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Schimpfen hebt das Betriebsklima

Von Christoph Hus, Handelsblatt
Haben Sie auch solche Kollegen, die Sie Tag für Tag zur Weißglut treiben? Denen Sie regelmäßig eine runterhauen könnten, weil sie alles verschlampen, was irgendwie wichtig ist? Natürlich haben Sie solche Kollegen.
Nun, dann stehen Sie vor der Wahl zwischen zwei Möglichkeiten. Erstens: Die Duldungs-Taktik. Sie schlucken den Ärger herunter, besuchen einen Yoga-Kurs, bewerben sich auf eine neue Stelle. Gesund ist das nicht. Wer den Ärger in sich hinein frisst, riskiert Depressionen oder ? schlimmer noch ? sogar einen Herzinfarkt, zumindestens aber ein Magengeschwür.Eher zu empfehlen ist deshalb Möglichkeit Nummer zwei: Die Reaktions-Taktik. Sobald Ihnen ein garstiger Kollege sauer aufstößt, ergreifen Sie Gegenmaßnahmen und beschimpfen ihn lautstark. Das hat Vorteile für beide Seiten, eine Win-Win-Situation. Sie selbst reden sich Ihren Frust von der Seele, und Ihr Kollege kommt in den Genuss eines direkten Feedbacks.

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Allerdings gilt es bei dieser Taktik ein wichtiges Detail zu beachten. Wenn Sie unüberlegt zu ordinären Schmähungen greifen, zum Beispiel dem bösen A-Wort, geht der Schuss schnell nach hinten los. Unter Umständen gibt sich Ihr Kollege dann in Zukunft unerträglicher als je zuvor. Deshalb besonders wichtig: professionelles Schimpfen, mit Kreativität und Improvisation. Behalten Sie das immer im Hinterkopf, auch wenn Sie sich schon leicht überhitzt fühlen. Sie wollen sich doch nicht selbst als unkreativ disqualifizieren.Lesen Sie die beliebtesten Schimpfnamen für Chefs auf Seite 2: Wem es an zielführenden Ideen für die passenden Beleidigungen fehlt, kann Fachliteratur zu Rate ziehen. Zum Beispiel ?Das ultimative Schimpfwörterbuch fürs Büro? von Andreas Rother. Das Werk bietet kompetente Hilfestellung. Arbeiten Sie etwa im Vertrieb, dann beschimpfen Sie Ihren Kollegen doch einmal als C-Kunden-Beschaffer. Ist Ihnen jemand zu unkritisch, beleidigen Sie ihn als Mehrheitsmeiner. Für immer freundliche Dauergrinser sei Ihnen der Empfangsdamen- Grüßer empfohlen. Faulpelze titulieren Sie als Kampfschläfer, Dienstbeflissene als Kernzeiten-Einhalter. Und bei ganz harten Fällen besinnen Sie sich auf Praktikanten-Schoner, Bewirtungsbeleg-Anzweifler oder Vorstands-Groupie. Da bleibt kein Auge trocken.Dabei: Nachhilfe in Sachen kompetenter Kollegen-Pöbelei ist gar nicht nötig. Der Bildungsstand in deutschen Büros ist höher als angenommen, bewies erst kürzlich eine Aktion von ?Spiegel Online?. Die Redaktion rief ihre Leser dazu auf, die besten Büro-Schimpfwörter preiszugeben und konnte schon kurz darauf eine lange Liste preisverdächtiger Antworten veröffentlichen.Regen Sie sich etwa ständig über die unlesbare Sauklaue eines Kollegen auf, dann verhöhnen Sie ihn als Aktenschänder. Lässt ein Kollege wegen eigener Unfähigkeit seine Sekretärin den Computer bedienen, schmähen Sie ihn als Bildschirmschoner oder als E-Mail-Ausdrucker. Wer nichts außer dem Locher beherrscht, heißt künftig Diplom-Perforator oder Leitz-Luder. Klaut Ihnen ein Kollege dauernd Klebezettel und Stifte, dann schmähen Sie ihn als Nahversorger. Auch falls Sie dem Chef die Meinung sagen wollen, können Sie aus einem großen Fundus wählen: als Kurzstrecken-Grübler oder als Lethargie-Strategen. Das sitzt garantiert.
Dieser Artikel ist erschienen am 26.05.2004