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Rotterdam - und dann?

Wir sind ihnen auf den Fersen geblieben, den Siegern unseres MBA-Stipendium-Wettbewerbs. Was ist aus den Absolventen der Rotterdam School of Management geworden? Wo haben sie Karriere gemacht? Oder haben wir am Ende auf die Falschen gesetzt?
Wir sind ihnen auf den Fersen geblieben, den Siegern unseres MBA-Stipendium-Wettbewerbs. Was ist aus den Absolventen der Rotterdam School of Management geworden? Wo haben sie Karriere gemacht? Oder haben wir am Ende auf die Falschen gesetzt?

Wie sieht er wohl aus, der ideale MBA-Student? Diese Frage stellt sich die Jury von karriere und Rotterdam School of Management jedes Jahr, wenn sie den Sieger des Stipendium-Wettbewerbs kürt. Eine schwierige Wahl - erhält der Sieger doch die gesamte Preissumme

Die besten Jobs von allen


Eine halbe Stunde bleibt den Probanden, um sich um Kopf und Kragen zu reden. Und manchmal reichten fünf Minuten, um die Jury für sich zu gewinnen. Die hatte immer auch ein Faible für ungewöhnliche Kandidaten und einen untypischen Studienhintergrund: Ein Diplom-Forstwirt oder eine Lektorin sind nicht gerade klassische MBA-Bewerber. Aber sie bekamen ihre Chance und nutzten sie

Unsere Stipendiaten und ihr Werdegang zeigen vor allem eines: Der MBA ist gerade nicht nur der Karriere-Turbo für Leute mit Standardprofil: Vorne geht der BWLer rein, hinten kommt der Investmentbanker oder Berater raus. Das Studium erlaubt, sich neu zu erfinden. Und tatsächlich gut bezahlte Jobs in Bereichen zu ergattern, von denen man sonst nicht einmal geträumt hätte. Oder etwas ganz anderes machen - auf eigene Rechnung. Einer der fünf Rotterdam-Sieger ist heute erfolgreicher Unternehmer


Hol dir den Preis!
Es ist der best dotierte MBA-Stipendien-Wettbewerb in Deutschland. Mittlerweile im achten Jahr winkt die "karriere RSM MBA scholarship competition" mit satten 34 000 Euro Preisgeld. Genug, um ein komplettes MBA-Studium an der Rotterdam School of Management (RSM Erasmus), einer der fünf besten Business Schools in Europa, zu finanzieren. Eine Chance, die jeder ergreifen kann: karriere ermöglicht mit diesem Stipendium talentierten und ambitionierten Lesern, die es sich sonst finanziell nicht leisten könnten, ein volles MBA-Studium. Die Teilnahmebedingungen sind einfach: Wer das normale Bewerbungsverfahren für das MBA-Programm der Rotterdam School of Management (inklusive GMAT-Test) durchlaufen hat, der kann sich automatisch auch für das Stipendium bewerben. Hier ist dann ein Essay zu einer vorgegebenen Fragestellung einzureichen. Die Endausscheidung findet vor einer Jury in Düsseldorf statt. Weitere Informationen unter www.rsm.nl

Annegret Cox, 37
"Geldmäßig gesehen, war es eher kein Erfolg", lacht Annegret Cox, Siegerin des RSM-Stipendium-Wettbewerbs 2001. Ihr erstes Gehalt nach dem MBA lag 40 Prozent unter dem vor ihrem Studium. Was an den Zeiten lag und nicht am MBA. "Ich bin halt in der Dotcom-Ära aus dem Vertrieb einer US-Firma zu einem Startup gewechselt", erklärt sie. Ihren MBA hat die Diplom-Informatikerin keinen Tag bereut. "Durch ein Praktikum während des Studiums bei einer Venture- Capital-Firma lernte ich den Chef meines heutigen Arbeitgebers kennen", beschreibt Cox ihren Einstieg bei der kleinen Münchener Firma NXN. Dort konnte die RSM-Absolventin dann alles einbringen, was man an einer Business School so lernt: Strategie, Businesspläne schreiben, Marketing. Mittlerweile wurde NXN von einer US-Firma übernommen, Cox ist nach einem Jahr Babypause seit vergangenem Oktober wieder Teilzeit an Bord. "Mein neuer Chef hat auch einen MBA, wir sprechen dieselbe Sprache", freut sich die Produktmanagerin. Geld ist eben nicht alles - selbst für MBA-Absolventen nicht

