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Schlanke Mappen

Auch wenn sie sonst recht redselig sind: Beim Bewerben machen Spanier keine großen Worte. Personaler sparen sich sogar das Absageschreiben.
Bei der Jobsuche in Spanien sind persönliche Kontakte wichtig, denn hier werden besonders viele Stellen ohne Ausschreibung vergeben. Bessere Chancen als bei der offiziellen Arbeitsvermittlung haben ausländische Bewerber über Job-Sites und Initiativbewerbungen. Die Aussichten auf einen unbefristeten Vertrag stehen für Berufseinsteiger jedoch schlecht: Spanien hat die höchste Quote von befristet Beschäftigten in Europa; bei den Unter-35-Jährigen sind es rund 65 Prozent.

Spanische Bewerbungen sind schlank. Ein Lebenslauf (Currículum; Hoja de Vida) ist nicht länger als zwei Seiten, dazu ein kurzes Begleitschreiben, beides auf Spanisch - das war's. Im Anschreiben stören lange Ausführungen über vergangene Tätigkeiten. Türöffner sind dagegen eine originelle Darstellung dessen, was man für das Unternehmen tun kann und der Bezug auf Referenzpersonen. Die Anrede ist unpersönlich ("Estimado/a Señor/a")

Die besten Jobs von allen


Für den Lebenslauf ist ein Foto nicht obligatorisch. Ganz nach oben gehören die persönlichen Informationen (Datos personales), dazu die Personalausweisnummer oder, so bereits vorhanden, die N.I.E. (Número de Identidad de Extranjero). Diese Steuernummer für Ausländer ist für viele administrative Vorgänge nötig. Sie bekommen sie beim jeweiligen Polizeiamt. Die N.I.E. ist nicht Pflicht, signalisiert aber, dass der Bewerber vorhat zu bleiben

Nach den persönlichen Daten können Sie einen kurzen Satz über das Berufsziel formulieren. Es folgen die Punkte Ausbildung (Formación académica) und, besonders wichtig, die Berufserfahrung (Experiencia profesional). Beginnen Sie innerhalb dieser Abschnitte mit dem jüngsten Ereignis und erwähnen Sie auch Weiterbildungsmaßnahmen und Erfolge während Ihrer Tätigkeit. Zum Schluss erwähnen Sie Ihre Sprachkenntnisse (Idiomas) und zusätzliche Informationen (Informácion adicional) wie EDV-Kenntnisse.

Wer glaubt, dank drei Wochen Mallorca fürs Vorstellungsgespräch gerüstet zu sein, irrt gewaltig: Sommerkurskenntnisse reichen nicht; Bewerber müssen wirklich gut Spanisch sprechen. Stellen Sie sich gleich auf weitere Gespräche ein, denn mehrere Interviews sind üblich. Für deutsche Bewerber sehr unbefriedigend: Eingangsbestätigungen oder Absagen gibt es nur selten. Deshalb empfiehlt es sich, per Telefon oder Mail nachzuhaken. Erfahrungsbericht

"Hast du einen Freund hier?"

Viktoria Fuchs, 25, hat Kulturwirtschaft in Passau studiert und arbeitet zurzeit in Madrid als Credit Analyst für American Express. Sie empfiehlt Jobsuchern unbedingt die Recherche vor Ort:

"Während meines Studiums war ich ein Jahr in Australien. Spanien hat sich dann ergeben, weil mein Freund dort lebt. Ich habe vor Ort gesucht, was ich jedem empfehlen würde. Wenn man noch nicht im Land wohnt, kann man sich ja mal für eine Woche in einem Hostel einquartieren. Denn wenn jemand ein Vorstellungsgespräch anbietet, schlägt er schon mal den nächsten Tag als Termin vor. Wer da nicht kann, weil er erst anreisen muss, ist für viele Personaler schon ein zu komplizierter Fall.

Bei Bewerbungen läuft in Spanien viel über Internetportale wie infojobs.net. Auf Seiten wie dieser habe ich meinen Lebenslauf auf Spanisch eingestellt. Den muss man nicht datieren und unterschreiben, aber man sollte seine Nationalität vermerken. Der Arbeitgeber sieht dann, dass man aus der EU kommt, was für ihn weniger Papierkram bedeutet.

Auf meinen Eintrag auf der Webseite hin ist dann eine ETT auf mich zugekommen. "Empresas de trabajo temporal" sind Zeitarbeitsfirmen, über die in Spanien sehr viel läuft. Ich habe ein Interview bei der ETT absolviert und dann noch eines bei American Express.

Zu solchen Gesprächen muss man nicht wie in Deutschland mit tausend beglaubigten Dokumenten anrücken. Der persönliche Eindruck zählt mehr. Man wird im Vorstellungsgespräch Fragen hören, die in Deutschland nicht üblich sind: "In welchem Stadtteil wohnst du?", "Hast du einen Freund hier?" und ähnliche Dinge. Ich nehme an, damit wollen sie sich versichern, dass der ausländische Bewerber auch auf Dauer in Spanien bleiben will. Auf mich trifft das jedenfalls zu: American Express hat mich inzwischen unbefristet von der ETT übernommen."
Dieser Artikel ist erschienen am 06.09.2007