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Schareck ist neuer Versicherungspräsident

Von Rita Lansch
Der 58-jährige Chef der Karlsruher Versicherung tritt die Nachfolge von Bernd Michaels an der Spitze des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) an. Der Stein, der damit vom Herzen aller Beteiligten fällt, dürfte im ganzen Land zu hören sein.
BERLIN. Der Stein, der damit vom Herzen aller Beteiligten fällt, dürfte im ganzen Land zu hören sein. Denn, die Erwartungen an Schareck sind hoch; seine bevorstehenden Aufgaben schwierig. Schließlich steht die Versicherungswirtschaft längst nicht mehr so glänzend da wie in früheren Zeiten. Die dreijährige Börsenbaisse hat ebenso ihre Spuren hinterlassen, wie die Zunahme von Naturkatastrophen und anderen Großschäden. Dazu dämpft die hohe Arbeitslosigkeit die Lust der Verbraucher, etwas für die private Vorsorge zu tun.?Meine Hauptaufgabe wird sein, die Mitglieder im Verband zusammen zu halten?, sagte Schareck gegenüber dem Handelsblatt. Er gilt in der Branche als solide, versiert und daher als ?Glücksgriff?, wie ein Manager formulierte. Der Zusammenhalt in der Branche hat unter der zunehmenden Wettbewerbsintensität seit der Deregulierung des Versicherungsmarktes in Europa arg gelitten. Zuletzt war das an der äußerst strittigen Rettungsaktion für die zusammengebrochene Mannheimer Lebensversicherung abzulesen, an der sich einige Versicherer nicht beteiligen wollten. Das wäre noch vor Jahren undenkbar gewesen.

Die besten Jobs von allen

Der Wind bläst der deutschen Assekuranz zuweilen gleichzeitig aus der EU-Hochburg Brüssel, dem politischen Berlin und nicht zuletzt aus Bonn entgegen, wo die deutsche Allfinanzaufsicht sitzt. Einer der wichtigsten Gegenspieler des GDV-Präsidenten ist und bleibt dabei der Bundesfinanzminister. Denn vor allem steuerliche Probleme brannten der Assekuranz in letzter Zeit häufiger unter den Nägeln ? sei es, dass im Zuge der Rentenreform das Steuerprivileg der Lebensversicherung zu kippen drohte oder dass Verluste aus Investmentgeschäften zu versteuern sind. Letzteres will die Regierung zwar teilweise wieder korrigieren, doch die Branchenvertreter haben immer noch Einwände. Bei den geplanten, schärferen Eigenkapital- und Aufsichtsvorschriften ist der neue Verbandspräsident ebenfalls gefordert.Kein Wunder, dass der bescheidene Wahl-Rheinländer Schareck sich nicht nach dem Job gedrängt hat. Doch für den pflichtbewussten Versicherungsmanager, Sohn des früheren Agrippina-Vorstands Georg Schareck, war es ein Angebot, das er nicht ablehnen durfte.Das hätte ihm sein Konzernherr wohl auch übel genommen, denn Schareck bleibt im Hauptberuf Vorstand in Karlsruhe. Und die Karlsruher gehören zum Einflussbereich der Münchener Rückversicherung. Die Grande Dame der Assekuranz zieht gern im Hintergrund die Strippen. Selten sieht man einen hochrangigen Vertreter des bayerischen Weltmarktführers in vorderster Front unter den Lobbyisten.Das Interessenspiel der Großen hat die langjährige Suche nach einem Nachfolger im obersten Amt des Verbandes nicht eben erleichtert, berichten Branchenvertreter.Eigentlich stand der Posten des GDV-Präsidenten schon vor zwei Jahren zur Disposition. Die Jobsuche blieb jedoch erfolglos, weshalb der langjährige Verbandspräsident Bernd Michaels seinen Vertrag um zwei Jahre verlängern musste, obwohl er als Chef der Rheinischen Provinzial-Versicherungen in den Ruhestand verabschiedet worden war. Dafür änderte das GDV-Präsidium eigens die Satzung, denn bis dahin sahen die Regularien vor, dass der Präsident im operativen Geschäft aktiv sein muss.Für den verbandserfahrenen Juristen Michaels war die Lobbyarbeit jedoch längst zum Fulltime-Job geworden. Gestern wurde er von niemand geringerem als Bundesfinanzminister Hans Eichel verabschiedet. Michaels Resumee: Die Verbandsarbeit hat sich vom Service für die Mitglieder zur Politik- und Öffentlichkeitsarbeit entwickelt.
Dieser Artikel ist erschienen am 14.11.2003