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Samuelsson ist Favorit für MAN-Chefposten

Hakan Samuelsson wird als heißer Kandidat für den MAN-Vorstandsvorsitz gehandelt. Wie in Branchenkreisen bekannt wurde, gilt seine Wahl als Nachfolger von Rudolf Rupprecht kommende Woche als sicher.
HB MÜNCHEN. Der Vorstandsvorsitzende der MAN Nutzfahrzeuge AG, Hakan Samuelsson, soll nach Angaben aus Branchenkreisen neuer Vorstandsvorsitzender der MAN AG, München, werden. Seine Wahl in der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch vor der Hauptversammlung gelte als sicher, erfuhr Dow Jones Newswires am Donnerstag aus den Kreisen. "Da werden keine großen Diskussionen mehr geführt", hieß es weiter. Samuelsson sei in der Sitzung des Kontrollgremiums der einzige Kandidat für die Nachfolge des zum Jahresende scheidenden Vorstandsvorsitzenden Rudolf Rupprecht.Samuelsson galt bereits als Favorit für die Führungsposition bei dem Maschinenbau- und Nutzfahrzeugkonzern. Chancen wurden zuletzt aber auch dem Vorstandsvorsitzenden der Druckmaschinen-Tochter MAN Roland, Gerd Finkbeiner, eingeräumt, der als exzellenter Verkäufer gilt. Der 53-jährige Schwede Samuelsson hat den Lkw- und Bus-Hersteller seit seinem Wechsel von Scania zu MAN im Jahr 2000 durch wiederholt schwierige Phasen der Umstrukturierung und Sanierung zu neuer Ertragsstärke geführt. Zudem hat die Dominanz der Nutzfahrzeugsparte bei Umsatz und Gewinn im Gesamtkonzern nach dem Verkauf der Beteiligung am Maschinenbauer SMS noch zugenommen.

Die besten Jobs von allen

?Es würde mich wundern, wenn Samuelsson es nicht wird?, sagte ein Branchenexperte. ?Er kann MAN zusammenhalten und aufpassen, dass keine Sparte wieder aus dem Ruder läuft.? Wer aber auch immer Rupprecht auf dem Chefsessel beerben wird: Er übernimmt den Konzern nach Einschätzung von Branchenxperten auf solidem Kurs - nach zwei schwierigen Jahren mit konjunktureller Talfahrt und dem Abbau tausender Jobs. ?Die Weichen sind gestellt, er hinterlässt keine unerledigten Hausaufgaben?, sagt Uwe Reck, Analyst bei der Bankgesellschaft Berlin. ?Die meisten Baustellen sind abgearbeitet?, sagte ein anderer Experte.Rupprecht gelang es, MAN mit seiner breiten Produktpalette von Bussen über Lastwagen, Dieselmotoren und Druckmaschinen trotz Konjunkturschwäche zusammenzuhalten und mehrere Sparten zu sanieren. Auch die Klippe einer Zerschlagung umschiffte er: Immer wieder war spekuliert worden, dass MAN im Rahmen einer Konsolidierung der europäischen Nutzfahrzeugbranche auseinander genommen werden könnte. Im Sommer hatte die Unternehmerfamilie Weiss versucht, über die MAN-Beteiligung SMS den Konzern zu übernehmen und letztendlich mit dem Konkurrenten Scania zusammenzulegen.Bis auf die Druckmaschinensparte MAN Roland haben alle Sparten zum Jahresauftakt einen Gewinn gemacht. Die Bussparte erreichte 2003 und damit ein Jahr früher als geplant die schwarzen Zahlen und soll auch im Gesamtjahr zum Konzerngewinn beitragen. Das Unternehmen hat weite Teile der Busproduktion in die Türkei und nach Polen verlegt, was sich nun in verbesserter Profitabilität niederschlägt.Selbst das Druckmaschinengeschäft sieht Licht am Ende des Tunnels und konnte bei der Fachmesse drupa Aufträge über 470 Millionen Euro schreiben, was über den eigenen Erwartungen lag. ?Mit etwas Glück? soll MAN Roland 2004 ein ausgeglichenes Ergebnis erwirtschaften.Handlungsbedarf sehen Analysten noch bei dem defizitären Raumfahrtgeschäft MAN Technologie, das bis Ende des Jahres weitgehend saniert sein soll. Rupprecht hat die Hoffnung geäußert, MAN Technologie könne ab 2005 für den europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS interessant sein, wenn das Raumfahrtprogramm Ariane wieder in Gang kommt - doch Co-Chef Rainer Hertrich hat schon jetzt abgewunken.Probleme drohen dem Konzern mit seiner Belegschaft, weil der Konzern auch nach der harten Sanierung weiter an der Kostenschraube drehen und wie Siemens die Arbeitszeit ohne Lohnausgleich verlängern will. Dazu sollen in diesem Jahr nochmals 1000 Stellen wegfallen, darunter 250 weitere Jobs in der Druckmaschinensparte. Die IG Metall will eine längere Arbeitszeit ohne mehr Lohn nicht hinnehmen: ?Wir lassen uns nicht erpressen?, protestierte die Gewerkschaft in einer Resolution.Die Analysten der Bankgesellschaft Berlin beschreiben die Lage bei MAN insgesamt positiv: ?Die Ampel steht auf grün.? In den ersten drei Monaten steigerten die Münchner dank eines florierenden Nutzfahrzeuggeschäfts Gewinn, Umsatz und Aufträge. Auch die lange Zeit wenig beachtete MAN-Aktie ist wieder im Aufwärtstrend, sie hat seit seit Anfang des Jahres rund 20 Prozent auf derzeit 30 Euro zugelegt.
Dieser Artikel ist erschienen am 03.06.2004