Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Rund ums Arbeitslosengeld

Andreas Jung | Meike Hebestreit
Gekündigt - was nun?
Wer hat Anspruch auf Arbeitslosengeld?

Jeder, der in den vergangenen drei Jahren mindestens zwölf Monate als Angestellter gearbeitet hat

Wie hoch ist das Arbeitslosengeld?

Faustregel: Arbeitslose bekommen etwa zwei Drittel ihres letzten Nettogehalts. Wer es genauer wissen will, muss sich durch 15 Berechnungsvarianten wühlen. Dort geht es im schönsten Bürokratendeutsch um Begriffe wie Bemessungsentgelt, Leistungsgruppen, Anrechnungsbetrag oder erhöhter Leistungssatz. Verbindliche Auskünfte erteilt nur das Arbeitsamt.

Die besten Jobs von allen


Für welchen Zeitraum gibt es Arbeitslosengeld?

Das hängt von Alter und Beschäftigungsdauer ab. Wer jünger als 45 Jahre ist, wird sechs bis zwölf Monate unterstützt

Wofür gibt es noch Geld?

Beispielsweise für Bewerbungskosten (bis zu 250 Euro pro Jahr), für Fahrtkosten, für Umzüge oder für Arbeitsmittel. Außerdem kann bei der Kommune ein Mietkostenzuschuss beantragt werden.

Wann können Gekündigte ihr Arbeitslosengeld beantragen?

Bei ordentlicher Kündigung frühestens zwei Monate vor dem Ausscheiden aus dem Unternehmen; bei fristloser Kündigung sofort. Ein Anspruch auf Arbeitslosengeld besteht frühestens mit dem Zeitpunkt der Antragstellung

Was geschieht mit der Krankenversicherung?

Wer Arbeitslosengeld bekommt, ist automatisch krankenversichert. Das Arbeitsamt übernimmt die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung und bis zu einer gewissen Obergrenze auch die Prämien für privat Krankenversicherte. Problem: Zwischen dem Antrag auf Arbeitslosengeld und der Bewilligung können Monate vergehen. Dieser Zeitraum stellt für gesetzlich Versicherte eine erhebliche Gefahr dar. Denn kommt es in dieser Zeit zu einem Unfall oder einer schweren Krankheit, bleibt der Arbeitslose auf sämtlichen Kosten sitzen, falls die Behörde den Antrag ablehnt. Für dieses Risiko bieten viele Versicherungen einen Übergangsschutz an

Sollten sich Gekündigte arbeitslos melden, wenn sie gegen ihren Rauswurf klagen und gute Chancen bestehen, den Prozess zu gewinnen?

Unbedingt. Denn nur dadurch sichern sie sich ihre Rechte auf Arbeitslosengeld bis zum Ende des Verfahrens.

Dürfen Arbeitslose jobben?

Ja, bis zu 14 Wochenstunden. Jedoch wird der Verdienst auf das Arbeitslosengeld angerechnet, sofern er einen Freibetrag von 20 Prozent des Arbeitslosengeldes überschreitet. Wichtig: Jeden Job vorab genehmigen lassen

Dürfen Arbeitslose verreisen?

Wer Arbeitslosengeld kassiert, muss an jedem Werktag erreichbar sein. Abwesenheit vom Wohnort muss beim Arbeitsamt angemeldet werden. Mehr als drei Wochen pro Jahr sind nicht drin

Unterstützt das Arbeitsamt Arbeitslose, die sich selbstständig machen wollen?

Gründer können sechs Monate lang eine finanzielle Unterstützung in Höhe des letzten Arbeitslosengelds bekommen ("Überbrückungsgeld"). Dies setzt voraus, dass sie mindestens vier Wochen Arbeitslosengeld bezogen haben und gute Erfolgsaussichten für das Unternehmen bestehen.

Müssen sich Entlassene gegen eine unberechtigte Kündigung wehren?

Unter Umständen ja. Sie riskieren eine dreimonatige Sperre des Arbeitslosengelds, wenn sie eine offensichtlich rechtswidrige Kündigung widerstandslos hinnehmen. Etwa, wenn der Arbeitgeber sie vor Ende der Kündigungsfrist entlässt. Wer eine Abfindung kassiert und im Gegenzug verspricht, nicht gegen eine rechtlich zweifelhafte Kündigung zu klagen, muss ebenfalls mit Sperrzeit rechnen

Kann ein Arbeitnehmer gegen Abfindung risikolos auf das Einhalten der Kündigungsfrist verzichten?

Er bekommt dann bis zum Ablauf der vertraglichen oder gesetzlichen Frist kein Arbeitslosengeld

Welche Auswirkungen hat eine eigene Kündigung auf das Arbeitslosengeld?

Das Arbeitsamt verhängt dann eine zwölfwöchige Sperrfrist ? und zahlt so lange kein Arbeitslosengeld. Das gilt selbst dann, wenn das Unternehmen ansonsten selbst die Kündigung ausgesprochen hätte

Was passiert, wenn der Arbeitgeber mich vor die Wahl stellt: betriebsbedingte Kündigung oder gütlicher Aufhebungsvertrag gegen Zahlung einer Abfindung?

Im Aufhebungsvertrag sollte klar stehen, dass den Arbeitnehmer kein Verschulden an seiner Arbeitslosigkeit trifft und es anderenfalls zu einer wirksamen, betriebsbedingten Kündigung gekommen wäre. Ansonsten gibt es bei Unterzeichnung eines Aufhebungsvertrags in den ersten drei Monaten kein Arbeitslosengeld

Wird die Abfindung auf die Höhe des Arbeitslosengeldes angerechnet?

Nein. Sie kann aber zu einer Sperrzeit führen, wodurch sich die Dauer des Anspruchs auf Arbeitslosengeld verkürzt

Mit welchen Abzügen für Sozialabgaben und Steuer müssen Arbeitnehmer bei Zahlung einer Abfindung rechnen?

Arbeitnehmern, die jünger als 50 Jahre alt sind, gewährt der Gesetzgeber einen Freibetrag von 8.181 Euro

Kann das Arbeitsamt jemanden zwingen, Fortbildungsmaßnahmen zu besuchen?

Ja. So musste Gitte Knöpfle, die entlassene Personalchefin von Kabel New Media in Hamburg, einen Bewerbungskurs absolvieren ? obwohl sie in ihrem Job selbst Hunderte von Einstellungsgesprächen geführt hatte

Wo gibt es weitere Informationen?

Direkt beim Arbeitsamt, beim Anwalt oder unter www.arbeitsamt.de. Auch Fachbücher können weiterhelfen, zum Beispiel "Wenn der Arbeitgeber kündigt" von Maren Lehky, "Arbeitnehmerschutz bei Kündigung" von Fokke Fock, "Meine Rechte als Arbeitnehmer" von Karlheinz Dietz und "Ihre Rechte als Arbeitnehmer" von Notter/Obenaus/Ruf.

Dieser Artikel ist erschienen am 24.01.2002