnahmen, sondern nur Bewerbungskosten hatten. Diese "vorab entstandenen Werbungskosten" führen zu einem Verlust, den das Finanzamt mit dem Steuerbescheid feststellt.

Im nächsten Jahr verringert dieser Verlust das zu versteuernde Einkommen und führt so zu einer niedrigeren Steuerbelastung. Daher: Ab der ersten Bewerbung alle Quittungen sammeln

Fiskus hilft bei Jobsuche

Kosten, die bei der Jobsuche entstehen, sind selbst dann steuerlich absetzbar, wenn die Bewerbungen nicht erfolgreich waren. Darunter fallen zum Beispiel Ausgaben für Passfotos, Fotokopien, Mappen, Beglaubigungen, Porto, Stellengesuche, Bewerbungsbücher und -kurse sowie die Fahrten zu Vorstellungsgesprächen. Dagegen sind weder der Anzug noch das Kostüm, die extra fürs Vorstellungsgespräch gekauft wurden, steuerlich abzugsfähig. Auch nicht der Computer, den ein Jobsuchender für das Schreiben der Bewerbungen und Lebensläufe angeschafft hat

Kein Umzug in Etappen

Wer einen Job in einer anderen Stadt antritt, kann die Umzugskosten steuerlich absetzen. Jedoch sollte sich der Arbeitnehmer direkt für eine neue Wohnung entscheiden und kein Übergangszimmer mieten. Einen solchen etappenweisen Umzug erkennt das Finanzamt nämlich nicht an und berücksichtigt nur den Einzug ins Übergangsheim. Zu Recht, wie der Bundesfinanzhof bestätigte. Der Umzug, und damit alle anfallenden Kosten, ende mit dem Einzug in die erste Wohnung am neuen Arbeitsort, so die Richter (Az. IV 78/99).

Deshalb: In den ersten Wochen lieber in einer Pension oder im Hotel unterkommen und dann direkt in die endgültige Wohnung ziehen

Maklerkosten nicht immer absetzbar

Zieht ein Arbeitnehmer berufsbedingt um, kann er die Gebühren für einen Makler nur dann steuerlich geltend machen, wenn er in eine Mietwohnung oder ein gemietetes Haus zieht. Maklerkosten, die bei der Suche nach einer Eigentumswohnung oder einem eigenen Haus anfallen, sind nicht absetzbar, so ein Urteil des Bundesfinanzhofes. Und zwar auch dann nicht, wenn sie für die Vermittlung einer vergleichbaren Mietwohnung angefallen wären.

Grund: Die Gebühren zählen zu den Anschaffungskosten einer Immobilie und fallen damit nicht unter abzugsfähige Werbungskosten

Zweite Miete Nebenkosten

"3-Zimmer-Wohnung, KDB, 700 Euro, plus Nebenkosten" - was sich alles hinter dem Sammelbegriff "Nebenkosten" verbirgt, muss im Mietvertrag ausdrücklich aufgezählt sein. Einmal jährlich ist der Vermieter zu einer klaren, differenzierten Abrechnung verpflichtet. Neben Heizung und Wasser können unter anderem die Kosten für Grundsteuer, Abwasser, Straßenreinigung, Müllabfuhr, Hausreinigung, Gartenpflege, Beleuchtung, Schornsteinreinigung, Hausmeister oder Kabelfernsehen als Nebenkosten auf die Mieter umgelegt werden. Voraussetzung: Die Kosten sind für den Vermieter wirklich entstanden

Um sich vor hohen Nachzahlungen zu schützen, sollte der neue Mieter sich beim Einzug genau nach Erfahrungswerten aus der Vergangenheit erkundigen und sich das am besten vom Vermieter schriftlich geben lassen. Kommt bei der Jahresabrechnung heraus, dass der Vermieter bei der Höhe der Betriebskosten bewusst getäuscht hat, indem er extrem niedrige Vorauszahlungen ansetzte, kann er laut einiger Urteile unter Umständen keine Nachforderungen erheben

Dieser Artikel ist erschienen am 28.03.2003