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Sammeln für die Firma

Von Christiane Fricke, Handelsblatt
Christian Brühe mag es sachlich und klar. Dennoch macht er aus der Begegnung mit seiner Uniplan Art Collection ein eindrucksvolles Erlebnis.
KERPEN "Mission statement? hört sich ambitioniert an. Es klingt so, als könne der kahlrasierte und korrekt gekleidete Mann, der da mit übereinander gelegten Händen am Tisch sitzt, sogar einen Flug auf den Mond möglich machen.Christian Brühe, Chef der Firma Uniplan International GmbH & Co KG und Initiator einer firmeneigenen Kunstsammlung mit bisher 60 Werken, lächelt nur. ? ,Mission statement? ist ein Marketingbegriff?, erklärt er die auf seiner Website gefundene Formel. ?Es gibt ja die Vision für das Unternehmen. Mission ist eben das, wer man sein möchte und wo man hin möchte. Mission ist letztlich auch das, was man tut.? Aber missionarisch in Sachen Kunst sei er nicht unterwegs.

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?Menschen, die ein bisschen Glück gehabt haben, stehen jedoch auch in der Verantwortung, etwas an ihre Umgebung, die Familie, an die Mitarbeiter und Besucher zurückzugeben?, gibt er zu Bedenken. Etwas, das ? wie zum Beispiel Kunst ? ?eine gewisse, wie auch immer definierte positive Wirkung auf die Gesellschaft hat?.Und damit kennt sich der 44-Jährige gut aus. Sein Unternehmen ist eine der führenden Agenturen für Live Communication mit Niederlassungen in Metropolen wie Paris, Budapest, Peking und Schanghai und hat sich darauf spezialisiert, aus der Begegnung von Menschen mit Marken Erlebnisse zu machen.?Kunst lebt vom Dialog mit dem Betrachter, vom direkten, möglichst unmittelbaren Erleben. Daher passt Christian Brühes Engagement in der Kunst hervorragend zu den Anknüpfungspunkten in der Live Communication, dem Betätigungsfeld seiner Agentur Uniplan?, findet denn auch Unternehmensberater Roland Berger, der den Vorsitz im Aufsichtsrat von Uniplan führt.Auch den Besuch des Kunden am Firmenstammsitz in Kerpen bei Köln macht Brühe zum Event, in einem für Kundenbesuche umgebauten, flachen Gebäuderiegel. Hier badet das Auge in funktionaler Architektur vom Feinsten. Und hier arbeiten auch die Kreativen von Uniplan. In hellen, angenehm proportionierten Büros denken sie sich für Toshiba, Daimler-Chrysler oder L?Oréal Konzepte, Events und Road-Shows aus und entwerfen Messestände.Gesellschaft leisten den Markenstrategen Werke wie ein monochromes, sandfarbenes Bildpaar von Frederic Matys Thursz oder großformatige, schreckensdüstere Zeichnungen des US-Künstlers Robert Lon-go. Ihr Thema sind Gegenstände aus der Wohnung und Praxis Sigmund Freuds, die dieser auf der Flucht vor den Nazis zurücklassen musste.Die Kunst umgibt Brühes Mitarbeiter so wenig aufdringlich wie die Architektur. Wenn sie den langen Flur entlanggehen, der das Gebäude wie eine Achse durchschneidet, begleitet sie auf beiden Seiten etwas, das aussieht wie ein optisches Leitsystem. Es ist die Installation ?Text DNA? von Andreas Horlitz, eine Art Leuchtkasten mit vier genetischen Sequenzen auf teilverspiegeltem Glas, planparallel und in Augenhöhe in die Wand eingelassen.Ein großes, rundes Fischauge am Ende des Flurs übt eine sogartige Wirkung aus. Beim Nähertreten entpuppt es sich als spiegelnder Trichter, dessen Inneres sich in die Wand stülpt. Anish Kapoor, der aus Indien stammende und in London lebende Bildhauer, schuf diese platinbeschichtete Terrakottaskulptur.Was in der Uniplan Art Collection nicht stattfindet, sind Provokationen. Diese Kunst irritiert nicht und beleidigt auch nicht. Manchmal ist sie kaum als solche zu erkennen. Zum Beispiel die in Königsblau und Graugrünblau getauchte Lobby von Uniplan, eine Wandmalerei des Briten Jon Groom, die subtil die Maße und Proportionen der Räumlichkeiten aufnimmt. Die Grenze zwischen Kunst und Design ist hier gar nicht mehr so genau auszumachen ? wie so oft in der zeitgenössischen Kunst.Möglicherweise ist es das, was unmerklich Anstöße liefert. Wenn man merkt, dass man noch mal genauer hinschauen muss. ?Künstler arbeiten dicht am Puls der Zeit?, sagt Brühe ? wie die Kreativen von Uniplan. Nur sind sie nicht so frei.Hautnah bekam das Uniplan-Team dies zu spüren, als es im Auftrag des Kölner Bankhauses Sal. Oppenheim die Young Collector?s Lounge der Art Cologne 2004 von dem Künstler Heiner Blum gestalten ließen. Blum beschränkte sich nicht darauf, die Wände mit riesengroßen Leuchtschrifttafeln mit literarischen Zitaten zu versehen, sondern gab der Lounge ihren besonderen Charakter auch im Sinne eines Events. Beispielsweise legte Blum fest, welche Kleidung das Cateringpersonal tragen sollte, und setzte den Verzicht auf Tische durch.Kein leichter Fall für Uniplan. ?Ich musste bei uns hier Werbung dafür machen?, erinnert sich Brühe, ?dass diese Starrköpfigkeit von Heiner Blum genau das ist, was wir wollen für das Projekt.? Das habe er auch seinem Auftraggeber, dem Bankhaus, vermittelt: ?Wir machen da keine Kompromisse.?Kompromisslose Klarheit ? das liegt ganz auf Brühes Linie. Private Leidenschaften haben in diesem Umfeld keinen Platz. Erst Nachfragen nach den tieferen Ursachen für sein Kunstengagement bringt ans Tageslicht, dass sich bereits seine Eltern mit Kunst umgaben. ?19. Jahrhundert, naturalistisch?, fügt er knapp hinzu. Vater Hans Brühe war es auch, der die Firma ?Werbebau Brühe? 1960 gründete und bis nach Asien expandierte. Hans Brühe gestaltete streng genommen sogar das erste ?event?: das Begräbnis von Ex-Bundeskanzler Konrad Adenauer 1967 in Köln.Christian Brühe tätigte seinen ersten Kauf 1997 auf der Art Basel: ein Druck des Bildhauers Eduardo Chillida. Ihn liebt er immer noch. Es ist sogar eine weitere Arbeit des prominenten Basken dazugekommen: ein Frühwerk aus den 40er-Jahren. Dass es dann mit Chillida nicht mehr weiterging, ?hat auch etwas mit der Preisentwicklung zu tun?, bekennt Brühe. ?Das kommt davon, wenn man zu lange wartet.?Das könnte letztlich auch heißen, ?wir wollen konsequent sein und trennen uns von bestimmten Wegen, die nicht weiterführen?, stellt der Unternehmenschef sachlich fest und guckt dabei seine Kuratorin an. Bettina Kames pflegt und dokumentiert die Sammlung und überlegt im Dialog mit Brühe, welche Künstler und welche Arbeiten die Kollektion bereichern könnten.Am Ende kommt dann doch noch etwas Persönliches über die Lippen des Markenstrategen. Er habe noch nie eine Arbeit verkauft, sagt er. ?Ich habe es noch nie übers Herz gebracht.?
Dieser Artikel ist erschienen am 22.03.2005