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Rolf Hansen

Foto: Letsbuyit
Als Interimsvorstand für Strategie und Unternehmensentwicklung hilft Rolf Hansen, das zu Jahresbeginn vom Untergang bedrohte Startup Letsbuyit über Wasser zu halten.
Die Investmentbank Lehmann Brothers sagt, Letsbuyit habe innerhalb von sechs Monaten die 66 Millionen Euro aus dem Börsengang verbrannt und damit einen neuen Rekord aufgestellt. Wofür haben Sie so viel Geld ausgegeben?

Hauptsächlich für Personal und Marketing. Außerdem haben wir in die weitere Ausdehnung in Europa investiert. Kurz vor dem Börsengang im Juli 2000 hatten wir 450 Mitarbeiter. Im Frühjahr hatten wir zudem ein neues Top-Management eingekauft, das entsprechend teuer war. Denn wir wollten die dominante Internet-Einkaufsgemeinschaft in Europa aufbauen ? einen Konzern mit Milliarden-Umsatz. Doch beim Börsengang erhielten wir aufgrund des negativen Marktumfelds fast 120 Millionen Euro weniger als geplant. Man kann sagen: Wir haben ein ziemlich großes Boot gebaut, als es noch Benzin gab. Und als das Boot fertig war, hat man uns Ruder in die Hand gedrückt. Darauf haben wir nicht schnell und drastisch genug reagiert.

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Wie haben Sie es geschafft, kurz vor dem drohenden Konkurs von Ihren Kapitalgebern noch Zusagen über knapp 53 Millionen Euro zu erhalten?

Wir haben mal alle bunten Powerpoint-Präsentationen zu Hause gelassen und Zahlen und Fakten auf den Tisch gelegt. Und diese Fakten haben die Investoren überzeugt. Letsbuyit genießt einen Markenbekanntheitsgrad von mehr als 70 Prozent, hat 1,2 Millionen registrierte Nutzer und im Jahr 2000 über 38 Millionen Euro umgesetzt. Und unser neuer Geschäftsplan mit deutlich reduzierten Kosten wurde positiv aufgenommen. Sehr hilfreich war auch, dass der Aufsichtsrat so schnell das Moratorium zum Schutz der Gesellschaft beantragt und den Vorstand abgelöst hat. Außerdem haben wir sofort Wirtschaftsprüfer von KPMG ins Unternehmen geholt.

Was haben Sie aus den Erfahrungen gelernt?

Dass man sich stets die Flexibilität für Änderungen auf dem Kapitalmarkt bewahren und notwendige Entscheidungen sofort und in voller Härte umsetzen muss. Außerdem braucht man beim schnellen Wachstum ein Echtzeitcontrolling, um jederzeit über die Kosten Bescheid zu wissen. Ich rate anderen Gründern zudem, stets die Fäden in der Hand zu behalten, auch wenn sie Manager einstellen. Das Wichtigste aber ist wohl: Man muss weiter an seine Idee glauben.

E-Mail: ir-info@letsbuyit.com

Die Fragen stellte Peter Nederstigt
Dieser Artikel ist erschienen am 20.03.2001