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Rund um die Psyche

Andreas Jung | Meike Hebestreit
Gekündigt - was nun?
Wie gehe ich am besten mit dem Gefühlschaos um?

In den ersten Stunden und Tagen nach einer Kündigung wechselt die Stimmung oft zwischen Schock und Verzweiflung, Wut und Misstrauen, Selbstzweifeln und Existenzsorgen. Je nach Persönlichkeit unterscheidet sich die Art der Verarbeitung.
Manchen hilft es, sich erst mal in Ruhe zurückzuziehen. Andere kontaktieren engste Freunde, wieder andere verfallen in hektische Aktivität. Wofür man sich auch entscheidet: Wichtig ist vor allem, mit der neuen Situation bewusst umzugehen und ein wenig Mut zur Unsicherheit aufzubringen.

Wem sage ich was?

Vielen erscheint ihre Arbeitslosigkeit als Makel. Das Thema empfinden sie als gesellschaftliches Tabu, dem sie sich in ihrer Hilflosigkeit fügen. So verständlich diese Reaktion anfänglich ist ? früher oder später werden Familie, Freunde, Bekannte und Kollegen nachfragen.
Für Leute, die einem weniger nahe stehen, sollte man eine Antwort parat halten, die weder den Arbeitgeber nach außen schlecht macht noch Zweifel an der eigenen Person schürt. Für alle anderen gilt: Je selbstverständlicher und offensiver ein Betroffener mit seiner Situation umgeht, desto mehr Unterstützung, nützlichen Rat und andere Betroffene wird er finden.

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Wer hilft mir bei Existenzsorgen?

Erste Anlaufstelle ist das zuständige Arbeitsamt, bei dem sich Betroffene so schnell wie möglich nach Vorlage der Kündigung melden sollten. Zum einen, um die pünktliche Auszahlung des Arbeitslosengeldes sicherzustellen. Zum anderen, um sich beraten zu lassen: über Jobangebote, Weiterbildungsmöglichkeiten, Finanzhilfen, Überbrückungsgeld zur Selbstständigkeit und Informationsquellen für Arbeitslose, die auch psychologische Betreuung einbeziehen. Überprüfen Sie zudem Ihre Lebenshaltungskosten auf kurzfristige Einsparmöglichkeiten

Wie kann ich mit dem gesellschaftlichen Druck umgehen?

Viele Arbeitslose fühlen sich von ihrem persönlichen Umfeld behandelt wie Schwerkranke. Mitleidige Blicke, permanentes Nachfragen, ob ein Job in Aussicht sei, oder gar ausbleibende Anrufe und Einladungen setzen unter Druck und verführen dazu, sofort den erstbesten Job anzunehmen. Ein Schnellschuss, der wenig Erfolg verspricht.
Besser ist es, ausreichend Abstand zu entwickeln und das Erlebte einigermaßen zu verarbeiten. Nur dann lässt sich die nötige Frische, Kreativität und das Selbstbewusstsein für eine neue Stelle aufbringen.
Manchen hilft es auch, die momentane Arbeitslosigkeit innerlich als Sabbatical zu bewerten ? als bewusste Auszeit, um seine Bedürfnisse zu sortieren und sich beruflich neu zu orientieren

Der Gang zum Arbeitsamt steht bevor wie ein Zahnarztbesuch. Wie lässt sich die Scheu überwinden?

Einreihen in die Schlange derer, die niemand will, unangenehme Fragen nach dem Wie und Warum, verstohlene Blicke der Wartenden ? viele treten ihren ersten Gang zum Arbeitsamt mit bangen Gefühlen an. Doch gerade das Arbeitsamt ist in dieser schwierigen Zeit eine wichtige Informationsquelle.
Außerdem müssen sich höher Qualifizierte in der Regel nicht in die große Masse einreihen: Die meisten Arbeitsämter trennen nach gewerblichen Arbeitnehmern und Angestellten/Akademikern. Manch einer empfindet es sogar durchaus als tröstend, hier auf andere Betroffene zu stoßen.
Dieser Artikel ist erschienen am 24.01.2002