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Rückenwind für Ferdinand Piëch

Sowohl Großaktionär Porsche als auch der Betriebsrat haben sich für einen Verbleib des umstrittenen Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch an der Spitze des VW-Kontrollgremiums ausgesprochen.
VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch ist nicht unumstritten. Foto: dpa
HB DETROIT. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh und Porsche-Vorstandsvorsitzender Wendelin Wiedeking ließen auf der Autoshow in Detroit Zustimmung zu einer weiteren Amtszeit des 69 Jahre alten Piech erkennen. Osterloh und Wiedeking sind Aufsichtsratsmitglieder. Piech müsste sich der VW-Hauptversammlung im April als Kandidat für den Aufsichtsrat stellen, seine fünfjährige Amtszeit als Mitglied läuft aus, wie auch die Amtszeit als Vorsitzender. Auf der Autoshow ging Piech der Frage aus dem Weg, was seine Pläne in dieser Hinsicht sind. Piech besuchte in Detroit die Präsentationen von Audi und Porsche.Osterloh hatte gesagt, er würde es unterstützen, ?wenn die Kapitalseite Piëch wieder zur Wahl zum Aufsichtsratsvorsitzenden aufstellen würde.? Porsche-Vorstandschef Wiedeking stellte sich ebenfalls hinter Piech: ?Ich sehe alles, was mit Herrn Piech zusammenhängt positiv?, sagte Wiedeking am Montag. Später ergänzte er auf die Frage nach einer weiteren Piech-Amtszeit, ?es gibt keinen Grund, das Gegenteil zu sagen?. Piech selbst lehnte jede Auskunft ab: ?Kein Kommentar? entgegnete er auf Fragen.

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Stimmen des Arbeitnehmerlagers sicherOsterloh sagte, Piëch könne sich im Fall einer Kandidatur zum obersten VW-Aufseher der Stimmen des Arbeitnehmerlagers sicher sein. ?Wenn er vorgeschlagen wird, kriegt er die zehn Stimmen der Arbeitnehmerbank?, sagte Osterloh am Sonntagabend. Wiedeking kündigte an, Porsche werde nach dem 13. Februar seine Entscheidung zur Besetzung des VW-Aufsichtsrates treffen. An dem Tag gibt der EU-Generalanwalt eine Stellungnahme zum VW-Gesetz ab, das dem Land Niedersachsen zwei Plätze im Aufsichtsrat garantiert. Porsche fordert die Abschaffung des Gesetzes.Der VW-Aufsichtsratsvorsitzende braucht zur Wahl eine Zweidrittelmehrheit oder 14 der 20 Stimmen des Aufsichtsrates. Arbeitgeber und Arbeitnehmer stellen je zehn Mitglieder. Der 69-jährige Piëch ist seit 2002 Aufsichtsratschef, zuvor leitete er den größten Autokonzern Europas zehn Jahre als Vorstandschef.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Besetzung ist umstrittenBesetzung ist umstrittenDie Besetzung des VW-Aufsichtsrates ist umstritten: VW-Hauptaktionär Porsche hatte im Dezember einen Burgfrieden mit Großaktionär Niedersachsen über die Machtverteilung bei VW aufgekündigt. Porsche-Vorstandschef Wiedeking fordert ein drittes Aufsichtsratsmandat für sein Unternehmen bei Volkswagen, Niedersachsen mit seinen zwei Mandaten lehnt das bisher ab.Erst im November hatte sich Ministerpräsident Christian Wulff aus Hannover gegen eine Verlängerung von Piëchs Mandat ausgesprochen. Osterloh erklärte nun, Piëch sei ein guter Autofachmann. ?Und er arbeitet seit fünf Jahren nicht mehr im Unternehmen?, deshalb sehe er keine Gefahr von Interessenzusammenstößen.Gutes Verhältnis zum Betriebsrat In den letzten Jahren hatten Piëch und die Arbeitnehmergruppe im Aufsichtsrat eng zusammengearbeitet: Ende 2005 wurde der frühere IG Metall-Funktionär Horst Neumann mit ihren Stimmen zum VW-Personalvorstand gewählt, gegen den Willen des damaligen Konzernchefs Bernd Pischetsrieder. Ende 2006 wurde dann Pischetsrieder selbst mit Zustimmung von Piëch und der Arbeitnehmerriege abgelöst. Nachfolger wurde der Piëch-Vertraute Martin Winterkorn, bisher Audi-Chef.Am Donnerstag will der VW-Aufsichtsrat über Pläne von Winterkorn zum Konzernumbau beschließen. Dabei sollen die Verantwortlichkeiten für die Marken neu verteilt werden. Der bisherige VW-Markenchef Wolfgang Bernhard könnte an Einfluss verlieren.
Dieser Artikel ist erschienen am 08.01.2007