Gero Lueben, 33 "Ohne den MBA wäre mein Karrierewechsel nicht möglich gewesen", ist Millenniumsstipendiat Gero Lueben heute noch überzeugt. "So bekam ich die Chance, aus der Fachnische als Umwelttechnik-Ingenieur herauszukommen und in eine unternehmerische Aufgabe zu wechseln." Allerdings erst im zweiten Anlauf. "Nach dem MBA-Studium war ich zuerst im Business Development bei einer Drei-Mann-Softwarefirma in der Nähe von Pforzheim. Das entwickelte sich leider nicht so, wie ich gehofft hatte." Nach sechs Monaten klinkte er sich aus und machte sich weiter auf die Suche. Vor knapp zwei Jahren landete er bei einer jungen Softwarefirma in Konstanz, stieg als Teilhaber ein und ist heute geschäftsführender Gesellschafter der Exorbyte GmbH. Auf dem Konto ausgezahlt hat sich sein MBA bisher nicht. Lueben verdient noch immer deutlich weniger als vor dem MBA-Studium. "Unternehmer halt!", lächelt er. Seine Selbstständigkeit aufgeben will er trotzdem nicht mehr. Nebenbei führt Lueben sein Ehrenamt für eine heilpädagogische Einrichtung in der Schweiz weiter. "Da gibt es Pläne, die sind fast noch spannender als das, was ich gegenwärtig mache.

Katrin Lorenz, 32
Was will denn eine studierte Germanistin bloß mit einem MBA, fragte die Jury, als sich Katrin Lorenz 2002 um das RSM-Stipendium bewarb. Die Literaturwissenschaftlerin arbeitete zu diesem Zeitpunkt als Lektorin für einen Münchener Verlag. Ein schöner Job eigentlich, doch Lorenz wollte höher hinaus. "Ins Management", lautete dann auch ihre Antwort an die Jury, "dorthin, wo die wichtigen Dinge passieren." Dies und ihre anschließende Präsentation überzeugte die Juroren. So wechselte die Verlagsfrau mit Hilfe ihres MBA knapp zwei Jahre später tatsächlich radikal die Branche und stieg als Managerin beim Pharmakonzern Eli Lilly ein. Mittlerweile ist Katrin Lorenz wieder im Mediengeschäft gelandet, wenn auch nicht dort, wo Bücher gemacht, sondern wo welche verkauft werden: Als Produktmanager Media betreut sie beim Online-Buchhändler Amazon die Sparten Musik und DVD und ist verantwortlich "für die Steigerung von Umsatz, Absatz und Profitabilität der beiden Produktlinien". Auch ein schöner Job - und mit MBA in der Tasche zweifellos ein ganzes Stück leichter

Martin Gerhardt, 32
Das nennt man einen satten Gehaltssprung: Auf "plus 30 Prozent" beziffert Martin Gerhardt, unser Sieger aus dem Jahr 2003, seine pekuniäre Verbesserung durch den RSM-MBA. Nach Abschluss seines Studiums in Rotterdam heuerte der Diplom-Forstwirt im vergangenen Jahr bei Siemens Management Consulting als Berater an. Weil Siemens einen guten Klang hat, vor allem aber wegen der Internationalität des Unternehmens. Bereits sein zweites eigenständiges Projekt führte ihn für fünf Monate nach Südkorea. Dort konnte er nicht nur sein Management-Know-how unter Beweis stellen, sondern auch sein RSM-Netzwerk testen - wozu hat man schließlich "Freunde fürs Leben" gewonnen? "In Seoul hielt ich vom ersten Tag an Kontakt zu vier koreanischen Kommilitonen, die mich willkommen hießen und mir halfen, die koreanische Kultur zu verstehen." Lustige Abende in Karaokebars inklusive. Rotterdam, sagt Gerhardt, "das ist für mich die unvergessliche Erfahrung, für ein Jahr im Mikrokosmos des globalen Dorfes zu leben". Und natürlich zahlt sich jetzt in seinem Berater-job das Bearbeiten von endlos vielen Case Studies auch ganz konkret aus

Iris Springer, 35
Sie war unsere erste Stipendiatin - und sie hat es nach klassischen Karrierekriterien auch am weitesten gebracht. "Als ich im Frühjahr 1999 anfing, mich für den MBA zu interessieren, arbeitete ich als ehemaliger Ossi im technischen Management einer australischen Firma in Bangkok", blickt Iris Springer zurück. Heute ist die diplomierte Bauingenieurin hoch bezahlte Investmentbankerin bei der Citigroup in London. Eine MBA-Bilderbuchlaufbahn: Einstieg bei der Citigroup-Tochter Schroder Salomon Smith Barney, Mutterschaftspause nach der Geburt von Tochter Sarah Vasana im Juni 2004, Aufstieg zum "Vice President" bei der mittlerweile umbenannten Citigroup Global Markets Ltd. "Im Job läuft alles bestens. Citigroup ist in meinem Bereich "Industrials" die führende Investmentbank in Europa und hat insbesondere in Deutschland mächtig Boden gewonnen. So far, so good." Und Tochter Sarah Vasana erfreut sich einer dreisprachigen Erziehung: Deutsch von den Eltern, Englisch im Kindergarten und Französisch vom Au-pair-Mädchen

Dieser Artikel ist erschienen am 03.03.2006