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Schaulaufen bei Bertelsmann

Von H.-P. Siebenhaar
Die Sanierung des Bertelsmann-Clubgeschäfts trägt offenbar erste Früchte: Der Deutsche Buchclub schreibe nach acht verlustreichen Jahren erstmals wieder schwarze Zahlen, heißt es Unternehmenskreisen in Gütersloh. Zu verdanken ist dieser Teilerfolg vor allem Vorstand Ewald Walgenbach, der sich mit seiner Arbeit um den Chefsessel beim Medienkonzern bewirbt.
DÜSSELDORF. Der operative Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) des deutschsprachigen Clubgeschäfts mit über drei Millionen Mitgliedern soll 2006 über fünf Mill. Euro betragen. ?Wir haben den Umsatz pro Mitglied vergrößert, allerdings sinkt die Mitgliederzahl weiter?, hieß es in Bertelsmann-Kreisen.Mit der Rückkehr in die Gewinnzone ist der für das weltweite Clubgeschäft zuständige 47-jährige Walgenbach im Rennen um den Chefposten im Gesamtkonzern. Bereits nächsten Donnerstag wird der Personalausschuss des Aufsichtsrats eine Vorentscheidung über die Nachfolge für Gunter Thielen treffen. Der Vorstandschef wechselt Ende dieses Jahres an die Spitze des Aufsichtsrats. Dem Personalausschuss gehören neben Liz Mohn und Aufsichtsratschef Dieter Vogel zwei weitere Mitglieder des Gremiums, der frühere BASF-Chef Jürgen Strube und der ehemalige BMW-Chef Joachim Milberg, an. Als Favorit für den Chefsessel bei Bertelsmann gilt allerdings Hartmut Ostrowski. Der gebürtige Bielefelder leitet die wachstumsstarke Druck- und Mediendienstleistungssparte Arvato.

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Der von Firmenpatriarch Reinhard Mohn 1950 gegründete deutsche Buchclub gilt als die Keimzelle des Konzerns. ?Der deutsche Club hat noch immer eine emotionale Bedeutung für Bertelsmann?, sagte Walgenbach vor Monaten.Auch Matriarchin Liz Mohn ist mit dem Club engstens verbunden. In der früheren Firmenzentrale in Rheda begann sie als Telefonistin ihre Laufbahn bei Bertelsmann. In den vergangenen acht Jahren häufte der mittlerweile in Berlin ansässige Club allerdings 100 Mill. Euro an Verlusten an.Die Sanierung des deutschen Clubs ist vor allem die Leistung des Spaniers Fernando Carro. Sollte es Walgenbach tatsächlich gelingen, Bertelsmann-Chef zu werden, wird Carro in den Vorstand aufrücken. Das gilt bei Bertelsmann als ausgemacht. Auch Liz Mohn schätzt den geradlinigen Manager, der zuvor den hochprofitablen spanischen Club Circulo de Lectores leitete.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Sanierungsarbeiten des Buchclubs sind rechtzeitig zum Vorstandswechsel abgeschlossen.Der promovierte Naturwissenschaftler und frühere Unternehmensberater Walgenbach hatte vor fünf Jahren die Dauerbaustelle Direct-Group übernommen. Rechtzeitig zum Vorstandswechsel sind nun die Sanierungsarbeiten abgeschlossen. ?Alle unsere Clubs weltweit sind profitabel. Nur in China sind wir noch in der Aufbauphase?, heißt es in Gütersloh. Auch die Buchclubs in Großbritannien, ebenfalls jahrelang ein Verlustbringer, hätten 2006 die Gewinnzone erreicht.Nach Angaben von Insidern hat die Konzerntochter 2006 weltweit den Gewinn vor Zinsen und Steuern verdoppelt. ?Vielleicht werden es sogar 110 Mill. Euro?, hieß es in Konzernkreisen. 2005 erzielte Bertelsmann mit seinen Buch-, DVD- und Musikclubs einen operativen Gewinn von 53 Mill. Euro.In Unternehmenskreisen wird auch erwartet, dass die Direct-Group ihre Erlöse um mehr als zehn Prozent steigert. Zuletzt lag der Umsatz bei 2,38 Mrd. Euro.Eine offizielle Bestätigung für die neuen Zahlen gab es am Mittwoch nicht. Ein Unternehmenssprecher lehnte einen Kommentar ab. Derzeit werde am Jahresabschluss gearbeitet.Es sind aber nicht nur wachsende Geschäfte, welche die Direct-Group beflügeln. Für das Wachstum ist auch der 312 Mill. Euro teure Zukauf des amerikanischen DVD-Händlers Columbia House vor eineinhalb Jahren verantwortlich. ?Wir haben die Kostensenkung schneller erreicht, als wir es uns vorgenommen hatten?, sagte Walgenbach. Die Renditeerwartungen hätten sich erfüllt, heißt es nun im Konzern. Columbia House liefere eine zweistellige Umsatzrendite.
Die Kür des neuen ChefsDie Entscheidung: Herausforderer Ewald Walgenbach, Chef der Direct-Group, brilliert mit guten Zahlen. Als Favorit für die Konzernführung gilt aber der 46- jährige Chef der Drucksparte Arvato, Hartmut Ostrowski. Er hat das Vertrauen des derzeitigen Bertelsmann-Chefs Gunter Thielen und der Eigentümer-Familie Mohn. Am Freitag in einer Woche fallen im Aufsichtsrat die Würfel.Die Show: Der neue Chef wird am 22. Januar vor 700 Managern in Berlin vorgestellt. Er soll Anfang 2008 das Amt übernehmen. Thielen wechselt dann in den Aufsichtsrat.
Dieser Artikel ist erschienen am 11.01.2007